Interview/Jockey Talks

Mit P. Werler

GaloppOnline.de: Das Konzept sieht vor, dass die Gemeinde Iffezheim das Rennbahngelände übernimmt. Können Sie das genauer präzisieren? Sind Sie dabei auf Partner angewiesen?

Peter Werler: Das ist ein sehr komplexes Thema, das man in wenigen Sätzen nur grob beschreiben kann. Im Wesentlichen geht es um die –lastenfreie- Rückübertragung der an den Internationalen Club überlassenen Erbbaurechte. Dafür würde die Gemeinde einen bestimmten Betrag aufwenden, der dem Internationalen Club dann zur Befriedigung der Gläubiger zur Verfügung steht. Außerdem, und das ist viel wichtiger, wollen wir in die Zukunft investieren.

Beispielsweise sind an der Großen Sattelplatztribüne erhebliche Instandsetzungsmaßnahmen notwendig und ganz wichtig ist auch die Sanierung der Sandbahn, die für unsere Trainingszentrale von elementarer Bedeutung ist. Das erfordert einen hohen finanziellen Aufwand, den wir nicht alleine schultern können.

GaloppOnline.de: Wie würde die Rolle von Andreas Jacobs und seinem Unternehmen Infront dabei aussehen?

Peter Werler: Herr Dr. Jacobs bzw. die Firma Infront steht als Betreiber der Anlage zur Verfügung. Das gilt für die Durchführung der Galopprennen ebenso wie für alle anderen Veranstaltungen, die außerhalb der Rennen auf dem gesamten Gelände stattfinden können.

GaloppOnline.de: Dr. Andreas Jacobs weilte bereits vor Wochen bei Ihnen im Rathaus zum Gespräch. Welchen Eindruck haben Sie von seinen Plänen gewonnen?

Peter Werler: Die Pläne von Herrn Dr. Jacobs sind schon sehr ausgereift. Ich verspreche mir davon eine nachhaltige Festigung und weiteren Ausbau des Galopprennbahnstandortes Iffezheim.

GaloppOnline.de: Welches Geld würde dem Internationalen Club und damit den Gläubigern zufließen?

Peter Werler: Über Beträge kann ich derzeit noch nicht sprechen. Dazu sind noch viele Verhandlungen notwendig und wir befinden uns erst am Beginn der Gespräche.

GaloppOnline.de: Kann das Projekt durch die Gläubigerversammlung scheitern?

Peter Werler: Die Gläubigerversammlung ist Herr des Verfahrens. Sie entscheidet letztlich wie es weitergeht. Alle Beteiligten, so mein Eindruck, wollen auf jeden Fall eine Fortführung. Deshalb bin ich auch zuversichtlich, dass eine akzeptable Lösung gefunden wird. Iffezheim ohne Rennen ist undenkbar.

GaloppOnline.de: Welches finanzielle Risiko besteht für die Gemeinde?

Peter Werler: Ein finanzielles Risiko kann die Gemeinde nicht eingehen. Die Umsetzung unserer Idee hängt entscheidend davon ab, dass der Gemeinde im Vergleich zu Aufwand und Ertrag am Ende ein Plus verbleibt. Wenn man eine solch große Anlage mit vielen Gebäuden übernimmt muss man auch Vorsorge treffen, dass einem Unvorhergesehenes nicht aus der Bahn wirft.

GaloppOnline.de: Welche Signale haben Sie vom Land erhalten? Wird Baden-Württemberg Sie unterstützen?

Peter Werler: Unsere Rennbahn und die Galopprennen sind ein Kulturgut und auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Wir genießen beim Land Baden-Württemberg hohes Ansehen und das Land hat uns auch immer unterstützt, dafür bin ich sehr dankbar. Die Umsetzung unseres Konzeptes hängt auch jetzt ganz entscheidend von einer finanziellen Beteiligung des Landes ab. Grundsätzlich hat man mir eine Unterstützung zugesagt. Voraussetzung ist natürlich, dass es im Landeshaushalt entsprechende Förderpositionen gibt und Mittel vorhanden sind.

GaloppOnline.de: Gab es schon Kontakt zum designierten neuen Ministerpräsidenten Stefan Mappus?

Peter Werler: Derzeit gibt es noch keine Kontakte zu Herrn Mappus.

GaloppOnline.de: Wäre eine Zusammenarbeit mit Wolfgang Goetz auch eine Alternative?

Peter Werler: Herr Götz bemüht sich ebenfalls um die Übernahme der Rennbahn. Er hat ja vor einigen Jahren schon in Iffezheim bewiesen, dass er es versteht, Veranstaltungen zu organisieren und Sponsorpartner zu gewinnen. Insofern würden wir bei einer eventuellen künftigen Zusammenarbeit davon ausgehen können, dass unsere Interessen Berücksichtigung finden.

GaloppOnline.de: Das Verhältnis zum Internationalen Club soll zuletzt nicht mehr zum Besten gewesen sein. Ein Gemeinderatsmitglied sprach von einem Vertrauensverlust. Sehen Sie das genauso? Was wünschen Sie sich von einem neuen Betreiber der Rennen?

Peter Werler: Wenn es zwischen Partnern Missstimmungen gibt liegt es meistens an einer mangelnden Kommunikation. Aus Sicht der Gemeinde wäre es wünschenswert gewesen, uns mehr in das Geschehen einzubinden und den einen oder anderen Ratschlag von uns zu akzeptieren. Ein neuer Betreiber muss wissen, dass die Gemeinde mit den Rennen eng verbunden ist und alle mit Herzblut dabei sind. Er muss uns ein Wir-Gefühl vermitteln.

GaloppOnline.de: Wie kann man dauerhaft mit Galopprennen in Iffezheim wieder Geld verdienen?

Peter Werler: Die Meetings in Iffezheim sind nach wie vor erfolgreich und finanziell positiv. Durch den erheblichen Umsatzeinbruch im Wettgeschäft sind das natürlich nicht mehr die Dimensionen wie früher. Diese Einnahmen reichen deshalb jetzt nicht mehr aus, um den Schuldendienst zu bedienen. Bei einer deutlichen Reduzierung der Verbindlichkeiten, einer schlanken Betriebsführung, gutem Marketing und effizienter Werbung sowie einem angemessenen Preis-Leistungsverhältnis habe ich überhaupt keine Bedenken an einer erfolgreichen Fortführung.

GaloppOnline.de: Welche Signale haben Sie vom Direktorium in Gestalt von Präsident Albrecht Woeste erhalten?

Peter Werler: Ich habe Herrn Woeste unsere Vorstellungen vorgetragen und dabei den Eindruck gewonnen, dass unsere Pläne positiv aufgenommen worden sind.

GaloppOnline.de: Ihre Prognose: Gibt es 2010 wieder Rennen in Iffezheim? Wenn ja, in welcher Form?

Peter Werler: Ich gehe davon aus, dass im nächsten Jahr alle Meetings wie gewohnt stattfinden werden.

GaloppOnline.de: Abschließend noch ein Wort zum Rennstall einiger Lokalpolitiker, an dem Sie auch Anteil haben. Der Stall Amtsschimmel soll ein neues Pferd haben. Was können Sie dazu sagen?

Peter Werler: Nach dem verletzungsbedingtem Ausfall unseres ersten Pferdes Auenruf, der sehr erfolgreich für uns war, sind wir seit einiger Zeit auf der Suche nach einem neuen Pferd gewesen. Ich bin sehr froh, dass unsere Besitzergemeinschaft auch weiterhin durch dieses persönliche Engagement jedes Einzelnen zum Ausdruck bringt, dass die Rennen in Iffezheim für unsere Region von großer Bedeutung sind.

Wir bleiben zusammen und haben auch viel Spaß dabei. Auf der Herbstauktion hier in Iffezheim haben wir über Trainer Werner Hefter wieder ein Pferd gekauft. Es ist ein zweijähriger Lando-Hengst aus dem Gestüt Auenquelle. Natürlich hoffen wird, dass er in die Fußstapfen von Auenruf tritt.

(05.11.2009)