Da läuft ein Rennpferd durchs Dorf

Am 11.11. war es in München mal wieder so weit. Erich Pils erschien beim letzten Rennen der Münchener Saison doch noch auf dem Siegerpodest. Der 14-fache lokale Champion ist seit dem Ende seiner langjährigen Trainerkarriere dem Rennsport weiterhin erhalten geblieben. Über die Jahre betreute der 66-jährige Daglfinger, der bekanntlich seit einigen Jahren ein Gasthaus in seiner Heimat führt, immer noch eine Handvoll Pferde als Besitzertrainer.

Heute, elf Jahre nach dem Ende seiner Karriere, ist die siebenjährige Stute Ourasi eine der letzten großen Verbindungen zum Galopprennsport, den Erich Pils vor allem in seiner Heimatstadt München über Jahrzehnte mitgeprägt hat. Gerade einmal ein Jahr nach seiner absolvierten Trainerprüfung übernahm Pils 1978 den Stall von Eduard Sechser, zwischendurch befanden sich mehr als 70 Pferde im Training. Besonders im Hindernissport folgten große Erfolge.

Doch diese Geschichte ist oft genug erzählt worden, und so soll es in dieser Story um Ourasi gehen. Schon die Mutter Ochotskaja absolvierte ihre gesamte Rennkarriere im Stall von Erich Pils. Vier Siege holte die von Gräfin von Norman gezogene Vertreterin der bekannten O-Linie des Gestüts Hachtsee. Im Alter von fünf Jahren erwarb Pils sie. Bis ins Jahr 2010 bestritt sie noch Rennen in den Farben des Besitzertrainers.

Durch das Dorf geführt

Heute führt ihr einziger Nachkomme die Geschichte weiter. „Eigentlich war es mehr eine spontane Idee, mit Ochotskaja zu züchten. Damals hatte ich mit ihr und Sadahna zwei Stuten im Hof stehen. Da dachte ich mir, ob sie nun einfach so da stehen oder eben tragend sind, das macht keinen Unterschied. Ich bin dann auf eine Anzeige gestoßen, dass Kandahar Run wieder im Gestüt Ammerland deckt. Also sind wir mit beiden Stuten hingefahren“, so Pils. Im Jahr 2011 kam Ourasi dann zur Welt. Bis heute steuert sie in schöner Regelmäßigkeit Momente bei, die dafür sorgten, dass Pils dem Rennsport auch nach dem Ende seiner Karriere als Public-Trainer erhalten geblieben ist. Dabei hatte sie sich als Zweijährige noch eine Absplitterung zugezogen.

Doch Erich Pils war immer jemand, der seinen Pferden die nötige Zeit gab. „Es ist natürlich einfacher, wenn man für sich selber trainiert. Heutzutage ist der Druck im Trainergeschäft größer, besonders im Hinblick darauf, die Pferde so früh wie möglich siegfertig herauszubringen.“ Ourasi hingegen läuft immer nur dann, wenn die Bedingungen absolut passend sind. Besonders, was ihre bevorzugten Bodenverhältnisse angeht, ähnelt sie ihrer Mutter. „Je tiefer der Boden ist, desto besser ist es für sie. Bisher hat sie 20 Starts absolviert. Wenn die Bedingungen nicht passen, dann läuft sie auch nicht.“

Ourasi dankt es ihm auf ihre Weise. Seit 2015, mit Ausnahme des darauffolgenden Jahres, konnte sie in jeder Saison genau ein Rennen gewinnen. Und eben genau für dieses Gefühl nimmt sich insbesondere Erich Pils‘ Lebensgefährtin Beate Heinrich jede Woche eine Menge Zeit. Mindestens drei Mal die Woche führt sie Ourasi vom gemeinsamen Wohnhaus durch Daglfing zur Riemer Rennbahn. „Früher konnte man mit ihr den circa zwei Kilometer langen Weg reiten, heute lässt sie sich ausschließlich führen.“ 20 Minuten dauert eine Wegstrecke bis zur Riemer Rennbahn, wo sie dann im Stall von Werner Glanz in einer freien Trainingsbox gesattelt wird. Dann geht es ab auf die Trainingsbahn, bevor es genau denselben Weg zurückgeht. In den letzten drei Jahren lief die Schimmelstute auch ihre Rennen ausschließlich auf dem Riemer Grund. Doch das könnte sich bald ändern. „Natürlich reizt es einen schon noch einmal, mit ihr zu reisen. Allerdings ist es gerade aus München recht kompliziert, die Pferde durch die Republik zu transportieren. Es gibt kaum noch Transportunternehmen, und natürlich reist niemand für ein Pferd nach München an. Das ist ja auch absolut verständlich.“ Dennoch gibt es zurzeit konkretere Pläne. „Wir kämpfen noch mit uns, aber ich überlege, sie am 30. November in Dortmund aufzubieten. Die Sandbahn ist sehr interessant, der tiefe Boden und die Linienführung sollten ihr als doch recht großrahmiger Stute liegen.“

Was bringt die Zukunft?

Auch im nächsten Jahr soll Ourasi noch Rennen laufen. Was nach ihrer Rennkarriere passiert, weiß der Gastwirt noch nicht. „Ich lasse alles auf mich zukommen. Grundsätzlich ist die Linie, der sie entstammt, für die Zucht sehr interessant. Erst einmal hoffe ich doch, dass sie weiter gesund bleibt und weiterhin Spaß am Laufen hat. Ich hatte viele Pferde, die noch bis ins fortgeschrittene Alter gute Leistungen für mich gebracht haben.“

Eine Botschaft die man auch auf aktuelle Entwicklungen im Rennsport anwenden kann. Schon vor vielen Jahren kritisierte Pils den Trend, dass einige Besitzer aus seiner Sicht zu frühzeitig versuchen, mit den Pferden viel Geld zu verdienen. In diesem Zusammenhang ist ihm vor allem ein Satz eines großen englischen Trainers im Gedächtnis geblieben. „Vor vielen Jahren habe ich bei Sir Pritchard-Gordon in Newmarket knapp 14 Tage hospitiert. Damals sagte er zu mir: Du kannst nur mit zufriedenen und glücklichen Pferden gewinnen! Das habe ich mir gemerkt, schließlich trägt er nicht umsonst den Titel Sir.“