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Vom Traum einen Gruppe I-Sieger zu züchten

Es gibt Geschichten, die kann eigentlich nur der Rennsport schreiben. Als sich am vergangenen Sonntag der dreijährige Sholokhov-Sohn Esmondo (das Foto zeigt den Etzeaner Stallion Sholokhov) die zur Gruppe I zählende Grande Course de Haies de 3 Ans in Auteuil sicherte und damit an die Spitze der Nachwuchshürdler im Nachbarland avancierte, waren auch seine Züchter Heinrich Löhndorf und Thomas Schwind nicht nur mit dem Herzen dabei.

Einen Gruppe-I-Sieger zu züchten, davon träumen schließlich viele kleine Züchter, für die die beiden an dieser Stelle stellvertretend stehen sollen. In der Wettannahmestelle des Kölner Rennvereins wurde natürlich mitgefiebert, und der Traum wurde tatsächlich Wirklichkeit.

„Auch wenn wir eigentlich davon nichts haben, für den Hengst Sholokhov freuen wir uns natürlich, für die Familie Kredel, Herrn Rauscher, unter dem Esmondo im Union-Gestüt in Merten groß geworden ist und allen, die an diesem Erfolg mitgewirkt haben. Es ist sicher gut für das Renommee, auch wenn wir keine Züchterprämie erhalten.

Ein bisschen Schmerzen verursacht das allerdings schon, auch wenn wir damit rechnen mussten, dass das Pferd ins Ausland geht“, sagt Heinrich Löhndorf heute ganz ohne Neid. 18.000 Euro lautete der Reservepreis auf der BBAG-Herbstauktion 2009.

Pierre Boulard, ein umtriebiger französischer Agent, ersteigerte ihn für Hindernis-Spitzentrainer Guillaume Macaire, der sich als Sholokhov-Fan jüngst noch geoutet hatte und nach den Erfolgen eines Ole Companero noch zahlreiche andere Sholokhov-Söhne für das Hindernis-Metier kaufen ließ. Seit Esmondos Gruppe-I-Erfolg sind nur wenige Tage vergangen, als wir uns zum Interview-
termin am Rande des Kölner Stadtwaldes verabredet haben.

Seit 12 Jahren besitzen Thomas Schwind und Heinrich Löhndorf als Partner Rennpferde, züchten gemeinsam, „saugen“, wenn möglich jeden Renntag auf der Heimat bahn „ein“. Hier stimmt die Chemie. Herzlichkeit und Vertrauen bestimmen das Bild, das wird schnell klar. Thomas Schwind, 46-jähriger Diplom-Kaufmann, verdient als Vermögensberater seine Brötchen.

Der verheiratete Vater zweier Kinder hat offensichtlich auch seine Familie mit dem Virus Galopprennsport infiziert, so wie sein väterlicher Freund und Partner Heinrich Löhndorf vor zwölf Jahren ihn zum Sport gebracht hat. Mittlerweile ist Schwind, der aus seiner Begeisterung um die Aufbruchstimmung auf seiner Heimatbahn in unserem Gespräch keinen Hehl macht, auch Mitglied des Kölner Rennvereins.

Zudem lässt er mit seinem väterlichen Freund den mittlerweile fünffachen Sieger Opera Moon bei Waldemar Hickst trainieren, der groß gesteigert, vor allen Dingen in Frankreich Punkt um Punkt einsammelte. „Wir haben einfach keine Rennen für ihn hier, wie es überhaupt gerade für Meiler schwer ist, Rennen zu finden.“ Auf dem Tisch liegt eine toll aufgemachte Urkunde mit Farbfoto vom sehenswerten Erfolg im Prix des Falaises de Craies in Maisons-Laffitte unter Johan Victoire. France-Galop betreibt eben Kundenpflege, wenn es um Siege geht.

Mitbesitzer Heinrich Löhndorf zählt zu den Grandseigneurs der Kölner Turfszene. Karneval und Galopprennsport gehören nach eigenen Worten zu den großen Leidenschaften des 76-jährigen Vollblutliebhabers im „Unruhestand“. Kaum ein Renntag entgeht dem allseits bekannten Kölner, dem er stets mit seiner Frau Renate beiwohnt. Und vor allen Dingen er war es, der das Feuer bei Freund und Geschäftspartner Thomas Schwind entfacht hat.

„Bezug zu Pferden hatte ich schon früh“, erinnert sich dieser, „meine Mutter und Großmutter sind geritten, ich selbst auch. Als Zwölfjähriger schrieb ich für die Schülerzeitung einen Artikel über den Preis von Europa, damals wurden die Wurzeln für meine heutige große Leidenschaft gelegt. Den letzten Anstoß allerdings gab eben Heinrich Löhndorf, der dafür sorgte, dass mein Interesse stetig wuchs und ich mich nach Vollblütern erkundigte.“ Im Jahr 2000 war es schließlich soweit.

Die Gelegenheit kam, und beide kauften Modern Magic, einen General Assembly-Sohn, der fortan unter der Regie von Peter Remmert an den Start kam und prompt als Zweijähriger ausgerechnet am 65. Geburtstag von Heinrich Löhndorf gewann. Wie überhaupt Peter Remmert damals zum Trainer des Vertrauens avancierte. Modern Magic brachte es auf 44 Starts mit vier Siegen und elf Platzierungen. „Für einen Neueinsteiger wie mich hätte es nicht besser beginnen können, somit wurde meine Leidenschaft für Vollblüter größer und größer, so dass ich auch die Zucht für mich entdeckte.“

Und auch hier sorgt der jetzt vierjährige Opera Moon, der es mit seinen fünf Siegen und Plätzen, ob in Baden oder Frankreich, auf eine Gewinnsumme von über 63.000 Euro gebracht hat, für zusätzliche Motivation. „Es hat sich in den letzten Jahrzehnten viel verändert im Sport“, konstatiert Heinrich Löhndorf und weist auf legendäre Frühstücke in seiner Besitzerzeit bei Horst Horwart hin. „Die jungen Trainer sind heute vielleicht nicht so kommunikativ, das kann man aber auch nicht erwarten“, relativiert der Kenner, „wenn man hundert und mehr Pferde im Training stehen hat.

Natürlich sind wir sehr zufrieden, so wie es momentan läuft. Wenn man gewinnt, ist man immer zufrieden“. Und Thomas Schwind erläutert weiter: „Das Pferd auch noch gezogen zu haben, ist doch das Größte. Das Fohlen groß werden zu sehen, ihn im Rennstall auch schon morgens um sechs zu begleiten, um anschließend ins Büro zu gehen, das ist nicht nur ein willkommener Ausgleich.“

Es weckt auch neue Träume bei Thomas Schwind, der sich vom erfahrenen Heinrich Löhndorf einiges in Sachen Zucht abgeschaut hat. Der gebürtige Bonner, „eigentlich bin ich Kölner, weil ich nach fünf Tagen schon in die Domstadt umgezogen bin“, fügt dies mit einem süffisanten Lächeln an, hat die Vollblutzucht, nachdem er sich als erfolgreicher Tabakwarengroßhändler beruflich zurückgezogen hatte, zu seinem Steckenpferd erklärt. Seit 1989 züchtet er fortan mit seinem Partner Josef Werres.

Den größten Erfolg als Besitzer hatte er mit dem vom Gestüt Fährhof gezogenen Ocasa, einem Lagunas-Sohn, der es unter der Regie von Peter Remmert zum Gruppe-III-Sieger im Preis der Spielbank NRW in Düsseldorf schaffte, einem „Sumpfhuhn“, der bei knietiefer Bahn zum Zuge kam. Aktuell züchtet Heinrich Löhndorf mit Ocamira, einer fünfzehnjährigen Kamiros-Tochter, die es auf zwei Siege und zehn Plätze gebracht hat.

„Es ist unglaublich. Aber ich kann offenbar nur Hengste züchten, das gilt sowohl für die Zoppenbroicher O-Linie als auch für die Rietberger E-Linie, auch Esmondos Mutter Esmonda, eine Mondrian Tochter, hat nur Hengste gebracht.“ Heinrich Löhndorf lässt u. a. auch bei Andreas Löwe trainieren, für den Ocamitos in Bad Harzburg im Sommer einen gut dotierten Ausgleich II gewann.

Zu den Trainern seines Vertrauens zählen ferner Andrea Bertram, die den dreijährigen Ocaros, Ocareion und El Cid trainiert, sowie Ralf Schaaf, der für den vierjährigen Elgin, (wie El Cid ein Bruder zu Esmondo) verantwortlich zeichnet. Ocatos, ein Lord of England-Sohn befindet sich noch auf der Koppel.

„Der Anfang meiner Leidenschaft geht auf das Jahr 1989 zurück. Damals begann ich mit Josef Werres. Die Stuten Ombretta und Lipizza, die wir vom Gestüt Haus Hahn erworben hatten, bildeten den Grundstock. Gemeinsam mit Thomas Schwind übernahmen wir später Esmonda, die sich damals bei Peter Remmert im Training befand und mit dem Alkalde-Sohn Easy Runner bereits ein sehr talentiertes Pferd auf der Bahn hatte und nun eben einen Gruppe-I-Sieger. Die Stute kam lediglich sechs Mal an den Start, musste als Folge einer Verletzung dann passen, kam auf ein GA von 47 kg.

Sie wurde von Michael Becher und Thomas Pavenstedt gezogen und vertritt eine hochinteressante Mutterlinie. Wir versuchen, sie als Achtzehnjährige noch einmal tragend zu bekommen, aber dass müssen wir noch mit Kredels besprechen, ob das nochmals Sinn macht“, ergänzt Thomas Schwind.

„Denkt man nur u. a. an die zahlreichen Klassepferde wie Estejo, Egerton, Ermbold, Erminius und Enrica. Wie wir überhaupt Fans der klassischen Linien in Deutschland sind, die immer wieder erstklassige Produkte bringen, siehe Ravensberg, Schlenderhan oder Zoppenbroich als Beispiel. Aktueller ist für uns natürlich die O-Linie, die von Opera Nova, einer Perugino-Tochter, vertreten wird, selbst ein hartes Pferd war und dies offenbar auch an ihre Nachkommen weitergibt.

Aushängeschild ist, wie gesagt, Opera Moon, der es auf ein GA von über 80 kg bringt. Der dreijährige Opera Storm, ein eher spätes Semester, stammt von Samum und genießt bei Waldemar Hickst einiges Vertrauen, während die ein Jahr jüngere rechte Schwester Opera Sun einen anderen Typ verkörpert. Ein Bild von einem Pferd ist auch Opera Rock, ein Shirocco-Sohn, der sich als Absetzer auf der Koppel tummelt.“

Thomas Schwind und Heinrich Löhndorf freuen sich natürlich, ihre Pferde so oft es geht, auf der Bahn zu besuchen. Die Vorfreude auf die neue Rennsaison ist jetzt schon zu spüren, bei diesen Perspektiven ist das umso verständlicher.

Alle Informationen über den Stallion Sholokhov finden Sie unter Stallions-Online.de.

(11.11.2011)