Am Sonntag – bevor sich alle Zeichen auf Royal Ascot drehen – gilt nochmal die volle Aufmerksamkeit dem zweiten großen Klassiker auf der Schlossbahn von Chantilly, wenn der Prix de Diane, das mit einer Million Euro dotierte französische Stutenderby zur Entscheidung ansteht. Immerhin wird hier die Nachfolgerin solcher Superstars wie Trève (2013), der Ammerländerin Golden Lilac (2011), Sarafina (2010) oder Zarkava (2008) gesucht.
Mit von der Partie als mit Abstand längste Außenseiterin ist Regine Weissmeiers Feodora (Foto) unter Stéphane Pasquier, eine vom Gestüt Etzean gezogene und für deren Rennstall trainierte Lord-of-England-Tochter. Die bei fünf Starts noch sieglose Stute war als Zweijährige jeweils Zweite im Kölner Winterkönigin-Trial und im Preis der Winterkönigin, sie ist also Listen- und Gruppe-III-platziert, zuletzt war sie Ende Mai Siebte in den deutschen 1000 Guineas in Düsseldorf. Jetzt geht sie erstmals in der Distanz auf 2100 Meter.
Von ihr werden also in jeder Hinsicht große Steigerungen erwartet, wenn sie überhaupt nur in den vorderen Regionen des Feldes einlaufen sollte. Die Trainerin ist sich der Schwere der Aufgabe für ihre Stute sehr wohl bewusst: „Wir reisen mit einem olympischen Gedanken nach Chantilly und würden uns über jedes Platzgeld riesig freuen. Natürlich hat sie auch dafür nur Außenseiterchancen, aber wer nicht läuft, kann nichts gewinnen. Für Samstag und Sonntag liegt die Regenwahrscheinlichkeit jeweils bei 60 %, so dass wir hoffen, den von Feodora bevorzugten etwas, weicheren Boden anzutreffen, damit würden ihre Chancen sicherlich steigen.“
Das Feld allerdings ist – selbst nach der Abmeldung von Freddy Heads zweiter Favoritin We Are, die sich im Training als nicht auf dem Posten erwies – immens stark. Favoritin der Prüfung ist Alain de Royer-Duprés für den Aga Khan trainierte und noch ungeschlagene Shamkala unter Christophe Soumillon, die den vorbereitenden Prix Cléopatre Mitte Mai in Saint-Cloud in leichter Manier gewann und sich bei drei Lebensstarts noch keine Blöße gab. Das Potential der Pivotal-Tochter ist schlicht noch nicht abschätzbar.
Insoweit steht sie mit 27:10 als Favoritin sehr kurz, auch wenn keine Zweifel an ihrer Stamina bestehen, und Alain de Royer-Dupré als sechsfacher Diane-Siegertrainer bestens ausgewiesen ist. Der Aga Khan konnte sich sogar schon sieben Mal als Eigentümer einer Siegerin auszeichnen.
Während sich am Dienstag in Ascot die irischen und englischen 2000-Guineas-Sieger in den St. James‘s Palace Stakes duellieren, steht das Duell der englischen und französischen 1000-Guineas-Siegerinnen im Prix de Diane an, wobei beide erstmals über die weite Distanz von 2100 Metern antreten: André Fabres Miss France unter Maxime Guyon siegte in Newmarket mit einem Hals-Vorteil über Olly Stevens Lightning Thunder, die Ende Mai auch zweite in den Irish Guineas wurde und insoweit ihre Leistung untermauerte.
Avenir Certain siegte in Longchamp mit eineinviertel Länge über Alain de Royer-Duprés Veda, die in der Folge allerdings als Sechste über die Meile im Gruppe-II-Prix de Sandringham vor zwei Wochen stark enttäuschte. Francois Doumens Guineas-Drittplatzierte Xcellence und Carlos Laffon-Pariass‘ Wertheimer-Stute Bawina als Vierte des Meilen-Klassikers von Longchamp folgen im Wettmarkt mit Kursen um die 100:10. Für Freunde von Außenseitern könnte Amour A Papa eine schöne Each-Way-Chance darstellen:
Die von Jean-Yves Artu trainierte Montmartre-Stute dürfte sicher über den Weg kommen und war in Saint-Cloud nur eine dreiviertel Länge hinter Shamkala. Sollte sich deren Form als beständig erweisen, dann könnte der 410:10-Siegkurs von Amour A Papa, zu deutsch Papas Liebling, ein Schnäppchen sein. Nicht uninteressant ist auch die nachgenannte, jüngst Gruppe-III-platzierte Listensiegerin Ball Dancing aus dem Stall von Pia Brandt.
Stall Ullmanns von Jean-Pierre Carvalho trainierter Guardini tritt bei seinem dritten Lebensstart erstmals auf Patternlevel an, nachdem er zuletzt in einem Course B in Longchamp nach unglüklichem Rennverlauf als Schnellster endete und nur mit einem Kopf einem Aga-Khan-Hengst unterlegen war. Carvalho hat den Dalakhani-Sohn mit französischer Besitzerprämien-Berechtigung schon lange für den Grand Prix de Paris vorgesehen und am Sonntag soll er sich den nötigen Schliff für die prestigeträchtige 2400-Meter-Prüfung Mitte Juli holen: Im mit 80.000 Euro dotierten Prix du Lys von Chantilly.
Allerdings ist auch diese Aufgabe schon nicht ganz ohne, auch wenn die Starter überwiegend noch kleine Rennkarrieren aufzuweisen haben: So sind etwa die beiden Khalid-Abdullah-Starter zu respektieren, Pascal Bary trainiert den in kleinen Prüfungen ungeschlagenen Teletext und André Fabre den ebenfalls zuletzt siegreichen Champs-Elysees-Sohn Glaring. Alain de Royer-Dupré bietet den zuletzt nur viertplatzierten Behesht auf, Elie Lellouche den etwas öfter geprüften, frischen Listensieger Auvray. Myriam Bollack-Badel ist mit dem Listensieger und zuletzt als Gruppe-II-Fünften ausgewiesenen Norse Prize am Start.
Auch im zweiten Rennen des Tages, dem mit 80.000 Euro dotierten Prix Bertrand Du Breuil über die Meile ist mit Ferdinand Leves für das Gestüt Haus Ittlingen trainierten Felician ein in Deutschland beheimateter Starter mit von der Partie. Der sechs Jahre alte Motivator-Sohn, der im vergangenen Jahr im Großen Preis der Stadtwerke Krefeld zum Gruppe-II-Sieger aufstieg und sich auch als Zweiter im Darley-Oettingen-Rennen in Iffezheim bewährte, ist Saisondebütant.
Er trifft auf harte Gegnerschaft: Jean-Claude Rougets Silas Marner ist frischer Listensieger, Elie Lellouches Pinturicchio war diese Saison schon Listensieger und Gruppe-II-Vierter, während der ehemals von Andreas Wöhler trainierte Empire Storm für seinen neuen Trainer Michael Attwater Mitte Mai zwar noch Gruppe-I-Fünfter war, aber danach als Gruppe-III-Sechster zunächst wieder enttäuschte. Auch André Fabres Pilote könnte bald wieder zur Form zurückfinden.









