Bayarsaikhan Ganbat

Sport-Welt: Wie wurde nach ihrem Gruppe I-Sieg mit Nancho gefeiert?

Bayarsaikhan Ganbat: Richtig gefeiert habe ich nicht. Nach dem Renntag ging es direkt zurück nach Hause. Unterwegs wurde ein bisschen angestoßen, aber während der Fahrt kann man eigentlich nicht richtig feiern.

Sport-Welt: Wie haben Sie das Rennen erlebt?

Bayarsaikhan Ganbat: Ich bin Nancho ja schon einmal geritten und habe vor dem Rennen dem Besitzer gesagt, dass ich aus äußerer Startbox direkt nach vorne will, um nicht in dritter Spur zu gehen. Ich habe ihn also ein wenig offensiver geritten als in Baden.

Sport-Welt: Der Rennverlauf entwickelte sich also nach Plan?

Bayarsaikhan Ganbat: Ja, wir hatten ein gutes Tempo und Bauyrzhan hat mich weit geführt. Der Rennverlauf war top.

Sport-Welt: Aber es wurde noch einmal eng zum Schluss…

Bayarsaikhan Ganbat: Ja. Auf den letzten 100 Metern habe ich richtig geschwitzt. Im Ziel wusste ich aber, dass ich gewonnen habe. 2400 Meter sind echt die Obergrenze für Nancho.

Sport-Welt: Wie kam der Kontakt mit Gabor Maronka zustande, der Ihnen letztlich nicht nur den Sieg in der Baden-Württemberg-Trophy, sondern jetzt auch im Waldgeist – Großen Preis von Bayern beschert hatte?

Bayarsaikhan Ganbat: Ich habe schon ein, zwei Mal in Deutschland für ihn geritten. Er fragte mich schon mehrmals, ob ich nicht auch einmal für ihn in Budapest reiten will…

Sport-Welt: …das ließ sich aber noch nicht realisieren?

Bayarsaikhan Ganbat: Nein, dazu kam es nicht, da auch immer Rennen in Deutschland waren.

Sport-Welt: Aber Sie kamen zu den Ritten auf Nancho…

Bayarsaikhan Ganbat:…ja, zum Glück. Ich glaube, der Trainer hatte auch andere Jockeys gefragt, aber die hatten dann entweder keinen Mumm oder waren bereits verpflichtet.

Sport-Welt:  Hatten Sie denn direkt Mumm auf Nancho?

Bayarsaikhan Ganbat: Ich habe viele Videos seiner Rennen gesehen und dachte mir schon, dass er etwas kann. Natürlich sah es in Deutschland schwieriger aus, und dass wir gewinnen, habe ich nicht wirklich geglaubt. Aber einen Ritt in einem Grupperennen zu bekommen, ist immer eine Chance und besser, als auf der Bank zu sitzen.

Sport-Welt: Direkt nach dem Rennen wurde Ihnen von allen Seiten gratuliert, aber Sie sind schnell zu Peter Heugl und haben sich bei ihm bedankt.…

Bayarsaikhan Ganbat:…als ich meine Lehre angefangen habe, hat Peter Heugl mir auf dem E-Pferd geholfen und mir auch den richtigen Peitscheneinsatz beigebracht. Wenn einem solche Leute helfen wollen, dann muss man diese Hilfe auch annehmen, deswegen habe ich mich bei ihm bedankt. Es gibt aber auch andere Jockeys, die mir oft Tipps geben.

Sport-Welt: Die wären zum Beispiel?

Bayarsaikhan Ganbat: Andrasch Starke und Alex Pietsch sagen mir oft, was ich im Rennen tun kann. Von ihnen lerne ich sehr viel, und das ist sehr schön. Ich meine, man steht jeden Tag auf, reitet und trainiert und dann ein Gruppe I-Rennen zu gewinnen, ist einfach ein Traum.

Sport-Welt: Bis zu Ihrem Gruppe I-Sieg war es ein längerer Weg mit den Pferden, der in der Mongolei begann. Dort sind Sie geboren. Hatten Sie schon damals Kontakt mit den Pferden?

Bayarsaikhan Ganbat: Mein Großvater hatte dort eine Viehzucht mit Kühen, Schafen und auch Pferden. In den Sommerferien war ich oft dort…

Sport-Welt: …und sind geritten?

Bayarsaikhan Ganbat: Ich habe an Distanzrennen teilgenommen.

Sport-Welt: Die Reiter in diesen Rennen sind oft sehr jung, wie alt waren Sie?

Bayarsaikhan Ganbat: Ich war sechs oder sieben Jahre alt, als ich das erste Mal an diesen Rennen teilnahm.

Sport-Welt: Ganz ungefährlich ist das ja bestimmt nicht.

Bayarsaikhan Ganbat: Richtig. Bei so vielen Pferden in einem Rennen gab es schon schlimme Stürze:

Sport-Welt: Stimmt es, dass man nun in diesen Rennen eine Helmpflicht eingeführt hat?

Bayarsaikhan Ganbat: Ja. Früher sind wir ohne Helme geritten. Jetzt muss man einen tragen.

Sport-Welt: Dann gingen Sie und Ihre Familie nach Deutschland. Wie alt waren Sie da?

Bayarsaikhan Ganbat: Ich war zwölf Jahre alt, bin dann in Deutschland zur Schule gegangen und habe sie auch abgeschlossen.

Sport-Welt: Und wann fiel die Entscheidung, eine Ausbildung im Rennsport zu machen?

Bayarsaikhan Ganbat: Nach der Schule habe ich hier und da gejobbt, aber ich wusste, dass ich eine Ausbildung machen musste und da bin ich über eine Zeitungsannonce auf den Rennsport aufmerksam gemacht worden.

Sport-Welt: Sie haben Ihre Ausbildung dann in Hoppegarten begonnen?

Bayarsaikhan Ganbat: Ich hatte mich bei Roland Dzubasz beworben, bin dann aber durch einen Zufall bei Martin Rölke gelandet und habe meine Ausbildung bei ihm angefangen. Ohne ihn wäre ich niemals zum Rennsport gekommen. Natürlich muss ich auch sagen, dass die ersten Jahre mit wenig Geld nicht einfach waren.

Sport-Welt: Martin Rölke war dann aber nicht Ihr einziger Ausbilder in Hoppegarten?

Bayarsaikhan Ganbat: Als Herr Rölke nur noch wenige Pferde hatte, musste er seinen Stall schließen. Hardy Hötger hat ihn dann übernommen und mich auch. Dann bin ich später aber doch an den Stall von Roland Dzubasz gewechselt.

Sport-Welt: Wie war die Zeit am Dzubasz-Stall?

Bayarsaikhan Ganbat: Roland Dzubasz ist als Lehrmeister streng, aber ich habe bei ihm und seinem Assistenten unglaublich viel gelernt. Vor allem hat er mich auch nach einem schlechten Ritt immer wieder auf die Pferde gesetzt. Das ist in der heutigen Zeit ja oft anders, und das war für mich ganz wichtig, denn nur so kann man lernen. Natürlich wird in der Mongolei auch anders geritten als in Deutschland. Auch das musste ich lernen.

Sport-Welt: Es folgte der Wechsel nach Düsseldorf. Im Nachhinein ein wichtiger und richtiger Schritt in Ihrer Karriere?

Bayarsaikhan Ganbat: Ja. Einige Trainer aus dem Westen haben bei mir nachgefragt, darunter auch Sascha Smrczek. Ich wusste, wenn ich mehr Rennen reiten will, dann muss ich in den Westen, auch wenn die Zeit bei Roland Dzubasz sehr gut war, denn ich habe viele Rennen für ihn gewonnen. Aber für, sagen wir mal, einen Ritt aus Hoppegarten in den Westen anzureisen, hätte keinen Sinn gemacht und im Westen gibt es einfach mehr Renntage.

Sport-Welt: Ihre Familie lebt nach wie vor in Berlin?

Bayarsaikhan Ganbat: Ja, meine Familie ist noch dort. Auch wenn ich jetzt in Düsseldorf lebe, ist Berlin immer noch meine Heimat.

Sport-Welt: Doch alles lief nicht immer glatt. Gerade in Ihren ersten Jahren in Deutschland wurden Sie oft durch Verletzungen zurückgeworfen. Bekommt man in solchen Phasen der Karriere nicht manchmal Zweifel an dem, was man so tagtäglich tut?

Bayarsaikhan Ganbat: Ich hatte einige Verletzungen, aber ich habe nie daran gedacht aufzuhören. Der Rennsport fasziniert mich derart, dass ich nie einen Gedanken daran verschwendet habe. Aber klar, die Zeiten der Verletzungen waren hart.

Sport-Welt: Wie hat man von außen auf diese vielen Verletzungen reagiert?

Bayarsaikhan Ganbat: Es gab schon Leute, die mich fragten, ob ich jetzt nicht Angst hätte zu reiten, aber wenn ich Angst hätte, dann bräuchte ich gar nicht mehr reiten, dann wäre ich fehl am Platz.

Sport-Welt: Sie gelten eher als zurückhaltend und bescheiden. Andere Jockeys formulieren Ziele gerne offensiver, vor allem, wenn es darum geht, Champion zu werden. Ist dieser Titel nicht auch ein Karriereziel für Sie?

Bayarsaikhan Ganbat: Natürlich will jeder Jockey einmal Champion werden, aber dafür muss man an einem sehr großen Stall mit sehr vielen guten Pferden sein, und der Titel ist auch nicht mein Ziel. Hauptsache, ich bin gesund und gewinne meine Rennen, und wenn dann Gruppesiege dabei herausspringen, ist das umso schöner.

Sport-Welt: Kurz nach dem Gruppe I-Sieg sagten Sie, sie seien kein Extraklasse-Jockey. Wie haben Sie das gemeint? Immerhin sind Sie jetzt Gruppe I-Siegjockey, und das kann auch nicht jeder von sich behaupten.

Bayarsaikhan Ganbat: Ich bin niemand, der herumlauft und sagt, ‚ich bin der Beste‘. Was ich mache, ist, in jedem Rennen mein Bestes zu geben. Es gibt natürlich Leute, die mir sagen, du bist ein super Jockey, aber es gibt auch diejenigen, die sagen, du kannst nichts. Aber das ist in jeder anderen Sportart auch so.

Sport-Welt: Dennoch kann einem Jockey ein Gruppe I-Sieg Türen öffnen. Man denke nur an mögliche Auslandsaufenthalte, die viele Ihrer Kollegen gerne über die Wintermonate wahrnehmen. Wäre das auch mal eine Option für Sie?

Bayarsaikhan Ganbat: Klar, man denkt darüber nach und ich hätte auch schon ins Ausland gehen können. Aber ich habe eine super Freundin, die immer hinter mir steht und mich immer unterstützt, und in einer Beziehung ist es schwierig, für fünf Monate etwa nach Dubai oder Katar zu gehen. Für einen Monat würde ich es machen, aber nicht für ein halbes Jahr.
 

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