Ein halbes Jahrzehnt ist es her, dass letztmalig ein in Deutschland trainiertes Pferd das Mehl-Mülhens-Rennen gewann. Der von Jens Hirschberger trainierte und von Filip Minarik gerittene Schlenderhaner Irian war dies. Er hatte zuvor das Dr. Busch-Memorial gewonnen. Godolphins Frozen Power leitete dann eine Erfolgsserie der Gäste ein.
Mit dem von Marco Botti trainierten Excelebration, der wenig später in Coolmore-Besitz überging, siegte wohl eines der besten Pferde in der Geschichte dieses Klassikers. Wiederum aus England entsandt, war Caspar Netscher 2012 nicht zu schlagen, während vor zwölf Monaten die „Marseillaise“ über dem Weidenpescher Park ertönte, nachdem der Riesenaußer Peace At Last aus dem Pantall-Quartier zugeschlagen hatte. Es ist an der Zeit, dass Deutschlands Nationalhymne erklingt.
Im Gegensatz zu 2013, als unter den zehn Startern gleich sieben Gäste aus England und Frankreich am Start waren – dies war Rekord – ist der diesjährige Run aus dem Ausland, speziell aus England, als recht bescheiden anzusehen (Zum Langzeitmarkt).
Lediglich aus dem für große Siege weniger bekannten Quartier von Michael Appleby in Newark bei Nottingham reist ein Teilnehmer an den Rhein. Auch bei aller Wertschätzung vor seinem vierten Platz in den zur Gruppe III zählenden Horris Hill Stakes im letzten Jahr sollte Cordite im Mehl-Mülhens-Rennen vor einer kaum zu lösenden Aufgabe stehen.
Der zweite Gast im Feld reist aus Dänemark an, doch ihn gilt es auf keinen Fall zu unterschätzen. Als Zweijähriger wurde Wilshire Boulevard noch von Aidan O‘Brien in Irland trainiert, absolvierte im Juli bereits seinen fünften Start, doch diesen münzte der Holy Roman Emperor-Sohn zu einem Sieg auf Gruppe III-Ebene um. In York war er später noch auf Gruppe II-Niveau Zweiter und schließlich im Prix Jean-Luc-Lagardere am Arc-Tag auf Gruppe I-Ebene Vierter, es gewann der frische Poule-Sieger Karakontie.
Schließlich führte ihn sein Weg noch nach Santa Anita zum Breeders‘ Cup, wo er aber keine Rolle spielte. Sicherlich stellt sich die Frage, warum sich die Magniers von Wilshire Boulevard trennten. Ende April gab der Hengst in der neuen Heimat sein Jahresdebüt und wurde in einem Aufbaurennen Zweiter.
Solch eine Konstellation hat es wohl auch noch nie gegeben, und man kann von einem echten Deja-vu-Erlebnis sprechen. Gleich sieben Pferde aus dem Dr. Busch-Memorial von Ende April im Krefelder Stadtwald werden auch im Mehl-Mülhens-Rennen in die Startboxen einrücken.
Allen voran der überzeugende Sieger Lucky Lion (Foto), der nach zwei diesjährigen Erfolgen unter Alexander Weis nun mit dem französischen Ex-Championjockey Ioritz Mendizabal im Sattel unterwegs ist. Der als nicht einfach geltende Hengst aus dem Löwe-Stall könnte wie in Krefeld in der Favoritenrolle stehen.
Den meisten wird es nicht entgangen sein, dass der Auenqueller Andoyas im Dr. Busch-Memorial ein denkbar schlechtes Rennen hatte. Im Schlussbogen fiel der Hirschberger-Schützling nach einer Störung deutlich auf den letzten Platz zurück, um im Einlauf eine großartige, leichtfüßige Aufholarbeit zu starten, die ihn noch auf den dritten Platz beförderte. Auf der Linie war er nur einen Hals hinter Nordico, der sich von der Spitze aus stark verkaufte.
Man darf davon ausgehen, dass Nordico nach dem verheißungsvollen Jahresdebüt im Stadtwald einen weiteren „Satz“ gemacht hat. Wie auch sein Stall- und Trainingsgefährte Stillman, der das Krefelder Rennen nach einem Arbeitsstopp im Februar mit Sicherheit noch benötigt haben dürfte. Schlenderhans Kerosin ist nach jeder Form ein Kandidat für eine vordere Platzierung. Vor allem sein dritter Rang zu Abendwind und Magic Artist im Iffezheimer Zukunfts-Rennen besitzt hohen Stellenwert. Der vierte Rang im Busch-Memorial passt in den Leistungsspiegel.
Nadelwald und Sahand sind sieglose Kandidaten, die auf Gruppe-Lorbeer zielen. Deutlich länger am Toto sollte Rock of Chasel stehen. Der Mäder-Schützling konnte nach seinem überlegenen Leipziger Erfolg weder im Preis des Winterfavoriten noch bei seinem Jahresdebüt im Dr. Busch-Memorial etwas bewegen.
Insgesamt gibt es am Sonntag in Köln acht Rennen, von denen zwei mit Viererwette und einer damit verbundenen garantierten Auszahlung von 10.000 Euro gelaufen werden. Im Mehl-Mülhens-Rennen gibt es zudem eine Premium-Dreierwette, ebenfalls mit einer garantierten Auszahlung von 10.000 Euro.










