Man mag es kaum glauben, aber die Fußball-WM in Deutschland liegt schon wieder über ein Jahr zurück. Als unsere Kicker und ihre Gegner um Ruhm und Ehre kämpften, verblasste alles andere. Der Terminkalender im Turf wurde völlig umgestellt.
Der Deutschlandpreis – Preis der Freunde und Förderer des Düsseldorfer Reiter- und Rennvereins in Düsseldorf, sonst immer Ende Juli ausgetragen, wanderte plötzlich sogar vor die Derby-Woche. Doch nun ist wieder alles beim alten.
Am Sonntag steigt das mit 155.000 Euro dotierte Gruppe I-Rennen wieder auf dem Grafenberg, ist drei Wochen nach dem Blauen Band wieder das erste ganz große Kräftemessen der dreijährigen und älteren Grand Prix-Pferde über 2400 Meter hierzulande.
Und die Besetzung, die das Event diesmal erfährt, kann mit dem vergangenen Jahr, als der Ittlinger Donaldson gegen den späteren Derbysieger Schiaparelli Start-Ziel vorne blieb, mehr als Schritt halten. Leider wurde am Donnerstag bei der Starterangabe der Godolphin-Vertreter Laverock noch gestrichen, so dass es sich bei den sechs Teilnehmern ausschließlich um deutsche Pferde handelt.
Vielleicht kann jener Schiaparelli diesmal sogar hier noch einen Platz weiter vorne landen als 2006. Nach einem kurzen Formtief hat der Hengst des Stalles Blankenese schnell wieder Anschluss an seine Bestform gefunden. Eine offensivere Reitweise scheint der Schlüssel zum Erfolg zu sein.
Im Idee-Hansa-Preis in Hamburg duldete Jockey Andrasch Starke unterwegs nur den Schlenderhaner Arcadio vor sich, um im Einlauf schnell einen Gang höher zu schalten und den Samum-Bruder wieder auf die Siegerstraße zu bringen. „Schiaparelli hat sich wieder richtig gefunden, ist sehr gut auf dem Posten“, gibt sich Trainer Peter Schiergen zuversichtlich.
In einem starken Aufgebot könnte aber auch Gestüt Auenquelles Oriental Tiger einer der Top-Anwärter sein. Man darf nicht übersehen, dass der Hengst, der sich im Vorjahr in der Grand Prix-Klasse bereits etablierte und dabei noch regelrecht vom Pech verfolgt war, bei seinem dritten Rang in Horn zu Schiaparelli seinen ersten Saisonstart absolvierte und dichtauf endete. Nun ist er wieder seinem regulären Jockey Andreas Boschert anvertraut, der seit seinem Sturz am Tag des Mehl-Mülhens-Rennens am 6. Mai in Köln wegen einer Handverletzung pausieren musste.
Deutlich gesteigert sein könnte der Röttgener Dickens gegenüber seinem späten Saisoneinstand, als er im Gran Premio di Milano Vierter wurde. Nach den guten Erfahrungen vom vergangenen Sonntag mit Aspectus wird der Schwede Fredrik Johansson erneut eingeflogen.
Nach Klasse braucht Stall Reckendorfs Egerton (Torsten Mundry) keinen Gegner zu fürchten. Das beweist nicht zuletzt der Ehrenplatz zu Prince Flori im Großen Mercedes Benz-Preis in Baden-Baden, als er auch vor Schiaparelli einkam. Allerdings sind die nun geforderten 2400 Meter schon die Grenze des Stehvermögens bei dem Schützling von Peter Rau.
Das Salz in der Suppe dieser Prüfung sind sicherlich die beiden Vertreter des Derby-Jahrgangs. Kuriosum: Beide wurden kurzfristig aus dem Blauen Band gestrichen, bliebem dem wichtigsten Rennen des Jahres wegen der Bodenverhältnisse fern. Vor allem der Fährhofer Conillon zählte damals zum engsten Favoritenkreis, nachdem er in der Union als Dritter dichtauf endete (diese Leistung wurde inzwischen enorm aufgewertet).
Da Stalljockey Eduardo Pedroza das geforderte Gewicht von 53,5 Kilo (das sind 6,5 Kilo weniger als die älteren Pferde) nicht bringen kann, engagierte der Coach mit Ted Durcan einen internationalen Top-Jockey.
Ebenfalls auf Hamburg verzichtete der Ittlinger First Stream (Andreas Suborics), der als speedstarker Dritter im German Tote – Bavarian Classic sehr gefiel und an der längeren Strecke Gefallen finden dürfte. „Er präsentiert sich im Training von blendender Seite“, ist Mario Hofer voll des Lobs. „Wir haben keine Angst vor dieser Aufgabe.“
Im Rahmenprogramm war für den Düsseldorfer Reiter- und Rennverein ein harter Kampf um Starter angesagt. Neun Rennen sind es letztlich geworden, da man die Zweijährigen-prüfung (vier Kandidaten) nicht ausfallen lassen wollte. In der Wettchance des Tages (achtes Rennen) lockt in der Viererwette eine garantierte Auszahlung in Höhe von 10.000 Euro.










