Top-Story

Schon fast Tradition

Es ist fast schon gute Tradition, dass am vorletzten Renntag des Frühjahrs-Meetings in Iffezheim der Verband Deutscher Amateur-Rennreiter e.V. in den Räumen des Members‘ Club auf der Iffezheimer Rennbahn tagt, um genau zu sein zum dritten Mal. Gleich zu Beginn der Veranstaltung wurde den Verstorbenen von 2014, Johann Matthias Freiherr von der Recke und Hans-Heinrich Jörgensen gedacht. Johann Matthias Freiherr von der Recke verstarb nur zwei Tage nach seinem 81. Geburtstag nach langer, schwerer Krankheit.

Er war nicht nur ein erfolgreicher Rechtsanwalt, sondern auch Amateur-Rennreiter mit insgesamt 28 Siegen bei nur 172 Ritten und das vornehmlich über Hindernisse, denen seine große Liebe galt. Sein Herz gehörte nicht nur dem Rennreiten, sondern auch der Military. Von 1984 bis 2003 fungierte er zudem als Präsident des Verbandes Deutscher Amateur-Rennreiter, war damit der Vorgänger von Werner Schmeer und wurde später zum Ehrenpräsidenten gewählt. Neben seinem Posten als Justitiar des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen war er auch noch von 2001 bis 2003 Präsident der Fegentri.

Mit 80 Jahren verstarb Besitzertrainer Hans-Heinrich Jörgensen aus Großen­kneten, der lange Jahre auch als Funktionär eine feste Größe im Rennsport darstellte. In seiner Karriere gelangen dem seit 1971 tätigen Trainer 122 Siege. In den Jahren 2008 und 2010 gewann er das Championat in seiner Sparte. 28 Jahre lang war er der Vorsitzende des Vereins Deutscher Besitzertrainer. Für Furore sorgte 2005 Black Out, als dieser den Preis der Dreijährigen auf Listen-Level in Düsseldorf für Jörgensen als Trainer gewann und dort seinen vierten Sieg in Folge erreichte.

Ein positives Ergebnis konnte der aktuelle Präsident Paul von Schubert bei der Rechnungslegung 2013 ziehen, denn das erwirtschaftete Plus von 16.091 Euro kann wieder für künftige­ Projekte verwendet werden. Gerade Dennis Schiergen sorgte mit seinen großen Erfolgen für das positive Ergebnis. Damit gab es für die Mitglieder des Verbandes natürlich nicht die geringsten Probleme, den Vorstand und die Geschäftsführung zu entlasten.

Zum ersten Male Championesse der Amateur-Rennreiterinnen wurde mit 24 Siegen Silke Brüggemann, dazu passte auch ein hervorragender vierter Platz bei der Fegentri-Weltmeisterschaft, nur knapp hinter Platz drei. Bei 104 Ritten war sie vierzehn Mal platziert, hinzu kamen noch zwei Siege im Rahmen der Fegentri WM, darunter auch in Norwegen und in der Türkei.

Gerade in dem skandinavischen Land wurde durch den Treffer von Silke Brügge­mann der Bann gebrochen. Die ersten Lorbeeren verdiente die Reiterin aus Warendorf im Spring- bzw. Dressursport. Inzwischen hat sie auch noch die Prüfung als Besitzertrainerin ablegen können und ist in Personalunion als Trainerin und Reiterin aktiv. Durch die Ritte für Trainer Christian von der Recke konnte die Management-Assistentin fünfzehn Siege einheimsen.

Alleine mit ihrem eigenen Rennpferd Sauber konnte sie in der abgelaufenen Saison vier Siege feiern. Platz zwei ging an die sich immer mehr in den Vordergrund schiebende Lena Maria Mattes aus Saarbrücken, die 19 Siege, die für 14 verschiedene Trainer erreichte. Mit dem überaus treuen Kronerbe gelang ihr dabei ein Doppelerfolg. Neun Punkte weniger waren es für Olga Laznovska auf dem dritten Rang. Die Championesse der vergangenen beiden Jahre stieg nicht wie so oft als sonst in den Sattel. Ein wichtiges Datum war für sie der 7. September 2013, als mit Vincita aus dem Quartier von Trainer Roland Dzubasz der 50. Sieg gelang.

57 Ritte nur, aber sieben Siege und siebzehn Platzierungen und damit Rang vier in der Wertung, das ist die Erfolgsbilanz von Selina Ehl. Der Sieg mit Hartshead Flyer bei den Duner Wattrennen in Cuxhaven bildete sicherlich den Höhepunkt im vergangenen Jahr.

Das dritte Championat in Folge und ein Jahr der Superlative erlebte Dennis Schiergen. 32 Siege bei nur 110 ausgeführten Ritten, dazu zwei Erfolge für die Fegentri im französischen Compiegne und in Doha/Qatar. Durch das neu aufgenommene Studium mit Schwerpunkt in Sportmedien und Eventmanagement konnte der Sohn von Trainer Peter Schiergen viele Termine nicht wahrnehmen, erreichte trotzdem aber in der Wertung Platz vier. Aber alles stellte Dennis Schiergen am 21.Juli 2013 in den Schatten, als er mit Stall Nizzas Nymphea in Hoppegarten den Großen Preis von Berlin und damit eine Prüfung der höchsten Gruppe-Kategorie gewann.

Noch nie zuvor und auch danach gewann ein Amateur ein Rennen auf Top-Level. Mit Amarillo gelang ihm wieder auf Gruppe-Ebene in diesem Jahr mit dem Sieg in der Silbernen Peitsche in München ein weiterer ganz großer Treffer. Die Rennbahn in Hoppegarten war auch noch ein zweites Mal für ihn ein Highlight im vergangenen Jahr, denn mit der von Christian Sprengel trainierten Ogetta gelang ihm der 100. Erfolg im Rennsattel. Der Name Schiergen steht im Championat auch auf Platz zwei. Bruder Vinzenz agierte mit 21 Siegen in seiner ersten Saison gleich sehr erfolgreich. Das Erfolgspferd par excellence war mit vier Treffern Winnipeg des verstorbenen Reinhard Johannsman.

Inzwischen avancierte Vinzenz Schiergen zu einem der begehrtesten Amateure hierzulande. Mit Mark Gier landete ein seit Jahren beständiger Reiter aus dem Saarland auf dem dritten Platz, der auch im französischen Wissembourg punkten konnte. Aus dem Saarland stammt auch Timo Degel, der Rang vier belegte. Durch sein Lehramt konnte der Assistent von Besitzertrainer Matthis Schwinn nur noch wenige Ritte ausführen.

Bereits zum dritten Mal wurde die Serie von HH Sheikha Fatima Bint Mubarak im Rahmen der Ladies World Championship IFAHR mit insgesamt zwölf Rennen in aller Herren Länder ausgetragen. 2013 sind zum ersten Mal mit Rebecca Danz und Steffi Hofer auch Profi-Reiterinnen eingeladen worden. Etabliert haben sich die Serien von Amateur-Rennen vor allem auch auf den kleineren Bahnen, wobei viele Ehrenpreise und Wertgutscheine für Sieger und Platzierte den Ehrgeiz zusätzlich anstachelten.

Bei den vier Läufen zur Wintermeisterschaft der Amateure hatte Dennis Schiergen klar die Nase vorne vor den beiden Holländern Leonie Vethaak und Dick Goossens. Weitaus spannender gestaltete sich das Bayerische Amateur-Championat, denn Claudia Pledl gewann mit nur einem Punkt Vorsprung vor Silvia Pattinson, die gleichauf mit Dennis Schiergen lag, dahinter mit nur einem weiteren Punkt zurück Andrea Schneider.

Seit vielen Jahren ist der Miro Amateur-Pokal ein fester Bestandteil im Kölner Jahresprogramm, den Lena Maria Mattes vor Silke Brüggemann und Jadey Pietrasiewicz gewann. Die Sommermeisterschaft der Amateure war mit einundzwanzig Läufen der wichtigste Aktivposten im vergangen Jahr. Oft waren diese Rennen sogar die Wettchance des Tages mit überdurchschnittlich vielen Startern. Olga Laznovska siegte hier vor Vinzenz Schiergen, Timo Degel und Lena Maria Mattes. Die Gewinnerin konnte einen Gutschein in Höhe von 6.000 Euro, die Platzierten 3.000,2.000 und 1.000 Euro in Empfang nehmen.

Der Buchmacher Albers Junior-Cup Südwest ist seit Jahren ein Sprungbrett für die ganz jungen Reiter, der ganz im Zeichen von Robin Weber stand, der sich überlegen gegen Jennifer Holzschuh und Julia Pappler durchsetzen konnte. Alle fünf Serien der Amateure werden auch in diesem Jahr wieder durchgeführt.

Zehn Auslands-Treffer gab es zu verzeichnen, wobei Raoul Dygas gleich zur erstmöglichen Gelegenheit am 1. Januar den Anfang im Oman machte. Weitere Siege gelangen durch Olga Laznovska, Berit Weber, Dennis Schiergen, Claudia Fleißner und Mark Gier in Belgien, Frankreich bzw. Qatar. Silke Brüggemann konnte erstmals für Deutschland in Norwegen und sowie in der Türkei punkten, während Michelle­ Blumenauer sogar in den Vereinigten Staaten gewann.

467 Mitglieder zählt derzeit der Verband Deutscher Amateur-Rennreiter, wobei „500 das angestrebte Ziel für dieses Jahr ist“, so Paul von Schubert, der weitere wichtige Projekte für die Zukunft vorstellte. So wird ein Amateur, der fünfzehn Mal geritten hat, automatisch zu einem Lehrgang an der Jockey-Schule eingeladen. Bei fünfzehn Siegen geht es dann sogar zu einem einwöchigen Lehrgang an die „British Racing School“. Neben der neuen Website, die in den letzten Tagen online gegangen ist, wurde über ein neues Logo diskutiert.

Es besteht die Absicht sich von dem bisherigen zu trennen. Es stellt ein Reiterdenkmal aus Karlshorst, zu Ehren der gefallenen Amateur-Rennreiter im ersten Weltkrieg, dar An einem moderneren Motiv wird gearbeitet und soll bei der nächsten Mitgliederversammlung vorgestellt werden.

Die Verleihung von Ehrenabzeichen bildete den Abschluss der sehr harmonisch verlaufenden Mitgliederversammlung, bevor es danach zum wohlverdienten Mittagessen vor dem dritten Meetingstag ging. Für die 25jährige Mitgliedschaft erhielt der aktuelle Präsident Paul von Schubert als Anwesender die silberne Ehrennadel von Susanna Santesson überreicht. Torsten Schmeer, Birgit Roesch, Claudia Seufert, Martina Fechner, Olaf Schmock und Helmut Eisler bekommen die Ehrung auf dem Postweg.

Eine ganz besondere Auszeichnung konnte Thesi von Werner entgegen nehmen. Werner Schmeer stellte den Antrag an die anwesenden Mitglieder, sie als Ehrenmitglied im Verband aufzunehmen. Die Prüfung zum Amateurrennreiter haben im Vorjahr bestanden: Anne Biessey, Helen Böhler, Martina Dehoust, Laura Giesgen, Hanna Kreisel, Rachel Mac Aogain, Julia Pappler, Sigrid Stenzel und Kay Schulz.

(11.06.2014)