INTERVIEW ECKHARD SAUREN

INTERVIEW ECKHARD SAUREN

‚Das ist ein wirklich guter erster Schritt‘

GaloppOnline.de: Herr Sauren, Sie sind seit dem letzten Jahr im Direktorium aktiv. Welche Positionen bekleiden Sie aktuell im Galopp-Rennsport?

Eckhard Sauren: Ich bin im Vorstand von Besitzervereinigung und Direktorium, wo ich die Marketingkommission leite sowie der Wettenkommission und dem Anlageausschuß angehöre. Ich arbeite in der Verhandlungskommission zur Strukturreform mit und bin Beirat der neuen KG.

GaloppOnline.de: Wer sitzt mit Ihnen in der Marketingkommission, die seit einigen Monaten wieder installiert wurde?

Eckhard Sauren: Diesem Arbeitskreis gehören außer mir Engelbert Halm, Ferdinand Alexander Leisten und Bettina Jansen an. Unmittelbar eingebunden sind auch Herr Woeste und Herr Ostermann als Präsident bzw. Vizepräsident des Direktoriums sowie Niko Lafrentz als zuständiger Beirat der neuen KG.

GaloppOnline.de: Sie sind Fondsmanager von Beruf. Welche Rolle haben Sie bei der Platzierung von Kommanditanteilen der DG Deutscher Galopprennsport Beteiligungsgesellschaft gespielt?

Eckhard Sauren: In der Verhandlungskommission habe ich das Projekt begleitet und meine Kenntnisse dabei einfließen lassen. Die in Frage kommenden Personen in meinem Umfeld habe ich über das Projekt informiert und mich selber in namhaftem Umfang finanziell beteiligt.

GaloppOnline.de: Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Eckhard Sauren: Ja. Jetzt schon eine 40prozentige Beteiligung am Marktführer im Internet-Wettmarkt mit Option über weitere 11 Prozent zu haben, ist ein wirklich guter erster Schritt. Er wird mittel- und langfristig beträchtliche Synergieeffekte ermöglichen.

GaloppOnline.de: Mit den eingenommenen Geldern soll neben der Beteiligung an Racebets.com vor allem „German Racing“ geschaffen werden. Was ist das überhaupt?

Eckhard Sauren: „German Racing“ ist eine Marke: die Marke, die den deutschen Galopp-Rennsport in seiner Außendarstellung durch ein bundesweit einheitliches Erscheinungsbild verbindet. Dadurch soll sie ein starkes Profil und eine effektive zentrale Vermarktung der Veranstaltungen und des Wettenbereiches ermöglichen. An der rechtlichen und tatsächlichen Stellung des Direktoriums ändert sich hierdurch nichts. Das Direktorium bleibt genau so bestehen wie alles andere und betreibt weiter die Kommunikation nach innen, z. B. zu den Aktiven.

GaloppOnline.de: Seit März hat sich einiges an der Optik geändert. Was konkret ist neu und welche Änderungen sind noch geplant?

Eckhard Sauren: Was bisher zu sehen war, sind zunächst in den verschiedenen Städten neue Veranstaltungsplakate der Rennvereine in einheitlicher optischer Gestaltung. Dazu kommen einheitlich gestaltete Rennprogramme und großteils ebensolche Eintrittskarten, alles mit der Text- und Bildmarke von German Racing. In Bremen hing auch schon die neue Tafel auf der Startmaschine. Es wird noch viel auf diesem Gebiet dazu kommen an den nächsten Renntagen, zum Beispiel Banden, Fahnen und erste Merchandising-Artikel.

GaloppOnline.de: Ist die Priorität solcher Dinge denn so hoch?

Eckhard Sauren: Die Durchsetzung der neuen Marke „German Racing“ ist natürlich kein Selbstzweck und soll absolut nicht die Sache selbst, also den Fortschritt der Strukturreform, ersetzen. Aber sie soll ihn mit aller Kraft und in allgegenwärtiger Weise sichtbar machen und damit spürbar unterstützen.

GaloppOnline.de: In Bremen wurde die BGG-Marke German Tote durch die DVR-Marke German Racing ersetzt. Ist es nicht zum Nachteile, wenn die Präsenz von umsatzrelevanten Marken reduziert wird?

Eckhard Sauren: German Tote wird auch künftig als Partner von German Racing eine wichtige Rolle spielen. Dem Bremer Rennverein sind wir dankbar dafür, daß German Racing in der Aufbauphase auf der Startmaschine publikumswirksam präsentiert wird.

GaloppOnline.de: Welche Effekte erhoffen Sie sich davon und wie geht es weiter?

Eckhard Sauren: Ein gewaltiger Teil des Zeitgeschehens basiert auf Psychologie und Vertrauen. Auch im Galopprennsport liegt ein immenser Teil der bisherigen Probleme im psychologischen Bereich begründet: im negativen Denken, im Zerreden, in Bitternis, Skepsis und dem Glauben an nichts. Es wird deshalb keine Entwicklung zum Besseren geben ohne eine Veränderung im Denken und Empfinden der Rennsport-Öffentlichkeit, aller Beteiligter. Insofern sind selbst Fahnen ein sinnvoller Mosaikstein der Gesamt-Kampagne. Von größerer Bedeutung wird aber die grundlegende Umgestaltung der Internetseiten www.german-racing.com zum 11. April sein, der Ausbau des bereits gestarteten Presse-Portals im Internet und auch die Überarbeitung von www.galopp-sport.de. Die Rolle des Internets bis hin zu Aktivitäten in Facebook (wo nach kürzester Zeit schon 500 „Freunde“ registriert sind) wird weiter konsequent ausgebaut.

GaloppOnline.de: Denken Sie, daß diese Maßnahmen ausreichen?

Eckhard Sauren: Allein würden sie gewiß nicht ausreichen, aber sie werden stark unterstützen und sind meines Erachtens unverzichtbar. Viel bedeutender ist aber noch anderes: Zum einen ist es der große Schritt der Beteiligung an einem so guten, expansiven und profitablen Unternehmen wie RaceBets.com, mit dem aufmerksame Beobachter des Geschehens Kompetenz und Erfolg verbinden. Zum anderen ist da die Person Albrecht Woeste als seit einem Jahr amtierender Präsident des Direktoriums. Er überzeugt die Menschen durch seine glaubwürdige, ungeschönte Art, Mut, Entschlossenheit und Rennsportpassion. Seine Erfahrung sowie die großen Leistungen und Erfolge in seiner Vita vermitteln Vertrauen.

GaloppOnline.de: Wozu wurde die neue Marke gebraucht?

Eckhard Sauren: Diese Marke bündelt die Kräfte des Rennsports und schafft die Möglichkeit, den Bekanntheitsgrad zu steigern. Darüber hinaus bestand der Wunsch nach einem wirklich starken Signal für den Beginn einer neuen Ära. Auch dafür steht German Racing. Erfolgreiche Marken schaffen eine Erwartungshaltung an sie. Insbesondere über gewisse Werte und Inhalte.

GaloppOnline.de: Welche markencharakteristischen Inhalte stehen bei dem jetzt umgesetzten Konzept im Vordergrund?

Eckhard Sauren: Die Marke ist jung und dynamisch. Sie wirkt seriös und vertrauensbildend, ist national und international verständlich. Sie wird zu einer starken Dachmarke ausgebaut werden, die den deutschen Galopp-Rennsport in seiner Breite repräsentiert.

GaloppOnline.de: Warum wird das Ganze als „Dachmarkenkonzept“ bezeichnet? Von welchem Dach ist die Rede?

Eckhard Sauren: German Racing ist das Dach, unter dem alle am Rennsport beteiligten Gruppen stehen, besonders wichtig hierbei sind die Rennvereine als Veranstalter. Der Markengedanke im Rennsport ist überhaupt nicht neu. Interessanterweise war es der hocherfolgreiche Unternehmer Walther Jacobs als damaliger Vorsitzender der DVR-Werbekommission, der dieselbe Idee in den siebziger Jahren vorantrieb. Die sehr guten Erfolge, zu denen dies führte, bröckelten später auseinander, vor allem deshalb, weil die Rennvereine den Werbefonds des Direktoriums, der jahrzehntelang mit 0,5 Prozent Abgabe vom Wettumsatz gespeist worden war, schrittweise auflösten und in Werbung und Öffentlichkeitsarbeit lokale Alleingänge bevorzugten.

Dadurch kamen die Aktivitäten zum großen Teil auch zum Erliegen. Wie damals Herr Jacobs und seine Mitstreiter müssen wir voll auf die Kraft einer stärkeren Marke setzen, auf Erhöhung des Bekanntheitsgrades durch Einheitlichkeit und auch auf den professionellen, entschlossenen, glaubwürdigen Eindruck, der so entsteht. Dachmarke bedeutet zum einen, daß die Rennvereine in ihrer Außendarstellung grundsätzlich zusammen mit German Racing auftreten, ihre Zugehörigkeit signalisieren. Zum anderen kann es dazu kommen, daß unter dem Dach künftig auch davon abgeleitete Marken stehen, wie zum Beispiel unser Satelliten- und Internetstream-Programm „German Racing TV“, Rennserien, Wettprodukte u.a. Wir stehen erst am Anfang, aber der sieht schon recht positiv aus.

GaloppOnline.de: Das hört sich stringent an. Nur die Rennvereine sind bisher noch alle eigenständig. Wie können Sie die Rennvereine gewinnen, sich dem CI anzuschließen? Machen alle Rennvereine mit? Profitieren die Rennvereine davon?

Eckhard Sauren: Von einer starken Dachmarke profitieren alle. Deshalb haben sich die Rennvereine bereits jetzt in großer Breite der Marke angeschlossen. Sie wird in den nächsten Monaten sehr an Stärke gewinnen. Mit den zwei bis drei Veranstaltern, die ihre Beteiligung bisher noch nicht voll zugesagt haben, sind wir in konstruktiven Gesprächen.

GaloppOnline.de: Wer hat die Idee umgesetzt, wie wurde das CI geschaffen und gibt es eine Art CI-Book?

Eckhard Sauren: Diese Marketing-Kommission hat diverse Werbeagenturen zu einem umfangreichen „Pitch“ eingeladen. Es wurden Vorgaben für die neue Text- und Bildmarke definiert. Umgesetzt hat diese letztlich die Agentur Partnerpool. Es gibt klare Gestaltungsrichtlinien für alle Beteiligten.

GaloppOnline.de: Wie hoch ist das Budget, welches für die Schaffung und Durchsetzung dieser Dachmarke vorgesehen ist?

Eckhard Sauren: Es ist von Vorteil, daß bei den einzelnen Rennvereinen kein zusätzlicher Gestaltungsaufwand anfällt, da ein umfassendes und allgemeingültiges CD-Manual mit den Gestaltungsrichtlinien allen Beteiligten zur Verfügung gestellt wurde. Damit wird effizient ein einheitlicher Markenauftritt deutschlandweit erfolgen. Es ist zunächst ein Marketing- und PR-Budget von 100.000 Euro dafür und für flankierende Maßnahmen sowie für die Internet-Aktivitäten verabschiedet worden.

GaloppOnline.de: Wie hoch schätzen Sie die Rolle von „German Racing“ beim Erfolg der letzten Renntage ein?

Eckhard Sauren: Man sollte den Tag auf keinen Fall vor dem Abend loben. Die guten Renntage trotz teilweise kleiner Starterfelder kamen durch ein Mix positiver Faktoren zustande: schönes Wetter sowie durch den langen Winter und die geringe Veranstaltungszahl aufgestauter Appetit auf die grüne Saison, in Hoppegarten kam die gute Aufbauarbeit von Gerhard Schöningh und der Overdose-Hype dazu.

Aber es ist keine Frage, daß „German Racing“ bereits jetzt zu Aufbruchstimmung und mehr Wir-Gefühl geführt hat. Es ist jetzt sehr wichtig, daß diese Eindrücke bestätigt werden. Ich bin hier den Rennvereinen sehr dankbar dafür, daß sie so zeitnah und konsequent an der Durchsetzung der einheitlichen neuen Marke mitwirken. Die Solidarität der Rennvereinspräsidenten auf der letzten BGG-Sitzung war beeindruckend und erfreulich.

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