Top-Story

"Kämpfe für den Standort Krefeld"

Jan Schreurs
Jan Schreurs

In Krefelds „Cafe In“, mitten in der City gelegen, hat man zwei Möglichkeiten sich zu platzieren. Innen, in den mit mediterranem Exterieur ausgestatteten Räumlichkeiten, oder draußen im Wintergarten. Klar, dass ich Jan A. J.  Schreurs, den Vorsitzenden des Krefelder Rennclubs, im Wintergarten antreffe. Feinster Anzug-Zwirn, passende Krawatte dazu, begrüße ich ihn mit den Worten: „Bitte, bleiben Sie doch sitzen.“ Dieser Aufforderung kommt er überhaupt nicht nach, knöpft sich sogar noch sein Jacket zu, ehe er die Hand zur Begrüßung ausstreckt. Der Mann, mit dem ich zum Sport-Welt-Gespräch „Auf ein Kaffee“ am Vorabend verabredet habe, ist Mitinhaber von Krefelds größer Steuerkanzlei „Müller, Schreurs & Partner“.

Seine knapp bemessene Freizeit widmet er dem Krefelder Rennclub, dem er seit rund zehn Jahren als Präsident vorsteht. Man kann sich doch sicher eine bessere Freizeitbeschäftigung vorstellen, als sich in den Vorsitz eines Galopprennsportvereins zu begeben. „Wissen Sie, wenn man mir rät, ich solle doch abends etwas für meine Gesundheit tun, etwa leichtes Fitness-Training, dann treffe ich mich lieber mit Freunden und trinke mit denen ein Bier oder ein, zwei Glas Wein, rauche ein paar Zigaretten und habe nette Unterhaltung. Das ist für mich Entspannung.“

Das Anmeldeformular immer dabei
Man braucht nicht groß nachzufragen, dass sich Jan Schreurs oft mit Menschen trifft, die auch irgendwie schon einmal etwas vom Galopprennsport gehört haben. „Klar ist es so“, meint der Präsident des Rennclubs im schönen Krefelder Stadtwald, und aus diesem Grund hat er auch immer ein Anmeldeformular im Jacket. „Immer wieder sprachen mich Leute sinngemäß mit den Worten an: Das war aber ein toller Renntag, wir hatten viel Spaß. Das war schön zu hören, brachte uns aber nicht weiter. So hatte ich die Idee eines Privileg-Clubs.

Hört sich hochtrabend an, ist es aber nicht. Ich biete den Leuten eine Privileg-Karte  für ein Jahr für 100 Euro an. Sie gilt für zwei Personen, sie erhalten dafür freien Eintritt und zwei Rennprogramme. Natürlich wiegt das nicht die Summe auf, die sie zahlen, aber sie sehen sich schon als kleine Sponsoren, haben auf einmal Spaß, dass sie dazu gehören. So habe ich in wenigen Wochen 25 Karten verkauft, ich denke, ich werde schnell auf 100 sein. Am 9. November lade ich diese  kleinen Sponsoren-Leute, die was für Krefeld und die Rennbahn tun, ein, und sie bekommen bei dieser Gelegenheit auch die Ehrennadel des Krefelder Rennclubs angesteckt.“

Kleinvieh macht auch Mist
Es ist nicht das große Rad, das Jans Schreurs in Krefeld drehen kann. Zwar haben in der Metropole am linken Niederrhein zahlreiche große Wirtschaftsunternehmen ihren Standort, aber nicht ihren Hauptsitz. „Hier sitzen nicht die Entscheidungsträger, wir müssen auf kleinen Wegen zum Ziel kommen“, stellt der Präsident klar. Am kommenden Sonntag ist aus sportlicher Sicht der größte Renntag in der Geschichte des Krefelder Turfs fällig. Mit dem Herzog von Ratibor-Rennen und dem Preis der deutschen Besitzer – Niederrhein-Pokal werden erstmals zwei Gruppe-Rennen an einem Tag ausgetragen. „Freut man sich als Präsident darauf, oder hat man schon jetzt Bammel vor der Bilanz am Sonntagabend? Jan Schreurs: „Wir können mit diesem hochkarätigen Renntag doch beweisen, dass der Standort Krefeld im deutschen Rennsport soviel zählt und wert ist, wie eh und je. Wenn das Wetter mitspielt, werden wir einen ganz großen Renntag erleben. Das ist für das ganze Paket Krefelder Galopprennbahn von großer Bedeutung.“

Nur zu zweit zu stemmen
Schnell betont Jan Schreurs, dass der Rennclub Krefeld von ihm natürlich nicht alleine zu stemmen ist. Man hält sich keinen Geschäftsführer, im Sekretariat auf der Rennbahn werden die Fäden für die Abwicklung eines Renntages von einer Person gezogen, für die Sponsoren-Akquise ist Tania Cosman von „Wolff-Kommunikation“ zuständig. Und natürlich steht ihm mit Denis Hartenstein ein umtriebiger „Vize“, der es auch im Direktorium bis weit nach oben geschafft hat, zur Seite. Mitten ins Mark traf auch den Krefelder Rennclub der Wegfall der Gelder aus „Spiel 77“. Es sei bislang noch nicht gelungen, das zu kompensieren. Und die finanziellen Reserven neigen sich dem Ende. „Was am Sonntagabend finanziell noch zuzubuttern ist, kriegen wir noch hin, das können wir noch aus eigenen Mitteln stemmen. Was im kommenden Jahr passiert, lässt einen allerdings wenig ruhig schlafen“, so der Präsident, der darauf hinweist, dass der Krefelder Rennclub der einzige Sportverein Krefelds ist, der keine Zuschüsse erhält. Klar, die Stadt sorgt dafür, dass die Anlage im Stadtwald in einem guten Zustand bleibt, aber ansonsten fließt nichts.

„Den Verantwortlichen im Rathaus haben wir die Lage erklärt, um von der Stadt oder einem von der Stadt zu nennenden Sponsor die finanzielle Unterstützung zu bekommen, die wir brauchen“, erklärt Jan Schreurs. In welchem Rahmen bewegt sich diese nötige Unterstützung? „Rund 60.000 Euro im Jahr“, so der Präsident,  der auch mit allem Nachdruck darauf hingewiesen hat, dass man in Krefeld nicht zu einer B-Bahn verkümmern möchte. „Unter sieben Renntagen und zwei Gruppe-Rennen geht es nicht. Nur samstags veranstalten mit Basissport, das wäre das Ende. Und genau das müssen die im Rathaus verstehen.“ Allerdings, in Krefeld wird unter einem Nothaushalt regiert.
 
Den Sponsoren etwas bieten
Natürlich ist allen im Stadtwald-Rennclub klar, dass man den Sponsoren etwas bieten muss. „Zum Glück haben wir vom Rennbahn-Gastronom nun die Zusage, dass wir einen Durchbruch auf der Haupttribüne zwischen Galerie und Tribüne in Angriff nehmen können. Im nächsten Bauabschnitt werden wir Tische und Sitzgelegenheiten in der Tribüne al la Hoppegarten in Angriff nehmen. Aber auch für diese baulichen Maßnahmen fehlt im Grunde das Geld. „Wir werden Sponsoren suchen, aber ich bin überzeugt, dass wir sie finden werden“, so Jan Schreurs.

Vernetzt ist der Steuerberater mit eigener Kanzlei bestens. Und er ist sich für das „Klinkenputzen“ auch keinesfalls zu schade. Sein rheinischer Humor lässt ihn da nicht im Stich, schließlich ist er auch Senatspräsident bei der „Krefelder Prinzengarde“. „Wir wollen für den Krefelder Galoppstandort Farbe bekennen und den Herausforderungen eines in schwierigen Zeiten stehenden Galopprennclubs gerecht werden. Dafür kämpfe ich“, fließt es ungebremst aus ihm heraus.

Protecionist-Triumph nicht im Radio – ein Unding
Am kommenden Sonntag wird man im Stadtwald ganz großes Turfkino anbieten. „Das Schlimme ist nur, dass das große publikumswirksame Rad, sprich Fernsehen, nicht mitmacht. Es ist nahezu undenkbar, dass am Dienstagmorgen über das Radio nicht eine Meldung davon kam, dass Protectionist den weltberühmten Melbourne Cup gewonnen hat. Hat denn in Köln niemand versucht,  beim WDR, der praktisch um die Ecke des Direktoriums liegt, Kontakt aufzunehmen? Ohne TV-Präsenz wird es der deutsche Rennsport auf Dauer sehr schwer haben. Aber das ist ein altes, aber immer wieder anzustoßendes Thema.“ Apropos Direktorium. Für Jan Schreurs ist es auf Dauer von existenzieller Bedeutung, dass der deutsche Galopprennsport aus einem Führungsstab von einem Ort betrieben wird. „Bei uns geht es unverändert nur klein, klein weiter. Jeder kämpft für sich, das kann nicht das Ziel sein.“

Auf den Hinweis, dass  man dies ja vor einigen Jahren schon einmal vorhatte, kommt seine abweisende Handbewegung: „Da ist man aus diesem Fenster wieder schnell ausgebrochen.“ Ein Segen seien natürlich auch für ihn die PMU-Renntage. „Wir sind in diesem Jahr erstmals und bislang einmal in diesen Genuss gekommen.“ Was ihn imponiert, ist die Tatsache, wie viele ehrenamtliche Personen sich dem Galopprennsport widmen. „Da spürt man viel Herzblut.“ So wie bei Jan Schreurs, der für den Galopprennsport in Krefeld in den Ring geht. Er wird wieder und wieder bei der Stadt auf der Matte stehen und um Geld bitten. „Wissen Sie, das Schlimmste für mich wäre, wenn es später einmal aus dem Rathaus heißen würde: Der Schreurs hätte ja mal was sagen können.“

(07.11.2014)