Bauyrzhan Murzabayev

Sport-Welt: Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle noch einmal zum Gewinn des Jockey-Championats. Wie fühlt man sich als amtierender Titelträger?

Bauyrzhan Murzabayev: Danke. Gut natürlich. Ich hatte 2019 echt ein tolles Jahr. Dass es am Ende dann auch zum Titel gereicht hat, ist natürlich riesig. So ein Championat holt man ja nicht jeden Tag.

Sport-Welt: Dann wurde bestimmt ausgiebig gefeiert?

Bauyrzhan Murzabayev: Gefeiert schon, aber nicht zu groß. Im Stall gab es eine kleine Party, aber alles im Rahmen. Ich bin auch allgemein nicht so der Feiertyp.

Sport-Welt: Und dass, obwohl Sie in der Vergangenheit ja schon mehrfach Grund dazu hatten. Das Championat war ja nicht Ihr erstes?

Bauyrzhan Murzabayev: Das stimmt. In Tschechien bin ich dreimal Champion geworden.

Sport-Welt: Ein gutes Omen?

Bauyrzhan Murzabayev: Das weiß ich nicht, ich schaue immer von Rennen zu Rennen, aber natürlich werde ich alles daran setzen, meinen Titel zu verteidigen. Auch damit die Leute sehen, dass das kein Glück war.

Sport-Welt: Wen sehen Sie als Ihren größten Konkurrenten im Championatskampf?

Bauyrzhan Murzabayev: Das ist schwer zu sagen. Maxim Pecheur wird sicher wieder ein starker Gegner sein. Andrasch Starke als neuer Stalljockey von Henk Grewe wird sicher auch weit vorne zu finden sein.

Sport-Welt: Was gab es 2019 neben dem Champion-Titel im Hause Murzabayev noch zu feiern?

Bauyrzhan Murzabayev: Naja, da waren schon einige schöne Siege dabei. Aber auch wenn es mal nicht ganz reicht, kann es Grund zur Freude geben. Mit Naidas zweitem Platz in der Diana hatten wohl nur die wenigsten gerechnet. Das war schon ein toller Tag.

Sport-Welt: Nach dem letzten Renntag haben Sie erst einmal Urlaub in der Heimat gemacht. Wurden Ihre Erfolge dort auch registriert?

Bauyrzhan Murzabayev: Erstaunlicherweise ja. Ich wurde gleich von mehreren Zeitungen um Interviews gebeten. Das hat mich selbst ein bisschen überrascht.

Sport-Welt: Und von der Verwandtschaft?

Bauyrzhan Murzabayev: Klar, die wissen schon Bescheid über meine Ergebnisse. Die sind auch alle stolz auf mich. Und gefeiert wurde natürlich auch ein bisschen.  

Sport-Welt: In die Saison 2020 sind Sie als neuer erster Mann am Stall von Andreas Wöhler gestartet. Wie sind Ihre Erwartungen?

Bauyrzhan Murzabayev: Gut natürlich. Mein Chef ist ein sehr guter Trainer und hat Top-Pferde in seinen Reihen. Die Ausgangsposition ist also gut, aber eine Sieg-Garantie gibt es leider nicht. Ich bin gespannt, wie sich die Saison entwickelt.

Sport-Welt: Haben Sie denn schon Kandidaten für die besseren Aufgaben im Auge?

Bauyrzhan Murzabayev: Den einen oder anderen schon. Um Namen zu nennen, ist es aber noch zu früh. Da muss man noch ein bisschen abwarten.

Sport-Welt: Wie kam es eigentlich zu Ihrem Aufstieg innerhalb des Stalles?

Bauyrzhan Murzabayev: Ganz einfach. Ich habe mich mit guten Leistungen empfohlen, und irgendwann hat Herr Wöhler mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte.

Sport-Welt: Und Sie haben direkt zugesagt?

Bauyrzhan Murzabayev: Ja klar, da habe ich überhaupt keine Sekunde gezögert. Bei so einem Angebot wäre ich doch schön blöd gewesen, wenn ich nicht angenommen hätte.

Sport-Welt: Gab es auch andere Angebote?

Bauyrzhan Murzabayev: Die gab es. Aber es war keins dabei, über das ich ernsthaft nachgedacht habe. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Entscheidung und freue mich auf eine tolle Zeit.

Sport-Welt: Gibt es besondere Rennen, die Sie in diesem Jahr gerne gewinnen würden?

Bauyrzhan Murzabayev: Das ist mir eigentlich egal. Ich warte aber immer noch auf meinen ersten Gruppe I-Sieg, das ist jetzt das nächste große Ziel. Es wäre schön, wenn ich das am Ende der Saison geschafft hätte.

Sport-Welt: Man hört, dass Sie im Winter wie Ihre Kollegen Starke und Minarik in Japan reiten wollen. Stimmt das?

Bauyrzhan Murzabayev: Ja. Im März werde ich mir die Sache vor Ort mal kurz anschauen und mich vorstellen. Ich hoffe, dass das dann klappt.

Sport-Welt: Sie werden in diesem Jahr bestimmt noch das eine oder andere Mal im Ausland tätig sein. Bereiten Sie sich darauf spezieller vor?

Bauyrzhan Murzabayev: Eigentlich nicht. Ich studiere vor jedem Rennen die Formen meines Pferdes und natürlich auch die der Gegner. Danach überlege ich mir eine mögliche Taktik. Zusammen mit der Order vom Trainer muss man dann im Rennen agieren. Im Rennen muss man dann oft schnelle Entscheidungen treffen. Das ist aber in jedem Land gleich.

Sport-Welt: In den großen Rennen werden Sie sicher oft für ihren Chef zum Einsatz kommen?

Bauyrzhan Murzabayev: Darauf hoffe ich natürlich. Sich international zu empfehlen, kann ja nie verkehrt sein.

Sport-Welt: Haben Sie zu Hause eigentlich einen zweiten Ruf vergeben?

Bauyrzhan Murzabayev: Nicht direkt. Wann immer es passt, werde ich für meine Freunde Roland Dzubasz und Jan Korpas in den Sattel steigen. Beiden habe ich viel zu verdanken und gebe gerne etwas zurück. Ansonsten freue ich mich wie gehabt auf die Unterstützung aller Trainer.

Sport-Welt: Zusammengefasst. Worauf dürfen sich die Murzabayev-Fans in 2020 freuen?

Bauyrzhan Murzabayev: Auf einen Jockey, der top-motiviert ist, seinen Champion-Titel zu verteidigen und hoffentlich dabei seinen ersten Sieg auf Top-Level  schafft. Wenn beides klappt, wäre es erneut ein tolles Jahr für mich.

Sport-Welt: Haben Sie ein Lieblings-Rennen, dass sie unbedingt irgendwann einmal gewinnen wollen?

Bauyrzhan Murzabayev: Na klar. Ein Sieg im Prix de l´Arc de Triomphe ist mein großer Traum.

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