INTERVIEW EUGEN ANDREAS WAHLER

GaloppOnline.de: Hamburg hat angerichtet, das große Fest des Turfs kann beginnen?

Eugen-Andreas Wahler: Von uns aus im Grunde ja. Aber es sicher gut, dass wir noch 49 Tage zur Vorbereitung haben, und sicherlich ist Ende Juni/Anfang Juli das Wetter auch so richtig schön.

GaloppOnline.de: Wie 2013, da lief alles wohl ganz nach dem Geschmack des Hamburger Renn-Clubs?

Eugen-Andreas Wahler: Da muss man in der Tat ehrlich zu sich selbst sein. Im letzten Jahr passte viel, sehr viel zusammen. Wie heißt es so schön, es kamen viele glückliche Umstände zusammen. Vor allem natürlich das durchweg schöne Wetter, wir als Outdoor-Veranstalter sind halt primär von der Witterung abhängig.

GaloppOnline.de: Und in Zahlen ausgedrückt bedeutete dies?
Wir hatten ein sattes Plus im Wettumsatz von 18 Prozent.

Eugen-Andreas Wahler: Mit welchen Zahlen rechnen Sie für dieses Jahr?
Es wäre töricht von uns, wenn wir mit den Zahlen vom letzten Jahr rechnen würden. Nein, wir planen konservativ, gehen eher von den Zahlen von 2012 aus. Ein ausgeglichener Etat ist zunächst einmal das Klassenziel.

GaloppOnline.de: Klassenziel bedeutet welche Zahl?

Eugen-Andreas Wahler: Wenn wir an den sieben Renntagen einen Gesamtumsatz von 3,6/3,7 Millionen Euro Umsatz erzielen, dann geht das ganze Unternehmen Derby-Woche auf.

GaloppOnline.de: Bleiben wir bei den Zahlen. Wie hoch sind die Rennpreise, die der HRC an den sieben Renntagen ausschüttet?
Insgesamt kommen wir auf ein auszuschüttendes Rennpreisvolumen von 1,7 Millionen Euro. Gegenüber 2013 haben wir einen Renntag mehr, kommen nun auf sieben Veranstaltungstage.

GaloppOnline.de: Das Deutsche Derby hat eine neue Rekorddotierung von 650.000 Euro. Dies resultiert daraus, dass man die Besitzerprämie in den Rennpreis einfließen ließ. Wie positiv hat sich dies ausgewirkt?

Eugen-Andreas Wahler: Richtig, durch die Umstrukturierung des Geldpreises sind wir auf diese Rekorddotierung gekommen und ist das Deutsche Derby 2014 so wertvoll wie noch nie. Basis dieser Sache ist die doch zu Recht weit verbreitete Meinung, dass die Besitzerprämie nicht mehr zeitgemäß ist. Wenn die ausländischen Gäste kommen und Geld gewinnen, dann haben sie auch den Anspruch auf die vollen Rennpreise, ohne Regulierungen mit Abzügen. Das ist internationaler Standard, und somit näher wir uns auch den beiden klassischen europäischen Derbys von England und Irland, die wohlgemerkt bereits eine siebenstellige Dotierung haben.

GaloppOnline.de: Auch das Nennungsergebnis hat sich positiv ausgewirkt?

Eugen-Andreas Wahler: Ja, wir haben mehr Nennungen aus dem Ausland bekommen, es waren genau 18 Pferde mehr. Zudem sind wir aktuell bei einer höheren Zahl der im Derby noch startberechtigten Pferde als zum vergleichbaren Zeitraum der letzten Jahre. Es sind zum jetzigen Zeitpunkt noch 69 Pferde im Derby startberechtigt.

GaloppOnline.de: Durch die Erhöhung der Derby-Dotierung hat sich auch folgerichtig die Nachnennungsgebühr für das Blaue Band erhöht. Sie liegt jetzt bei zehn Prozent des Rennpreisvolumens, nach Adam Riese bei 65.000 Euro. Bislang waren es 50.000 Euro. Rechnen Sie unter dieser Voraussetzung überhaupt noch mit der einen oder anderen Nachnennung?

Eugen-Andreas Wahler: Die Formel ist im Grunde gleich geblieben. Jetzt muss ich 65.000 Euro Nachnenngebühr hinlegen, bekomme aber im Siegfall oder bei einer Platzierung auch entsprechend mehr Geld als in den letzten Jahren. Also, ich denke, dass unverändert in dem einen oder anderen Fall sich Besitzer und Trainer hinsetzen und über eine sinnvolle Nachnennung ihres Pferdes diskutieren.

GaloppOnline.de: Die drei PMU-Renntage spülen zusätzliches Geld in die Kassen. Mit wie viel rechnen Sie aus dieser Ecke?

Eugen-Andreas Wahler: An drei PMU-Renntagen werden 25 Rennen gelaufen, die auch in Frankreich bewettet werden. 25 Rennen von rund 70 Rennen während des Meetings. Und in diesen 25 Rennen werden voraussichtlich acht bis neun Millionen Euro umgesetzt. Wir erhalten rund drei Prozent. Das ist in der Tat ein sehr hübsches Sümmchen, das wir auch dringend benötigen.

GaloppOnline.de: Wie sieht es mit einer TV-Übertragung des Deutschen Derbys aus?

Wir wollten es zunächst gar nicht glauben, aber die ARD hat tatsächlich bei uns nachgefragt, wie es mit einer Übertragung aussehe. Herr Darboven und ich haben seit Jahren den Intendanten besucht und unser Anliegen einer TV-Übertragung deutlich gemacht. Nun scheinen unsere Bemühungen zu fruchten.

GaloppOnline.de: Gibt es bereits konkrete Übertragungszeiten?

Eugen-Andreas Wahler: Nein, die liegen noch nicht fest. Auch noch nicht, ob das Derby live oder zeitversetzt in der Sportschau übertragen wird. Für den Rennsport wäre es zum Beispiel nicht schlecht, wenn es innerhalb der abendlichen Sportschau übertragen würde. Dann wäre die Einschaltquote höher als bei einer Live-Übertragung.

GaloppOnline.de: Kommen wir zu den relevantesten Neuerungen für Aktive und Besucher. Es wurde früh im Jahr bereits publiziert, dass man die Hecke auf dem Geläuf in der Zielgeraden entfernt habe und dadurch sich die Breite der Bahn über 40 Meter erstreckt. Wie ist der Stand der Dinge, Hecke weg, Gras gut gewachsen?

Eugen-Andreas Wahler: Um es kurz noch einmal zu verdeutlichen, worum es ging. Wir hatten uns entschlossen, die 2 bis 2,50 Meter breite Hecke auf dem Geläuf in der Zielgeraden zu entfernen, Innen- und Außenbahn somit zu vereinen. Der Grund: wir wollten die Möglichkeiten ausschöpfen, die Zielgerade individuell auszustecken. Mit dem großen Ziel im Hinterkopf, dass wir am Ende des Meetings für das Deutsche Derby immer noch ein funktionsfähiges Geläuf haben. Die Ansaat ist gut angeschlagen, der neue Streifen ist gut gewachsen, in vier bis fünf Wochen und somit pünktlich zum Beginn der Derby-Woche sind die Voraussetzungen geschaffen. Ob der Streifen in diesem Jahr schon nutzbar ist kann erst kurz vor dem Meeting entschieden werden.

GaloppOnline.de: Was hat sich auf dem gastronomischen Gebiet getan?

Eugen-Andreas Wahler: Es ist noch vielfältiger und noch breiter geworden. Wir haben im letzten Jahr bereits viel Lob bekommen, nun haben wir nochmals an dieser Schraube gedreht. Zudem möchte ich darauf hinweisen, dass die Pik König-Lounge, außer am Derby-Tag, innerhalb der Tribüne für alle Besucher zugänglich. Investiert haben wir ferner in Bistros, Wettschalter und WC-Anlagen.

GaloppOnline.de: Wie sieht es mit den Eintrittspreisen aus?

Eugen-Andreas Wahler: Keine Veränderungen, keine Erhöhungen. An den Wochentagen bieten wir freien Eintritt an. Die Stadt Hamburg hat sich daraufhin bei uns gemeldet und die Botschaft überbracht, dass sie diesen Zug im Sinne eines breiten öffentlichen Interesses für sehr, sehr fair halte.

GaloppOnline.de: Das Haus IDEE tritt wieder als Sponsor auf?

Eugen-Andreas Wahler: Ja. Die Sparda Bank tritt nicht mehr als Sponsor für das Deutsche Derby auf. Wir sind unglaublich glücklich und Herrn Darboven dankbar, dass wir ihn und sein Unternehmen für das Deutsche Derby wieder als Mäzen gewinnen konnten. Es heißt nun IDEE 145. Deutsches Derby.

GaloppOnline.de: Konnten Sie neue Sponsoren für die Derby-Woche gewinnen?

Eugen-Andreas Wahler: Wie Sie wissen, lebt gerade auch im Galopprennsport das Sponsorengeschäft von der Tradition. Das zeigt schon zum Beispiel die gefühlt ewige Verbundenheit des Hamburger Renn-Clubs mit dem Hause Darboven. Aber wir haben auch wieder neue Sponsoren für die Derby Woche gewinnen können. Wie zum Beispiel die Saxo Bank und NHH-Hotels.

GaloppOnline.de: Kommen wir noch zu einem bundesweit aktuellen Problem. Die Zahl der Starter ist kaum befriedigend, mit anderen Worten es fehlen die Pferde?

Eugen-Andreas Wahler: Das Direktorium in Köln ist auf dem besten Weg, den deutschen Rennsport wieder voranzutreiben. Und wir in Hamburg sind auch ein bisschen stolz, dass wir vom Image weggekommen sind, denen in Horn geht es schlecht. Es hat sich im bundesdeutschen Rennsport anders entwickelt als gedacht, aber, und das ist das Wichtigste, es hat sich zum Positiven entwickelt. Dass das Direktorium auch zum Beispiel gegenüber der PMU signalisierte, jawohl wir wollen alle angebotenen 35 PMU-Renntage durchziehen, das ist das richtige Zeichen. Jetzt zu Ihrer Frage, aktuell zu wenig Starter.

Es ist richtig, wir haben ein Problem, wir haben weniger Pferde. Aber das wird sich ändern, davon bin ich überzeugt. Es gibt wieder deutlich mehr zu gewinnen und durch die Anhebung der Züchterprämien wird es in den nächsten Jahren wieder mehr Züchter geben. Es wird zwei, drei Jahre dauern, da müssen wir jetzt durch. Wir säen jetzt die Saat und beginnen in zwei, drei Jahren zu ernten.

GaloppOnline.de: Die Fußball-WM in Brasilien läuft parallel zur Derby-Woche. So etwas ist für Hamburg nichts Neues?

Eugen-Andreas Wahler: Wie Sie wissen, haben wir für eine Fußball-WM schon einmal das Derby um Wochen verlegt. So etwas ist diesmal überhaupt nicht vonnöten. Wir haben den Terminkalender der Derby-Woche leicht verändert. Wir beginnen am Sonntag, dann geht es weiter am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Samstag, Sonntag und Dienstag. An diesem Finaltag der Derby-Woche findet unser einziges Hindernisrennen der gesamten Woche statt: das Seejagdrennen.

GaloppOnline.de: Letzte Frage. Wer gewinnt für Sie, Herr Wahler, das Deutsche Derby?

Eugen-Andreas Wahler: Nach allem, was ich bislang gesehen habe, ist Sea The Moon aus dem Stall von Markus Klug ein heißer Anwärter. Wie der Hengst den Frühjahrs-Preis des Bankhauses Metzler von der Spitzte aus gewonnen hat, das sah sehr, sehr gut aus. Natürlich würde ich mich riesig freuen, wenn Herr Darboven das Derby gewinnen würde.

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