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"Würde mir gerne in Deutschland eine Existenz aufbauen"

Seit einigen Wochen arbeitet der gebürtige Brasilianer Renato Souza nun für Bohumil Nedorostek in Hannover. Der 39-Jährige konnte bislang über 600 Siege feiern und bestritt bereits Rennen in Brasilien, Argentinien, Singapur, England und nun auch in Deutschland. Darunter waren bislang viele Erfolge in Grupperennen, sogar fünf Siege in Gruppe I-Rennen in Brasilien. Im Gespräch berichtet der erfahrene Reiter, mit welchen Hoffnungen er nach Deutschland kam, wieso er den Rennsport so sehr liebt und welche Pferde es ihm in Hannover besonders angetan haben.

„Als ich 17 Jahre alt war, habe ich in Brasilien die Jockeyschule absolviert, um ein professioneller Jockey zu werden. In Südamerika dauert diese Ausbildung drei Jahre. Ich schloss sie 2001 erfolgreich ab. Nach einigen Jahren in Brasilien, in denen ich auch viel gereist bin, war ich ab 2006 auch in Argentinien als Reiter aktiv. 2009 bekam ich dann die Möglichkeit, nach England zu gehen. Die erste Zeit ritt ich die Pferde im Training bei Ralph Beckett, aber weil ich auch mehr Rennen reiten wollte, nahm ich andere Angebote von anderen Trainern an, die mich in dieser Hinsicht unterstützen wollten. Ich war unter anderem bei Dean Ivory, Sylvester Kirk, Charlie Hills und José Santos. Eigentlich wollte ich ein Jobangebot aus Neuseeland annehmen, aber ich konnte mir dann doch nicht vorstellen, so weit entfernt von meiner Familie zu sein, die immer noch in England lebt. Die Entfernung zu meiner Frau und meinen beiden Kindern war mir dann doch zu groß, auch weil wir ein Haus in England besitzen.“

Der Vater war Trainer

Renato Souza stammt nämlich aus einer richtigen Rennsportfamilie. Sein Vater war vor seinem Ruhestand bereits 25 Jahre als erfolgreicher Trainer in Brasilien aktiv, ebenso sein Bruder, der in seinem Heimatland vor allem Kurzstreckenpferde trainiert. Der Brasilianer hat zwei Söhne (9 und 16 Jahre alt) und sein älterer Sohn absolvierte bereits die Jockeyschule im englischen Newmarket. Auch er träumt davon, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und in den Rennsattel zu steigen. Nach fast 12 Jahren in England empfahl ihm sein Freund Carlos Henrique das hannoversche Quartier des ehemaligen Hindernisreiters Bohumil Nedorostek. Der gebürtige Tscheche hat momentan 34 Pferde im Training. In der letzten Saison konnte er 23 Siege mit 26 Starter feiern. Auf der Trainingsliste befinden sich unter anderem Accon, der Derbydritte des letzten Jahres, der mittlerweile auf ein GAG von 96 kg kommt, und die im Besitz von Darius Racing stehende Apadanah. Die Stute wurde Vierte in den italienischen Oaks und ist bereits listenplatziert.

„Existenz aufbauen“

„Ich würde mir gerne in Deutschland eine Existenz aufbauen. Ich habe mit Bohumil Nedorostek die Vereinbarung getroffen, zuerst einmal für sechs Monate zu bleiben und zu sehen, wie es passt. Vor zwei Wochen durfte ich bereits in Dortmund in den Sattel steigen. Auch wenn ich noch nicht gleich erfolgreich war, hat es mir dort sehr gut gefallen. Ich mag die Bahn und könnte mir gut vorstellen, hier zu bleiben. Ich würde gerne auch Ritte von anderen Trainern annehmen und hoffe da ich 54 Kilo reiten kann, das ein oder andere Angebot zu bekommen. Im Stall von Bohumil Nedorostek gefallen mir besonders die beiden vierjährigen Accon und Apadanah, aber auch Dictator scheint ein Klassepferd zu sein. Die Frage, warum ich im Rennsport arbeite, ist für mich sehr leicht zu beantworten, denn meine ganze Familie hat schon immer mit Pferden gearbeitet. Auch gerade deshalb könnte ich mir keinen anderen Job vorstellen. Ich liebe Pferderennen und vor allem das Rennreiten. Pferde sind mein Leben. Ich wüsste gar nicht, was ich anderes machen sollte, als mit Pferden zu arbeiten.“

(12.02.2020)