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Cadeddu: „In meiner Brust schlagen zwei Herzen“

Er ist der Inbegriff des italienischen Schwiegersohnes. Sympathisch und immer gut gelaunt: Michael Cadeddu. Und in Italien ein echter Star. Nur in Italien? Nein, selbst, wenn man mit dem 23-Jährigen über Kölns Hohestraße, der Einkaufsmeile in der Domstadt wandert oder bei einem Italiener isst (wo sonst?), wird der Schauspieler erkannt und um Autogramme gebeten.

Oder wie einst am Mailänder Flughafen, als er mit Trainer Jens Hirschberger zum Fotoshooting von den zahlreichen Fans aufgefordert wurde. „In Italien kennt ihn jedes Kind, die Leute schauen diese Serie, die seit vielen Jahren bei Rai Uno läuft und große Einschaltquoten erzielt, regelmäßig“, zeigt sich der Schlenderhan-Trainer denn auch nicht überrascht.

Gemeint ist die Soap „Un medico in famiglia, die seit 1998 im italienischen Fernsehen als absoluter Publikumsmagnet gilt. „Am 20. April wird die siebte Staffel abgedreht, wie es weitergeht, kann ich noch nicht genau sagen, zumal der Tod eines der Drehbuchautoen uns alle tief getroffen hat“, erzählt Michael Cadeddu, genannt „Miki“.

Er hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass zwei Herzen in seiner Brust schlagen. Die höchst erfolgreiche Schauspielerei, die seine Mutter Eleonora, gebürtige Südtirolerin und ebenfalls Darstellerin in der Serie, ihm in die Wiege gelegt hat, ist die eine Seite des gebürtigen Mailänders. Schon als Kind war Michael Cadeddu in der Werbung und im Fernsehen auf dem Weg zu großer Beliebtheit.

Und die andere Seite: die Liebe zu den schnellen Vollblütern. Sein Vater, ein gebürtige Sarde, der heute in Mailand lebt und sein Großvater waren bereits Jockeys. Die italienischen Turfexperten wissen um das reiterliche Talent von Cadeddu und auch in Schlenderhan, wo er über einen Freund 2008 zum Probereiten in der Arbeit seine Chance erhielt, zeigte man sich recht angetan.

Folge: Cadeddu bekam seine Chancen auch im Rennen, schaffte mit Walzertraum seinen ersten Treffer für Schlenderhan. Siebzehn Siege sprangen schließlich insgesamt heraus, vor allen Dingen der Paukenschlag mit Hartmut Steguweits Manipura zum Sensationstoto von 363:10 in Köln oder der 14. September 2008 bleiben unvergessen, als er mit Sommerflora, Shinko`s Best und Abydos zu punkten vermochte.

Viele Turffans sahen ihre Wetteinsätze auf Letztgenannten schon schwinden, weil Cadeddu früh im Rennen die Bügel verloren hatte, es jedoch dennoch schaffte, Abydos mit einer unbändigen Energieleistung und einer halben Länge Vorteil den Endkampf trotzdem für sich zu entscheiden. Und jetzt ist er zurück?

Nein, nicht ganz. Cadeddu pendelt zwischen Mailand und Bergheim. Hier der eine oder andere Galopp in der Arbeit, dann mal, wenn sich die Chancen eröffnen auch mal ein Ritt für Schlenderhan und den Baron im Rennen, wie jüngst geschehen in Frankfurt-Niederrad. „Ich freue mich vor allen Dingen auf die Zusammenarbeit mit Jens Hirschberger und Adrie de Vries.

Von ihm als Nummer eins kann ich mir vieles abschauen und lernen, seine Erfahrung kann eine große Hilfe für mich bedeuten“, erläutert der Ende April seinen 24. Geburtstag feiernde junge Reiter weiter. „Ich möchte hier einen guten Job machen. Wir Italiener brauchen für alles was wir leisten eine intakte Familie. Der Rückhalt ist immer die Grundlage für Erfolg.

Wenn ich das Vertrauen rechtfertige, kommen auch andere Ritte von selbst dazu“, wie beispielsweise am kommenden Wochenende in Krefeld, wenn Cadeddu auch für andere Ställe in den Sattel steigen könnte. 54 Kilos bringt er in den Sattel, nach Vereinbarung auch 53, sein Fitnessprogramm läuft auch Hochtouren und wer ihn kennt weiß, wie professionell er an sich arbeitet. An mentaler Stärke hat es Cadeddu im Übrigen noch nie gemangelt.

Talisman und der Hinweis seines Großvaters immer auf dem Boden zu bleiben sind Dinge, die dem Sympatico bei seinem Wiedereinstieg auf Deutschlands Galopprennbahnen nur hilfreich sein können. Und gute Reiter können wir in Turfdeutschland sowieso immer gebrauchen. Hals und Bein Michael Cadeddu.

(15.04.2011)