GaloppOnline.de: Herr Gröschel, welches Pferd schafft den 1000. Sieg in Ihrer Trainer-Karriere?
Hans-Jürgen Gröschel: Das weiß ich auch nicht. Solche Dinge kann man einfach nicht planen und erzwingen. Ich kenne viele Kollegen, für die schon Blumen bereit standen, die dann verwelkten, weil es doch nichts mit dem erwarteten Sieg wurde. Man muss auch warten können und gerade vor solchen großen Ereignissen dauert es dann etwas länger mit den Siegen.
GaloppOnline.de: Wird es während der Großen Woche in Baden-Baden soweit sein? Schließlich benötigen Sie nur noch zwei Siege. Der Rahmen für ein solches Jubiläum würde in Baden-Baden doch eigentlich passen. Oder?
Hans-Jürgen Gröschel: Natürlich. Über die Jahre waren wir sehr erfolgreich in Baden-Baden, da käme solch ein Jubiläumstreffer natürlich in Baden-Baden gelegen. Aber man muss schon sagen, dass es in den letzten Jahren deutlich schwerer geworden ist, dort Rennen zu gewinnen. Jeder möchte das und die Felder sind in fast allen Prüfungen schon sehr groß. Außerdem biete ich ja auch am Sonntag in Hoppegarten Pferde auf. Es könnte also sein, dass das Jubiläum nicht unbedingt in Baden-Baden klappt. Aber das wäre kein Beinbruch für mich.
GaloppOnline.de: Sie gelten als Meetings-Spezialist, vor allem an der Oos. Arbeiten Sie speziell auf diese Rennen hin oder wie kommt es, dass ausgerechnet zu dieser Zeit Ihre Pferde schnell laufen?
Hans-Jürgen Gröschel: Naja, jeder Trainer verfolgt eine gewisse Route und sicher achte ich schon darauf, dass meine Pferde immer topfit an den Start kommen, wenn die wertvollen Prüfungen in Baden-Baden anstehen. Aber ich möchte immer gewinnen, habe sicher nichts gegen einen Sieg auf einer kleineren Bahn einzuwenden. Und wenn die Leute sagen, dass meine Pferde beim Start vor Baden-Baden nicht zu beachten sind, haben sie schlichtweg unrecht.
GaloppOnline.de: Welche Pferde müssen aus Ihrem Stall in diesem Jahr bei der Großen Woche besonders beachtet werden?
Hans-Jürgen Gröschel: Als tolles Formpferd wird Lady Areia nun im Listenrennen aufgeboten – sie hat einen Ausgleich II recht locker gewonnen und gezeigt, dass sie sich weiter verbessert hat. Im Listenrennen wird nun noch ein Sprung von ihr erwartet, doch traue ich ihr diesen zu. Ein weiteres Pferd, das man beachten muss, ist die frische Bad Doberaner Siegerin Zaphira. Sie sollte sich auf Dauer auch noch zu steigern wissen. Bei den Zweijährigen ist an Laric zu denken, die am Eröffnungstag in Erscheinung tritt und auch schon in Hamburg einen guten dritten Platz belegte, und an Tosia, die ebenfalls am Samstag laufen wird und eine tolle Abstammung besitzt.
GaloppOnline.de: Mit Wladimir Panow und Viktor Schulepov reiten zwei Jockeys an Ihrem Stall, die auch im Rennen stets Chancen erhalten. Gibt es eine Hierarchie?
Hans-Jürgen Gröschel: Eigentlich nicht, ich habe keinen Stalljockey, da unter den Besitzern immer wieder andere Jockeys gewünscht werden. Die beiden arbeiten bei mir und bekommen auch im Rennen immer wieder Chancen. Aber wenn ein Besitzer einen anderen Jockey auf seinem Pferd haben möchte, hat keiner an unserem Stall etwas dagegen. Das klappt eigentlich ganz gut.
GaloppOnline.de: Aber Wladimir Panow reitet deutlich häufiger für Ihren Stall als Viktor Schulepov…
Hans-Jürgen Gröschel: Das liegt aber nur daran, dass Herr Schulepov seit einem Sturz vor ein paar Jahren immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hat, er ist auch nicht mehr der Jüngste. Aber wer über 1.000 Rennen im Rennsattel gewonnen hat, der ist ein guter Jockey und das trifft auch auf Viktor Schulepov zu, mit dem ich schon lange zusammen arbeite. Seine derzeitige Form ist auch als gut anzusehen, auch die Gesundheit spielt derzeit mit.
GaloppOnline.de: Sie haben bereits zu DDR-Zeiten alle großen Rennen gewonnen außer dem Derby, und auch nach der Wende hatten Sie bislang noch keinen Erfolg im wichtigsten Rennen des Jahres. Was gibt es zu Ihrem lange als sicheren Derbystarter 2010 geltenden Godot zu sagen und warum hat es bisher im Derby einfach noch nicht gepasst?
Hans-Jürgen Gröschel: Das Derby zu gewinnen ist der Wunsch eines jeden Aktiven im Galopprennsport, das ist klar. Leider hat es in der DDR und im geeinten Deutschland noch nicht dazu gereicht, aber Sie müssen sehen, dass wir es als mittelgroßer Stall in solch einer tragenden Prüfung auch nicht unbedingt leicht haben. Den fünften Platz belegte ich einmal, das war schon toll. Und auch in diesem Jahr hätten wir mit Godot ein Pferd im Rennen gehabt, das sicher enormes läuferisches Potenzial besitzt. Leider hat er sich in der Schlussarbeit an der Sehne verletzt und muss den gesamten Rest des Jahres aussetzen. Glücklicherweise ist seine Rennkarriere wohl nicht bedroht und wir hoffen, ihn im nächsten Jahr wieder am Start sehen zu können. Ich probiere alles, um ihn wieder dahin zu bekommen, wo er vor dem Derby war.
GaloppOnline.de: Schon lange bieten Sie keine Hindernispferde mehr auf, haben in diesem Metier aber auch neun Rennen gewonnen. Wie kam diese Entwicklung zustande?
Hans-Jürgen Gröschel: Zu DDR-Zeiten habe ich diesem Metier mit viel Passion gefrönt, bin selbst in meiner aktiven Jockey-Zeit in Hindernisrennen geritten. Ich liebe den Hindernissport, doch muss man eines feststellen: Es fehlt an fähigen Leuten, die nachkommen und die Pferde im Training auch einspringen. Ich habe einige Pferde im Stall, die sicher für den Hindernissport interessant wären, und auch einigen Kollegen geht es so. Doch immer mehr Trainer nehmen Abstand, weil es eben keine Leute gibt, die die Pferde gut vorbereiten können. Tocci war mein letztes Hindernispferd, das auch in Baden-Baden den Roulette-Preis über die Hürden gewann.
GaloppOnline.de: Was gibt es zu Hannover als Standort zum Trainieren von Galopprennpferden zu berichten?
Hans-Jürgen Gröschel: Der Standort Hannover ist schon gut, der Rennverein unter der Leitung von Herrn Baum bemüht sich, uns Trainern optimale Bedingungen zu schaffen. Natürlich gibt es auch immer mal wieder Diskussionsbedarf und unterschiedliche Ansichten. Aber das wird dann besprochen und im Einvernehmen aller Beteiligten gelöst.
GaloppOnline.de: Wie verläuft das tägliche Miteinander unter den Trainerkollegen in Hannover?
Hans-Jürgen Gröschel: Da gibt es insgesamt keine Probleme, auch bei Christian Sprengel läuft es ja gut. Doch ist schon zu bemerken, dass es für die Kollegen, die nicht so viele Pferde im Stall haben, immer schwerer wird.
GaloppOnline.de: Kürzlich veranstaltete Ihr Bremer Kollege Pavel Vovcenko einen Tag der offenen Tür an seinem Stall, bei dem die Pferde öffentliche Galopps gingen. Auch eine Möglichkeit am Gröschel-Stall?
Hans-Jürgen Gröschel: Ich begrüße diese Aktion des Kollegen Vovcenko. Schon in der DDR gab es solche Aktionen. Zwei Wochen vor Beginn der Saison wurden in Dresden die Zweijährigen erst im Führring vorgestellt und dann gingen sie Galopps. Neue Leute an den Sport herangeführt hat es schon, aber das hat oft den Charakter, nur für einen Tag einmal zu schnuppern.
GaloppOnline.de: Wie geht es Ihrem Bruder Eckhart Gröschel, schließlich war er lange Zeit in Berlin-Hoppegarten ebenfalls als Trainer aktiv.
Hans-Jürgen Gröschel: Er ist noch immer Teil des Rennsports, verfolgt die Geschehnisse weiterhin mit großem Interesse. Ecki ist auch am Sonntag in Hoppegarten mein Vertreter. Er feierte gerade beim Meeting in Bad Doberan seinen 69. Geburtstag und ist weiter wohlauf. Wir beide komme aus einer Galopprennsport-Familie. Denn bereits unser Vater Hans hat über 1.000 Rennen als Trainer gewinnen können und sein Bild hängt im Club der 1000 in Krefeld. Neben ihm soll nach Möglichkeit auch mein Bild platziert werden, wenn ich es geschafft habe, in diesen elitären Club der 1000 aufgenommen zu werden.









