GaloppOnline.de: Das Trainieren muss Ihnen doch augenblicklich sehr viel Spaß bereiten, wenn man die Siege der letzten Wochen und Monate betrachtet.
Claudia Barsig: Nicht nur mir macht es Spaß. Wir haben wirklich ein sehr homogenes Team, das hochmotiviert ist und sich mit dem Stall gänzlich identifiziert. Darin liegt meiner Meinung auch einer der Gründe für den Erfolg. Jeder zieht einfach mit.
GaloppOnline.de: Und die anderen Gründe?
Claudia Barsig: Wenn du gutes Material hast, kommt schon mal eins zum anderen. Beispielsweise hat uns Christian von der Recke mit wertvollen Tipps zur Seite gestanden. Gerade, wenn es um Auslandsankäufe geht, ist er wirklich ein kompetenter Freund und Ratgeber. Ich denke da z. B. an die Pferde Highland Bride, Banda Sea oder auch Zippo, der uns sehr viel Freude macht. Ich traue mir dies nicht zu, im Ausland zu kaufen, bin eher die Praktikerin in der Mannschaft, während mein Mann Gert das Management in Absprache mit mir und den Besitzern regelt. Wir ergänzen uns wirklich ganz hervorragend.
GaloppOnline.de: Haben Sie sich jemals vorstellen können, woanders als in Dresden zu trainieren?
Claudia Barsig: Nein, Dresden ist und bleibt immer meine Heimat mit einer starken familiären Bindung. Es ist auch immer wieder etwas Besonderes wie zuletzt beim Hattrick vor der eigenen Haustür, in Dresden zu gewinnen (Anm. d. Red. Zippo, Prince Diamond, Fashion Tycoon). Das bedeutet uns sehr viel, wobei Individualität bei der Pferdebetreuung auch eine Stärke unseres überschaubaren Quartiers hier ist, und daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern.
GaloppOnline.de: Sie sind aktuell die erfolgreichste Vollbluttrainerin im Osten. Wie groß sind ihre Kapazitäten in Seidnitz?
Claudia Barsig: 28 Boxen stehen insgesamt zur Verfügung. Wir haben übrigens eine gesunde Mischung, die uns hilft, die Pferde entsprechend zu managen. Und die Vierbeiner entscheiden, wann sie fit sind, wobei ich meinen Besitzern auch ein großes Lob aussprechen muss, dass wir in Ruhe arbeiten können.
GaloppOnline.de: Was ärgert Sie denn ganz besonders?
Claudia Barsig: Dass wir trotz der guten Stallform in Baden-Baden kein Rennen gewonnen haben und dort immer noch nicht unserem ersten Treffer realisieren konnten. Bedenken Sie, dass wir schon einigen Aufwand betreiben müssen hinsichtlich Organisation, Reise, Personal usw. Wir brauchten dringend elastischen Boden und fanden am ersten Wochenende genau das Gegenteil vor, so dass der Kelch an uns vorbei ging. Es war echt gruselig, und ich hatte die Nase zu diesem Zeitpunkt, auch wenn wir platziert liefen, schnell voll.
Claudia Barsig: Reiten Sie als Trainerin auch heute noch gerne mit?
GaloppOnline.de: Ja, keine Frage, als ehemalige Amateurrennreiterin, die noch vor der Wende bei Wolfgang Streubel gelernt hat, ist das heute vor allen Dingen der ein oder andere „Problemfall“. Allerdings muss ich öfter auf dem Boden bleiben, um das jeweilige Lot beobachten zu können.
GaloppOnline.de: Und Ihre Hoffnungen für die Zukunft im Stall?
Claudia Barsig: Wir haben beispielsweise in der Badener Verkaufsprüfung Alter König erstanden (Anm. d. Red.: 5.000 Euro) und zudem mit Niro einen noch nicht geprüften Dreijährigen. Gerade Niro hat sich nett angelassen, auch wenn er nicht der Größte an Statur ist. Nach bisherigen Eindrücken, sicherlich eher ein Pferd für die zweite Jahreshälfte.
GaloppOnline.de: Wen würden Sie unseren Lesern bei den Zweijährigen ans Herz legen?
Claudia Barsig: Summernight Storm, ein Desert Prince-Sohn aus einer Mutter, die schon bei uns stand, hat wirklich eine tolle Aktion und vor allen Dingen ein entsprechendes Phlegma. Der kompakte Typ kann vielleicht schon in der zweiten Jahreshälfte auf sich aufmerksam machen, mal schauen.
GaloppOnline.de:Claudia Barsig:Zu sehen, wie pudelwohl sich beispielsweise ein Zippo fühlt und welche Leistungen er abruft und uns Freude bereitet. Oder auch unser Rentner Don Quatro, mittlerweile 14 Jahre alt, mit dem ich damals noch Rennen gewonnen habe. Er kam, glaube ich auf 100 Starts und hat 12 Rennen gewinnen können und erfreut sich heute bester Gesundheit.
Nicht zu vergessen die Entwicklung eines Fabregas, der uns nach der Kastration durch eine Infektion fast verloren gegangen wäre. Und dann hat er sich so toll entwickelt, darüber freue ich mich natürlich ganz besonders.
GaloppOnline.de: Ihre Ziele für die kommenden Wochen und Monate?
Claudia Barsig: Die Pferde weiterhin so gut zu managen, dass wir unsere bezahlbaren Träumerealisieren können. Und natürlich die Marke des Vorjahres, Priorität haben dabei immer die Pferde, zu verbessern. Da sind wir aktuell in diesem Jahr auf einem sehr guten Weg.









