STORY: STALLPARADE SCHIERGEN

STORY: STALLPARADE SCHIERGEN

Viel Klasse im Top-Quartier

„Wann erscheint denn die Stallparade von Peter Schiergen?“, diese Frage stellten uns in den letzten Tagen gleich mehrfach Leser am Telefon. Die Turffans waren regelrecht heiß auf den Bericht über die Pferde des Kölner Trainers. Kein Wunder, denn der Asterblüte-Stall im Weidenpescher Park ist eine der absoluten Top-Adressen im deutschen Galopprennsport. Ohne Pferde des ehemaligen Klassejockeys, der als Trainer nur noch einen Punkt von seinem 1000. Flachsieg entfernt ist (Stand vor dem Kölner Renntag am gestrigen Mittwoch), geht in den großen Rennen hierzulande nichts.

Und so sind es auch fast sämtliche großen Gestüte des Landes, die ihre Pferde in die Obhut Schiergens geben. Viele Cracks hat Peter Schiergen in seiner Trainerkarriere zu großen Erfolgen geführt, dabei zahlreiche Grupperennen gewonnen. In der letzten Saison wanderten gleich sieben Prüfungen dieser Art in das Kölner Erfolgsquartier, wobei der Höhepunkt wohl die Titelverteidigung von Quijano im Gran Premio di Milano war. „Die Saison hatte gut angefangen, aber leider gab es dann doch einige Ausfälle wie Daring Tiger oder Miss Europa, die sicher noch eine gute Rolle gespielt hätten“, rekapituliert der Trainer das vergangene Rennjahr.

Traditionell ist man wieder gut in die Saison gestartet, bereits drei Listenrennen wurden 2010 bereits gewonnen. Besonders beim Derbyjahrgang scheint man wieder gut aufgestellt zu sein, hat gleich mehrere Kandidaten für das „Blaue Band“ im Stall. Unter ihnen befindet sich mit dem Ittlinger Neatico, der sein Saisondebüt noch vor sich hat, auch das höchsteingeschätzte Pferd des Jahrgangs 2007 in deutschen Rennställen.

Möglich wären die Erfolge eines so großen Stalles wie dem von Peter Schiergen nicht, wenn nicht ein erstklassiges Team dahinter stehen würde. Und das ist beim Asterblüte-Stall sicher der Fall. Das fängt bereits bei den Jockeys an, denn mit Andrasch Starke und Filip Minarik beschäftigt man gleich zwei ehemalige Championjockeys, die seit vielen Jahren zu den besten und erfolgreichsten Sattelkünstlern in Deutschland zählen.

Beide müssen natürlich nicht mehr groß vorgestellt werden und sind in den Rennen durch ihre Erfahrung und Können ein großes Plus. Verstärkt wird das Team der Reiter durch Andreas Göritz und Jiri Palik, die an einem solch großen Stall natürlich ihre Chancen bekommen und diese auch zu nutzen wissen. Bester Beleg dafür ist die Tatsache, dass sie mit Vianello (Göritz) und Saldennähe (Palik) in dieser Saison bereits Listenrennen für ihr Quartier gewonnen haben.

Mit Paul Andrew Johnson arbeitet zudem ein Top-Hindernisjockey am Stall, der für das Einspringen zuständig ist, wenn der Trainer einen Kandidat für dieses Metier hat, in dem er in der Vergangenheit ebenfalls mit gutem Erfolg operiert hat. Und als Amateurreiter ist natürlich Schiergens Sohn Dennis, der wie alle Kinder des Trainers enormes Interesse und Engagement zeigt, auch immer am Stall, soweit es die Schule zulässt. Die ersten Einsätze im Rennsattel hat der erst 15-jährige bereits hinter sich. Als Assistentin steht Peter Schiergen Ilke Hildebrand zur Seite, auf die immer Verlass ist und die auch als Betreuerin von Quijano bei dessen Dubai-Trips hervorragende Arbeit geleistet hat.

„Man muss aber das gesamte Team erwähnen, dem mein Dank gilt, denn wenn nicht alle so gut zusammenarbeiten würden, wären die Erfolge nicht möglich“, sagt Peter Schiergen, der mit seiner Frau Gisela natürlich noch eine wichtige Stütze hat, die perfekt die Büroarbeit erledigt und in der Organisation unersetzlich ist.
Traditionell sind bei der Struktur im Asterblüte-Stall die älteren Jahrgänge in der Unterzahl, doch wenn ein Pferd über drei Jahre alt ist und sich immer noch im Asterblüte-Stall befindet, dann verfügt es in der Regel über überdurchschnittliche Qualität.

Das ist bei Gestüt Bonas Norderney der Fall, wie die Vierjährige noch am vergangenen Sonntag im Gerling-Preis bewies, Kurzerhand hatte man die Dai Jin-Tochter für das Gruppe II-Rennen vor der Haustür nachgenannt. „Das Ziel ist der dritte Platz“, hatte Peter Schiergen vorher gesagt und die Fuchsstute enttäuschte ihren Betreuer nicht. „Sie hat sowieso bei keinem ihrer Starts etwas falsch gemacht“, lobt der Trainer die Bona-Lady, die im Vorjahr im Frankfurter Stutenpreis zur Gruppesiegerin aufstieg. Auf diesem Level wird sie auch weitermachen, wobei ihr Weg häufiger nach Frankreich führen könnte, wo die Startmöglichkeiten für Pferde ihrer Art einfach vielseitiger sind, als hierzulande.

Die Bonasche Z-Familie, aus der viele gute Hindernispferde kamen, vertritt Zypriot, der in dieser Hinsicht offenbar nicht aus der Art geschlagen ist, wie er mit einem zweiten Platz über Hürden in Baden-Baden bewies. Die Zukunft des Wallachs wird deshalb auch weiterhin in diesem Metier liegen, bis zu seinem Saisondebüt wird es aber noch ein wenig dauern. Nach Quijano ist Thalamon mit seinen sechs Jahren gemeinsam mit Prinz bereits das älteste Pferd im Asterblüte-Stall. „Das ist wirklich ein dankbares Pferd“, lobt Peter Schiergen den Burg Ebersteiner, der sich 2009 gleich zwei Tierce-Handicaps in Frankreich gewann und somit ein erstklassiger Verdiener war.

„Im Grand Prix von St. Moritz kam er mit dem Boden diesmal nicht klar, er ist nun natürlich auch nicht mehr ganz einfach zu managen“, sagt der Trainer. Nachdem er anfangs etwas gebraucht hatte, hat sich Gauner Danon zu einem mehr als nützlichen Pferd entwickelt. „Er ist doch sehr vom Boden abhängig, braucht unbedingt gutes Geläuf zur Bestform“, erklärt der Trainer die Eigenschaften des frischen Ausgleich II-Siegers.

„Auf Distanzen zwischen der Meile und 2000 Metern sollte man ihn nie unterschätzen“, so Schiergen weiter. In ganz anderen Dimensionen bewegt sich natürlich Fährhofs Star-Wallach Quijano. Der Acatenango-Sohn, der seinem Besitzer und seinem Trainer so viele schöne Momente beschert hat, war im vergangenen Winter zum vierten Mal in seiner Laufbahn in Dubai. Nach einem dritten Platz beim ersten Start konnte der Fuchs weder im Dubai City of Gold, noch im Dubai Sheema Classicc Akzente setzen, doch nimmt ihm sein Trainer das nicht übel.

„Man darf nicht vergessen, dass in diesen Rennen in Dubai nur echte Gruppe I-Pferde laufen. Zum Beispiel hat vor kurzem Jukebox Jury, der im Sheema Classic hinter Quijano war, überlegen die Jockey Club Stakes in Newmarket gewonnen“, sagt Peter Schiergen. Im vergangenen Jahr gelang es dem nun Achtjährigen, seinen Titel im Gran Premio di Milano zu verteidigen. Ein erneuter Start auf der San Siro-Bahn könnte auch in diesem Jahr sein Ziel sein, eine Nennung hat der Fährhofer auch für das Hoppegartener Gruppe II-Rennen Anfang Juni.

Ähnlich wie einst Quijano ist auch der vier Jahre jüngere Sanagas ein Wallach, der von ganz unten zu einem guten Pferd aufsteigen könnte. Nach einigen Wehwehchen und nachdem man ihm ausreichend Zeit gegeben hat, gab der Steher sein Debüt Mitte April in einem sicher überdurchschnittlich besetzten Sieglosenrennen. Am vergangenen Sonntag war er im Ausgleich III zwar als Sieger erwartet worden, doch auch wenn er durch Led Zeppelin eine Niederlage hinnehmen musste, sollte der Lomitas-Sohn noch einige Stufen auf der Karriereleiter erklimmen. Der mehrfach auf Gruppe-Parkett platzierte Duellant hat zuletzt nicht mehr ganz an seine besten Formen anknüpfen können.

„Bei ihm ist alles eine Einstellungssache, er ist zudem auf weichem Boden besser, als auf guter Bahn. Er soll zunächst in kleinen Altersgewichtsrennen weitermachen, um wieder Laune zu bekommen“, sagt sein Coach. Nach dem überzeugenden Sieg über Bolivia und Night Magic im Diana-Trial galt die Höny-Hoferin Miss Europa als heiße Kandidatin für den Sieg im Preis der Diana. Nach Platz zwei im Großen Preis der Jungheinrich Gabelstapler in Hamburg kam aber die schlechte Nachricht aus Weidenpesch. Die Monsun-Tochter erlitt eine Fissur und musste geschraubt werden.

Nun steht die Vierjährige wieder zu neuen Taten bereit, im Krefelder Listenrennen am Sonntag wird der Neuanfang gemacht. Natürlich sind aber Grupperennen das Ziel der Klassestute, die man sicher nicht umsonst wieder in den Rennstall berufen hat. Ältestes Ittlinger Pferd im Asterblüte-Stall ist die Stute Lovelight. Nach einem Sieg beim Debüt in Frankfurt war auf Listenebene bei zwei Starts noch nichts zu holen. Die Lomitas-Tochter war über Winter im Gestüt, man hat sie nun zurück in den Rennstall beordert. Distanzen um 2000 Meter sind am besten für sie. Ende des Jahres fand Mohammed Jabers Atlantic Sport den Weg aus England nach Weidenpesch. Auf der Insel war Mick Channon sein Betreuer.

Nach einem Listensieg 2008 konnte sich der Machiavellian-Sohn in der Gruppe-Klasse noch nicht behaupten. „Wir haben ihm etwas Zeit gegeben, er hatte auch so seine Problemchen, er sieht aber gut aus und ich denke, dass er seinen Weg machen wird“, so Peter Schiergen über den Hengst, der auf Distanzen um die Meile zuhause ist. Seit etwas mehr als einem halben Jahr steht Prinz auf der Trainingsliste von Peter Schiergen. Nachdem Deckhengstpläne nicht realisiert werden konnten, präsentiert sich der Paolini-Bruder inzwischen als Wallach.

Im Stall von Andreas Wöhler war der Sechsjährige einst eine große Hoffnung, startete als Dreijähriger sogar im Grand Prix de Paris. Das ist aber lange her, sein letztes Rennen hat er im August 2008 bestritten. Am gestrigen Mittwoch (nach Redaktionsschluss) gab Prinz auf der Heimatbahn sein Comeback. „Wir fangen in kleinen Aufgaben an, wie gut er noch ist, wird sich dann zeigen“, sagt der Asterblüte-Trainer. Prinz‘ Halbbruder Panyu absolvierte die erste Zeit seiner Rennkarriere wie sein Bruder im Ravensberger Stall von Andreas Wöhler. Bedingt durch seinen dritten Platz im Union-Rennen hat der Monsun-Sohn eine sehr hohe Marke. Er muss in Listen- und Grupperennen antreten, wo alles passen muss, damit er zurechtkommt.

Im Preis von Dahlwitz in Hoppegarten zeigte er am Sonntag als Dritter aber eine gute Form. In Baden-Baden, wo sie bei zwei Starts noch ungeschlagen ist, kam die Wittekindshoferin Nina Celebre während der Großen Woche zu ihrem ersten Listensieg. Die Tochter der großartigen Next Gina war über Winter zuhause, Ziel bei der Diana-Sechsten von 2009 ist natürlich eine Gruppeplatzierung. Genannt wurde sie sogar für den Großen Dallmayr-Preis in München. Ähnliches Kaliber vertritt Serienhoehe, die aber im Gegensatz zu ihrer Stallgefährtin bereits Gruppesiegerin ist, denn sie konnte als Zweijährige das Zukunfts-Rennen in Baden-Baden gewinnen.

Im vergangenen Jahr war sie beim Saisondebüt im swb Derby-Trial in Bremen vor dem späteren Derby-Zweiten Sordino. Anschließend war sie noch Vierte im Preis der Diana. Natürlich ist es nicht ganz leicht, eine vierjährige Stute dieser Klasse zu managen, zumal Peter Schiergen mit Nina Celebre und Norderney noch zwei Stuten ähnlichen Typs vorbereitet.

Von großem Interesse ist in einem solch erfolgreichen Stall natürlich der Derbyjahrgang. Alleine 14 Rennen für Pferde dieser Altersklasse (Stand vor dem Kölner Renntag am Mittwoch) hat Peter Schiergen in dieser Saison bereits gewonnen. Einer dieser Sieger war der Ammerländer Altair Star. Der Sohn des Epsom-Derbysiegers Kris Kin wird von seinem Betreuer als Pferd mit Talent beschrieben, das von Start zu Start lernt.

Nach seinem erfolgreichen Dresdener Debüt, bei dem er im Führring für einige Aufregung gesorgt hatte, unterlag er in Mülheim mit drei Kilo Aufgewicht nur einem vermutlich guten Pferd. In einem Listenrennen oder noch einmal mit Aufgewicht in einem „normalen Rennen“ geht es für dem Hengst weiter. Ein Start, ein Sieg, das ist die bisherige Bilanz von Bernsteinküste. Die Stute schickte man am Reformationstag nach Halle, wo sie nichts anbrennen ließ und in leichter Manier gewann.

Die Ammerländerin sollte auf mittleren Distanzen zu ihrem Recht kommen, zunächst möchte man ein passendes Listenrennen für sie finden. Höhere Ambitionen hat man sicher noch bei Burma Gold, denn der Java Gold-Sohn siegte bei seinem Debüt in München in gutem Stil. Das Dortmunder Listenrennen am heutigen Donnerstag wird weitere Aufschlüsse über das Können des Hengstes geben, der ein Pferd für weitere Wege und natürlich noch ein Kandidat für das Derby ist. Einmal gelaufen ist Herreshoff, wobei ihm in Dortmund der feste Boden nicht unbedingt entgegen kam. Der Boreal-Sohn wird erst einmal eine kleinere Route einschlagen.

Die komplette Stallparade lesen sie in der Sonntagsausgabe der Sport-Welt, die am Freitag erscheint!

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Galopprennen in Deutschland
Sa., 18.07.Bad Harzburg
So., 19.07.Berlin-Hoppegarten, Bad Harzburg
Do., 23.07.Bad Harzburg
Sa., 25.07.Bad Harzburg, Erbach
So., 26.07.München, Bad Harzburg
Fr., 31.07.Zweibrücken
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Mi., 15.07.La Teste, Clairefontaine
Do., 16.07.Compiegne
Fr., 17.07.Lion d’Angers, Dax
Sa., 18.07.Dieppe
So., 19.07.Chantilly, Vittel
Mo., 20.07.Vichy