Interview/Jockey Talks

Mit W. Stüber

GaloppOnline.de: Das Frühjahrs-Meeting unter der Regie des Insolvenzverwalters ist vorbei. Was sind die nächsten Schritte des Planverfahrens?

Wolfgang Stüber: Das Wichtigste ist erst einmal, dass das Frühjahrs-Meeting gezeigt hat, dass es im operativen Geschäft des Internationalen Clubs keine Unterbrechung geben wird. Das bedeutet, dass alle Meetings und alle Drittveranstaltungen planmäßig stattfinden sollen.

Ziel des Insolvenzplanverfahrens und Grundkonsens aller Beteiligten ist es, den Internationalen Club mit seiner langen Tradition dauerhaft als Rechtsträger und damit als Veranstalter der Internationalen Galopprennen von Baden-Baden auf dem Rennplatz Iffezheim zu erhalten.

Zum 1. Juni hat das Amtsgericht Baden-Baden das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Internationalen Clubs eröffnet. Damit ist die Voraussetzung für die Restrukturierung des Internationalen Clubs im Zuge eines Insolvenzplanverfahrens gegeben. Gleichzeitig hat das Gericht auch dem Antrag auf Eigenverwaltung zugestimmt. Zum so genannten Sachwalter, der in Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung tätig ist und die Eigenverwaltung beaufsichtigt, wurde Tobias Hoefer bestellt, der bereits als vorläufiger Insolvenzverwalter tätig war, nachdem der Internationale Club am 2. April Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hatte.

In Kürze wird auch der Insolvenzplan, den die Acherner Rechtsanwaltsgesellschaft und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Schultze & Braun erstellt hat, bei Gericht eingereicht werden. Er sieht vor, dass die Gläubiger aus den Erträgen des reorganisierten Clubs im Rahmen des Insolvenzverfahrens befriedigt werden.

GaloppOnline.de: Die Umsätze gingen weiter nach unten. Auch wenn die PMU-Einnahmen einiges ausgleichen, muss das neuerliche Minus Sie doch sicher erschüttern? Wie kann dieser Trend gestoppt werden?

Wolfgang Stüber: Wie Sie sicherlich wissen, sind die Einnahmen aus dem Pferderennsport in den letzten Jahren um rund zwei Drittel zurückgegangen. Iffezheim war und ist dabei die umsatzstärkste deutsche Galopprennbahn. Es stimmt, dass die Umsätze auch beim diesjährigen Frühjahrs-Meeting zurückgegangen sind, aber damit haben wir gerechnet. Erfreulicherweise ist der Rückgang sogar geringer ausgefallen, als wir geplant hatten. Wir sprechen hier von einem Minus von gut 14 Prozent.

Gleichzeitig sind aber zum Beispiel die Erlöse aus Sponsoring, den Eintrittsgeldern, dem Restaurantbetrieb - und nun auch die Provisionen aus der Vermarktung durch unseren französischen Wettpartner PMU, die Sie bereits angesprochen haben, nicht weniger wichtig.

So wurden beim Frühjahrs-Meeting zum Beispiel drei Gruppe-Rennen live vom französischen Galoppsender „Equidia“ übertragen – sowohl in die rund 10.000 PMU-Wettannahmestellen, als auch in Millionen Haushalte in Frankreich, Monaco, Österreich, Schweiz und in die Autonome Gemeinschaft Baskenland in Spanien. Allein in Frankreich hat Equidia 14 Millionen Abonnenten und wird regelmäßig von 800.000 Zuschauern pro Woche gesehen. Wir sehen hier weitere Entwicklungschancen für die Zukunft. Zusätzlich zur Kooperation mit der PMU ist der Modellversuch der Wettzusammenarbeit mit Lotto Hamburg erfolgreich verlaufen.

GaloppOnline.de: In München hat man über eine Highroller Challenge am Montag Großwetter ins Boot genommen und den Bahnumsatz enorm steigern können. Ist das nicht auch eine Idee für die Große Woche?

Wolfgang Stüber: Der wirtschaftliche Erfolg meines Kollegen Zwingmann aus München am vergangenen Montag freut mich sehr. Er zeigt, dass man mit zündenden neuen Wettideen den Galopprennsport für die Rennbahnbesucher wieder interessanter machen kann.
Natürlich ist die Highroller Challenge auch ein Thema für unsere Grosse Woche. Einen ersten telefonischen Erfahrungsaustausch mit München gab es bereits.

GaloppOnline.de: Aufgrund der niedrigeren Dotierungen gab es erheblichen Startermangel. Eine Reise nach Iffezheim lohnte sich für viele Aktive nicht mehr. Kann man das in Zeiten leerer Kassen wieder ändern?

Wolfgang Stüber: Die Nennungen für das Frühjahrs-Meeting lagen knapp über dem Niveau des Vorjahres. Wir hatten insgesamt 32 Starter aus acht Nationen. Sie werden weltweit nicht viele Meetings finden, die internationaler aufgestellt sind.

Allerdings arbeiten wir derzeit daran, dass die Rennen in Iffezheim für alle Beteiligten, Besucher, Besitzer und Trainer noch attraktiver werden. Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass wir prüfen wie die Rennpreise insbesondere für die unteren Klassen angehoben werden können, damit die Rennen in Iffezheim für die breite Masse der Besitzer noch interessanter werden. Wir wollen den Teilnehmern und den Besuchern der Galopprennen in Iffezheim auch weiterhin den Pferderennsport der Spitzenklasse bieten, den sie schätzen und lieben.

GaloppOnline.de: Auch die Besucherzahlen gingen zurück. Speziell die lange Pause vor dem Feiertag wurde kritisiert. Viele Besucher reisten erst zum zweiten Wochenende an und fuhren zwischendurch nach Hause. Wird man diese Lösung überdenken?

Wolfgang Stüber: Wir stellen uns dieser Kritik und arbeiten bereits für die kommenden Meetings an einer Optimierung der Renntage. Es ist allerdings nicht einfach, hierbei einen Königsweg zu finden, der allen gerecht wird.

GaloppOnline.de: Die Qualität der Rennen wurde bemängelt, immer mehr Handicaps der unteren Kategorie mit Pferden aus kleinen Ställen. Muss nicht der Sport wieder attraktiver gemacht werden?

Wolfgang Stüber: Wie bereits erwähnt, passen wir unser Geschäftsmodell an die geänderte Marktsituation an, um nachhaltig wettbewerbsfähig zu sein. Dabei sind die Rennpreise insbesondere in den unteren Klassen ein wichtiger Faktor. Was die Spannung der Rennen betrifft, habe ich allerdings selten so spannende Rennen erlebt wie beim diesjährigen Frühjahrs-Meeting. Sowohl im Bénazet-Rennen als auch in der BHF-Bank-Meile konnte nur das Zielfoto die Sieger ermitteln.

GaloppOnline.de: Pferde aus England und Frankreich waren Mangelware. Wie wollen Sie die Internationalität wieder verbessern?

Wolfgang Stüber: Vor dem Hintergrund der Lage des deutschen Galopprennsports allgemein und den daraus resultierenden Dotierungsunterschieden zum Ausland ist dies ein echtes Problem, das wir lösen müssen. Nach einer Sanierung des Vereins muss daran gearbeitet werden, auch hier die Rennpreise zu erhöhen um die Attraktivität unserer Rennen für Ausländer wieder zu steigern. Zur Problemlösung bedarf es aber auch schneller struktureller Anpassungen, um im internationalen Galopprennsport generell bestehen zu können.

Fakt ist aber auch, dass wir in diesem schwierigen Umfeld mit 32 Startern aus acht Nationen mehr ausländische Pferde als alle anderen Rennbahnen am Start hatten.

GaloppOnline.de: Wie gehen Sie mit der Kritik von Karl-Dieter Ellerbracke an den Verantwortlichen in Baden um?

Wolfgang Stüber: Wie es der faire Umgang miteinander geziemt: konstruktiv, im direkten Dialog und nicht über die Öffentlichkeit. Eine kurze Rückfrage bei uns und die Renntagsdiskussion um das Frühjahrs-Meeting 2010 wäre erledigt gewesen.

GaloppOnline.de: Sind die beiden weiteren Rennwochen wirklich gesichert?

Wolfgang Stüber: Das operative Geschäft des Internationalen Clubs läuft wie bereits erwähnt ohne Unterbrechungen weiter. Sowohl die Grosse Woche vom 29. August bis 6. September - an deren Planung wir bereits mit Hochdruck arbeiten - als auch das Sales & Racing Festival vom 23. bis 25. Oktober sollen planmäßig stattfinden.

Dabei wird es für die Teilnehmer und die Besucher keinerlei Einschränkungen geben. Entgegen anders lautenden Berichten gibt es auch keine Überlegungen, das Frühjahrs-Meeting im kommenden Jahr zu kürzen. Die Veranstaltungen tragen sich selbst, so dass keine Kosten zurückgefahren oder Einsparungen vorgenommen werden. Das gilt auch für so genannte Drittveranstaltungen wie zum Beispiel Open Air-Konzerte, Messen, Produktpräsentationen, Firmen- und Privatfeiern, die wir zum zweiten Standbein unseres Geschäftsmodells ausbauen werden.

Der Rennplatz mit seiner besonderen Atmosphäre ist bereits ein bedeutender Veranstaltungsort für die Region, und wir wollen verstärkt auch internationale Stars nach Iffezheim holen. So geben in diesem Jahr unter anderem Plácido Domingo, Howard Carpendale und Jethro Tull für Open-Air-Konzerte auf dem Rennplatz.

GaloppOnline.de: Wird der Internationale Club auch weiterhin der Veranstalter der Rennen sein?

Wolfgang Stüber: Wie bereits erwähnt, ist es das Ziel des Insolvenzplanverfahrens, dass der Internationale Club mit seiner langen Tradition dauerhaft als Rechtsträger und damit als Veranstalter der Internationalen Galopprennen von Baden-Baden auf dem Rennplatz Iffezheim erhalten bleibt. Auf Grund der konstruktiven Gespräche mit allen Beteiligten sind wir optimistisch, dass die Internationalen Galopprennen in Iffezheim mit dem Internationalen Club als Veranstalter eine langfristige Perspektive haben. Seit seiner Gründung vor 137 Jahren richtet der Internationale Club die Internationalen Galopprennen Baden-Baden auf dem Rennplatz in Iffezheim aus.

Damit können wir durchaus mit Stolz behaupten, dass wir der wichtigste Rennveranstalter in Deutschland sind und der Internationale Club auch aus dem internationalen Pferderennsport nicht mehr wegzudenken ist. Die Galopprennen genießen ein Renommee, das weit über die Landesgrenzen hinaus reicht.
Wir sehen, dass der Markt für Pferderennsport in Iffezheim vorhanden ist. Das hat auch das Frühjahrs-Meeting bewiesen.

Gleichzeitig dürfen Sie nicht übersehen, dass die Galopprennen für die Wirtschaft der ganzen Region, besonders für Hotellerie und Gastronomie, eine große Bedeutung haben. Wenn sie wegfallen, würden der ganzen Region Jahr für Jahr mehr als 30 Millionen Euro verloren gehen. Alle Meetings und Drittveranstaltungen in diesem Jahr sollen planmäßig statt finden, damit die Sanierung des Internationalen Clubs erfolgreich verläuft und die Gläubiger aus den Erträgen des reorganisierten Clubs befriedigt werden können.

(04.06.2009)