Interview/Jockey Talks

Mit G. Zimmermann

GaloppOnline.de: Ist mit diesen Kontrakten der Zwist mit den Buchmachern beigelegt?

Gerd Zimmermann: Aus meiner Sicht ist es ein historischer Schritt. Ich war immer der Meinung, dass wir die Buchmacher wie alle Vertriebspartner als Partner und nicht als Gegner ansehen müssen. Das Wichtigste ist sicherlich, dass sämtliche anhängende Prozesse und gerichtliche Auseinandersetzungen eingestellt wurden. Man kann das gar nicht deutlich genug herausstellen, denn auf den deutschen Rennsport wären möglicherweise enorme finanzielle Forderungen zu gekommen.

GaloppOnline.de: Was ist denn aus rennsportlicher Sicht der Charme der Vereinbarungen?

Gerd Zimmermann: Wir haben die Totowette für den Buchmacher wieder interessanter gemacht. Er hat attrativere Konditionen, ist möglicherweise eher bereit, die Wette in den Toto einzugeben. Das liegt natürlich auch an der Staffelung der Provisionen für die einzelnen Wettarten.

GaloppOnline.de: Er kann ja wohl aus mehreren Vertragsmodellen wählen.

Gerd Zimmermann: Um es vereinfacht zu sagen: Jeder Buchmacher zahlt für die Wettvermittlung, Daten- und Bildbelieferung eine Grundgebühr. Nimmt er ausschließlich Wetten in den Toto an, verhält er sich also analog einem WTG-Laden, und zahlt 500 Euro pro Geschäft. Ist er ein multifunktionaler Buchmacher, 1000 Euro. Dazu gibt es eine Umsatzbeteiligung an den Buchmacherwetten, wozu seine Bücher zweimal jährlich überprüft werden.

Wenn er die Bücher jedoch nicht offen legen möchte, dann gibt es eine Alternative, für die ganz allgemein gilt: Wenn er wenig vermittelt, muss er mehr zahlen, höhere Vermittler werden finanziell besser gestellt.

Der Tenor in beiden Buchmacherverbänden ist ausgesprochen positiv, wobei die einzelnen Buchmacher durchaus verschiedene Verträge bevorzugen.

Im Übrigen gibt es ja immer wieder Stimmen, die meinen, wir könnten über die Belieferung der Daten und Bilder willkürlich bestimmen. Dies ist nicht der Fall. Wir sind Quasi-Monopolisten. Solange wir die Bilder produzieren und irgendjemand gewerblich zur Verfügung stellen, müssen wir sie auch anderen Marktteilnehmern zu gleichen Konditionen anbieten. Das ist auch ein Grund, warum wir die Lizenzlösung gewählt haben, welche wir allen Vertriebspartnern vertragsgleich anbieten.

GaloppOnline.de: Die Kernfrage ist aber doch, was für den Rennsport am Ende herausspringt?

Gerd Zimmermann: Genaue Zahlen kann ich natürlich nicht sagen, aber wir gehen davon aus, dass es sich pro anno mindestens um einen hohen sechsstelligen Euro-Betrag handelt. Man sollte noch einmal betonen, dass eben durch die Basisverträge generell mehr Geld fließt, auch wenn die Umsätze nicht unbedingt höher sind als bisher.

GaloppOnline.de: Wenig zu hören ist in jüngster Zeit von den WTG-Läden. Was geschieht mit denen?

Gerd Zimmermann: Wir wollen auf diesem Sektor eine neue Struktur finden. Die Geschäfte sollen zu unseren zentralen, jedoch selbstständigen und ergebnisverantwortlichen Wettannahmestellen ausgebaut werden, wobei der Profit zu einhundert Prozent in den Rennsport fliessen sollte. Es ist auch geplant, auf Dauer, wenn es die Rechtslage erlaubt, über die German Tote/WTG-Rechtegesellschaft am gesamten Sportwetten-Markt zu partizipieren. Dazu zählt auch die Einbindung von Wettbörsen, den betting exchanges.

Die Firma betbull ist inzwischen ja auch Partner von zwei Rennvereinen. Und ein solches Partnernetz, um es noch einmal zu betonen, auf legaler Basis, wollen wir aufbauen. Ich könnte mir vorstellen, dass wir dann auch das Geld der „Schwarzwetter“ wieder bekommen können.

Dazu gehört auch, dass wir Überlegungen anstellen, in reine Sportwetten-Läden eine „Billig“-Lösung zu integrieren. Eine Wettkasse, ein Monitor, alle Wetten in den Toto hinein.

GaloppOnline.de: Zu einem wichtigen Financier gerade der Winterrennen ist Raze TV geworden. Derzeit gibt es nur eine Übergangs-Vereinbarung bis Ende Februar. Wie stehen die Chancen, dass der angedachte Drei-Jahrs-Kontrakt unter Dach und Fach kommt?

Gerd Zimmermann: Ich bin guten Mutes. Raze TV benötigt über seine Wettplattform einen deutlich höheren Anteil an der Außenwette, um finanziell zurecht zu kommen. Ich bin sicher, dass dies inbesondere in den Sommermonaten mit attraktiverem Sport sowie dem Aufbau eines medien-übergreifenden Marketingkonzeptes der Fall sein wird.

(08.02.2005)