„Wir sind Papst“, das war, auch wenn es vielen aus der Seele sprach, seinerzeit gewiss eine Übertreibung. Deshalb soll auch nicht annähernd die Behauptung aufgestellt werden, der deutsche Galopprennsport habe einen Oscar bekommen.
Nachdem uns etliche Male die Frage danach gestellt worden ist, mag den einen oder anderen aber die Information interessieren, ob der jüngste Oscar-Gewinner Florian Henckel von Donnersmarck („Das Leben der Anderen“) in einem Verwandtschaftsverhältnis zur historisch berühmten Vollblutfamilie Henckel steht. Das ist in der Tat der Fall.
Carl Hugo Lazarus Graf Henckel, Freiherr von Donnersmarck, Herr zu Gefäll und Wesendorf, geboren 1811 in Schlesien, war jahrzehntelang einer der wichtigsten Akteure in der Gründerphase der deutschen Vollblutpferdezucht. Seine Söhne Hugo, Lazarus und Arthur setzten sein Werk fort. Die Familie gründete mehrere Gestüte in Schlesien, gewann alle großen Rennen, darunter das Derby, mehrfach und gab dem klassischen Henckel-Rennen (heute: Mehl-Mülhens-Rennen) seinen Namen.
Florian Henckel von Donnersmarck, Jahrgang 1973, ist ein Großneffe des 1991 verstorbenen langjährigen Union-Klub-Präsidenten Lazarus Graf Henckel von Donnersmarck. Der Star-Regisseur ist auch ein Großcousin der in 69 Rennen erfolgreichen Amateurrennreiterin Christine Gräfin Kageneck. Er selber scheint zum Pferdesport keine wesentliche Beziehung zu haben, ist mit einer Körpergröße von 2,05 Meter zumindest als Aktiver dafür auch nicht prädestiniert.
Die Frankfurterin Christine Gräfin Kageneck war von 1975 bis 2001 aktive Amateurrennreiterin und bis 2006 passionierte Besitzerin von Rennpferden. Viele ihrer Erfolge im Rennsattel gelangen ihr auf der Heimatbahn in Frankfurt Niederrad.
Über Jahrzehnte war sie bei der Morgenarbeit aktiv tätig und ritt ihre Pferde dabei teilweise selbst aus. Christine Gräfin Kageneck ließ ihre Pferde bei Kurt Schiemann, Willi Kalanke, Hans-Georg Thalau und Daniela Thomas, später Breuer vorbereiten. Ihr letztes Startpferd war der Wallach Spanisch Dancer.
Übrigens: Nur dreimal erhielt ein deutscher Film einen Oscar. Einer davon war 1980 „Die Blechtrommel“, produziert von Franz Seitz, dem Ehemann der passionierten Münchener Amateurreiterin und Vollblutzüchterin Anneliese Seitz. Der dritte Oscar (Caroline Link 2003 für ‚Nirgendwo in Afrika‘) scheint sich einer Vereinnahmung durch den Galopprennsport zu entziehen. Vorerst.











