Horn: Gutachten zur neuen Bahn und BMW-Verl?ngerung

Die Nachricht hatte sich der Hamburger Renn-Club (HRC) für den Nikolaustag aufbewahrt und im Vorfeld des Sponsorenabends in der örtlichen Spielbank bekannt gegeben: Die Zusammenarbeit mit den Bayerischen Motoren-Werken (BMW) geht in ein weiteres Jahr auch 2007 wird das Münchener Unternehmen Hauptsponsor der Derby-Woche sein und dem wichtigsten Rennen des Jahres seinen Namen geben.

Ein entsprechender Kontrakt ist von den Beteiligten unterzeichnet worden, dem Vernehmen nach gibt es sogar mehr Geld, schließlich wurde das anstehende Derby in der Dotierung angehoben, von 400 000 auf 500 000 Euro. BMW ist seit 1991 der Sponsor des Derbys. Eine Formalie war die Unterschrift der Konzern-Oberen sicher nicht, doch hat man wohl schon frühzeitig Interesse an einer Fortsetzung der Sponsorship signalisiert.

Es war am Abend des 6. Dezember fast eine Premiere, denn der HRC und seine Gäste eröffneten die Lounge in der nagelneuen Hamburger Spielbank, die erst wenige Tage zuvor unter dem Namen „Casino Esplanade“ am Stephansplatz ihre Pforten geöffnet hatte, vom bisherigen Standort im Hotel Inter-Conti dorthin gezogen war. Selbstverständlich wird die Spielbank auch im kommenden Jahr wieder als Sponsor in Horn antreten.

Gesprächsthema Nummer eins war allerdings das vom Senat in Auftrag gegebene Gutachten zur Zukunft des Rennsports in Hamburg. Das „Abendblatt“ hatte in seiner Ausgabe vom 4. Dezember aus dem bislang nicht veröffentlichten Papier zitiert, das vom Entwicklungs- und Immobilienunternehmen Ernst & Young erstellt wurde. 100 000 Euro soll das Gutachten gekostet haben, daran beteiligt waren nach unseren Informationen der Warendorfer Architekt und Rennbahnplaner Ferdinand Leve und Dr. Frank Joyeux, ehemaliger Generalsekretär des Internationalen Clubs in Baden-Baden.

„Wir waren an dieser Studie nicht beteiligt, sie ist auch noch nicht veröffentlicht“, so HRC-Präsident Eugen-Andreas Wahler, „deshalb können und wollen wir dazu nichts sagen.“ Nach „Abendblatt“-Informationen kommt das Gutachte zu dem Schluss, dass eine angedachte neue Doppelrennbahn (Trab und Galopp) auf der „grünen Wiese“, etwa in den Ortsteilen Wilhelmsburg oder Georgswerder, nicht realistisch ist.

Favorisiert wird ehe eine Komplettrenovierung der Rennbahn in Horn, wo eine kombinierte Trab- und Galopprennbahn entstehen soll. Voraussetzung ist allerdings ein Verkauf des Geländes, auf dem die Trabrennbahn in Bahrenfeld steht.

Mitentscheidend für eine „Horner Lösung“ könnte auch der Kostenfaktor sein. Eine völlig neue Rennbahn würde mit rund 100 Millionen Euro veranschlagt, in Horn würden rund 25 Millionen Euro für die Baumassnahmen reichen. Die Studie kommt sogar zu dem Schluss, dass die Renovierungsarbeiten innerhalb eines Jahres durchgeführt werden könnten, das Derby-Meeting müsse also nicht einmal verlegt werden. Nach der Rennwoche 2008 könne der erste Spatenstich erfolgen. Bereits im Januar könne der Senat über die Sache entscheiden.

Ob denn nun wirklich bereits zu Beginn des Jahres 2007 weitgehende Pläne auf den Weg gebracht werden können, ist fraglich. Denn auch die jeweiligen Bezirksversammlungen haben ein Wort mitzureden. Die zuständigen Politiker in Hamburg-Altona haben bereits signalisiert, dass ein Verkauf des Areals in Bahrenfeld als Bauland nicht in Betracht kommt. Die dortige Koalition aus CDU und Grünen hatte vor einiger Zeit beschlossen, Bahrenfeld als Sportpark zu erhalten.

Doch wird ohne ein Zusammengehen von Galoppern und Trabern der Pferderennsport in Hamburg kaum überlebensfähig sein. Der Senat hat mehrfach signalisiert, dass entsprechende finanzielle Unterstützung und das politische Wohlwollen nur mit einer entsprechenden Zusammenarbeit möglich ist. Folgerichtig war Traber-Boss Jürgen Hunke auch Gast in der Spielbank.

Inwieweit Bahrenfeld überhaupt überlebensfähig ist, steht auf einem anderen Blatt. Für 2006 wird mit einem Minus von 700 000 Euro gerechnet, ohne Hunkes private Zuwendungen wäre die Bahn wohl schon lange geschlossen worden. Inzwischen wird um Basis-Rennpreise von nur noch 800 Euro pro Rennen getrabt, die Zahl der Veranstaltungen soll trotzdem 2007 von 80 auf 100 hochgefahren werden.

Unberührt von diesen Plänen soll die BMW Derby-Woche 2007 wieder mit sieben Renntagen durchgeführt werden. Erneut wird es Trabrennen geben, ansonsten wird sich das sportliche Programm unverändert präsentieren.

In der bisherigen Form endgültig gestorben ist der Derby-Club, der sich in der Vergangenheit als hoch defizitär erwies und durch einen deutlich exklusiveren Jockey-Club abgelöst werden soll. Im Bereich zwischen Führring und Geläuf will de Holsten-Brauerei einen Biergarten errichten.

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