Silverio und Schlotthauer gehen im Winter ins Ausland

Der eine hat in der Vorwoche sein erstes Rennen in Macau gewonnen, der an­dere hat bereits einen kurzen erfolgreichen Japan-Aufenthalt hinter sich und der dritte wird für die nächsten Wochen in Hong Kong in den Sattel steigen. Filip Minarik, An­d­reas Suborics und Andrasch Starke ha­ben den asiatischen Raum zum Geldverdienen ausgewählt.

Das Asien-Trio umfasst aber nicht die einzigen, in Deutschland tätigen Jockeys, die wäh­rend der kalten Jahreszeit und infolge ausgefallener Renntage spür­bar gesunkener Startmöglichkeiten anderswo ihre Chancen suchen wollen.

So wird der nach einem Intermezzo beim Mülheimer Trainer Werner Baltro­mei zu seinem früheren Arbeitgeber Norbert Sauer zurückgekehrte Jose Luis Silverio am 3. Januar den Flug nach Spanien antreten, wo er beim in Madrid ansässigen Trainer Jose Luis de Salas, dem führenden Mann der Branche, für drei Monate arbeiten wird.

„Ich kenne Jose Luis Borrego, einen spanischen Spitzenjockey, sehr gut, habe mich bei ihm nach einer Möglichkeit während der Winterzeit erkundigt, worauf dieser mir den Tip gab, bei Senor Salas nach­zu­fragen“, erklärte Silverio. Anfang November sah dieser sich für drei Tage in der neuen Umgebung um, war von den Gegebenheiten beeindruckt und gab daraufhin seine Zusage für die Zeit vom Januar bis Ende März.

Die Chan­cen auf Ritte stehen nicht schlecht, kann Silverio doch leichte Gewichte reiten und derartige Jockeys sind nicht allzu viele vorhanden. „Die Madrider Renn­bahn, die über eine Gras- und eine Sandbahn verfügt, ist ein Juwel, kann mit den großen Bahnen hierzulande auf jeden Fall mithalten“, fasste er seine Eindrücke vom Hipodromo de la Zarzuela zusammen.

Dort wird er morgens ausreiten, hofft dann aber auch auf Ritte in Dos Hermanos/Andalusien oder später ab Ende Februar in Mijas/Costa del Sol. Er wird dann einige Pferde wie­dertreffen, die ihm von den deutschen Bahnen bestens bekannt sind. Der frühere Ittlinger und kürzlich erfolgreiche Pro Ken ist so einer, aber auch der einst von Mario Hofer zu etlichen Siegen geführte Lourival, der nach seinem Sieg in einem Verkaufs­ren­nen in Maisons-Laffitte in spanischen Besitz überge­gangen ist, zählt mitt­ler­weile zu den Startern in Spanien.

Am letzten Gras­bahn-Renntag auf dem Hipodromo Zarzuela in Madrid wurde gerade jener Lourival groß gefeiert, hatte er doch für eine Besitzergemeinschaft mit dem über 3000 Meter führen­den Premio Gladiateur das längste Flachrennen der iberischen Halbinsel zu seinen Gunsten entschieden. Der sechsjährige Funam­bule-Sohn, der sämtliche sieben Siege für den Stall White Star erzielte, war im Übrigen der erste Star­ter für Neutrainer Guilleromo Arrizcorreta, längjäh­ri­ger­ Amateurrennreiter, u. a. auch in Fegentri-Rennen und vor sechs Jahren auch zweimal in derartigen Aufgaben in Deutschland im Sattel.

Neben Louri­val fanden sich im Programm für den Madrider Abschlusstag noch die Namen der deutsch gezogenen Kronsbeere, Königin Speed und Riverside. Frischer Sieger ist der aus der Norman-Zucht stammende vierjährige Watzmann, der einst im Stall von Werner Baltromei stand und am 4. Dezember auf der Anlage Dos Hermanos ein mit 6.000 Euro dotiertes und über die Meile führendes Ama­teurrennen gewann.

Der spanische Rennsport, der mit Miguel Blancpain und vor allem Ioritz Mendizabal, dem Champion von 2004, zwei mit großem Erfolg in Frankreich reitende Jockeys herausgebracht hat, wird am 25. März 2007 wieder nach Madrid zurückkehren.

Silverios Kollege Andreas Schlotthauer muss in den ersten drei Monaten des neuen Jahres auf seinen langjährigen Kumpel verzichten. Allerdings nicht in Deutschland, sondern in Griechenland. Dorthin wird es den 28-jährigen Nach­wuchsmann, der hierzulande noch Erlaubnis genießt, verschlagen.

Anders als sein Freund aus der Dominikanischen Republik hatte der aus Russland stam­mende Schlotthauer in Griechenland keinen Ansprechpartner aus der Renn­sport-Szene. Allerdings gibt es dort ansässige Verwandtschaft, bei der er be­züglich einer möglichen Tätigkeit nachgefragt hatte.

Die verwies ihn an den zuständigen Jockey Club of Greece, der ihm eine Zusage machte und ihn bei Ankunft auch einem Trainer zuteilen wird. Am 2. Januar 2007 beginnt das Aben­teuer Griechenland für Andreas Schlotthauser, der sich angesichts mög­licher sprach­licher Probleme keine Sorgen macht. „Da arbeiten so viele Leute aus meiner Heimat, die werden mir schon weiter helfen“, ist er sicher.

Vor zwei Monaten kam ihm die Idee mit dem Auslandsaufenthalt. „Eigentlich woll­te ich schon vor dem Januar Deutschland verlassen, doch angesichts der Sand­bahn-Saison und einiger chancenreicher Ritte habe ich den Termin zur Abrei­se erst einmal nach hinten verschoben. Wenn ich ein derartiges Wagnis nicht in mei­nem Alter wage, wann dann?“, meint der Jockey, den mit der Athener Renn­bahn Mar­ko­poulou eine ganz neue Anlage erwartet.

Sie stellt den Ersatz für Fa­liro, die langjährige und direkt am Meer gelegene Rennbahn in Athen dar, die den Umbauarbeiten im Rahmen der Olympiade von 2004 zum Opfer gefal­len war, worauf man sich zum Bau von Markopoulou entschloss, die 2003 ihre Tore öffnete, und auf dem Gelände der olympischen Reiterspiele liegt. Dreimal pro Woche werden dort Rennen auf der Sandbahn/Rechtskurs durch­ge­führt. Der Joc­key Club of Greece hat die Kontrolle über den Rennsport, wäh­rend der Renn­be­trieb in den Händen einer Organisation namens Odie, ei­ner staatlichen Stel­le, liegt.

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