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Fincks Flamingo Fantasy wird 2014 Stallion

Das 400 Einwohner-Dorf Schöllnitz ist mit seinem Ortsteil Luckaitz die Heimat eines neuen Deckhengstes in der deutschen Vollblutzucht. Bei Ralf Paulick startet dort in diesem Jahr einer der besten Steher der letzten Jahre, der jetzt neun Lenze zählende Flamingo Fantasy, seine Stallion-Karriere. Die Geschichte von Flamingo Fantasy lässt sich im deutschen Turf bis in das Jahr 1987 zurückverfolgen. Es ist eine interessante Geschichte, die den neuen Deckhengst und seine Vorfahren begleitet.

Der damals junge und neue Besitzer Helmut von Finck, der zwei Jahre zuvor anlässlich der Auflösungs-Auktion des Vollblut-Bestandes von Gräfin Margit Batthyany in den deutschen Galopprennsport eingestiegen war, ließ 1987 zum ersten Mal aufhorchen, als er über die Vollblutagentur von Rüdiger Alles die beiden Northern Dancer Stuten Diana Dance und Fabula Dancer aus den USA als Jährlinge importierte.

Während Diana Dance als Rennpferd und Gruppe-Siegerin hervorragende Leistungen zeigte, war Fabula Dancer mit bescheidenem Renn-Potenzial ausgestattet und siegte nur einmal dreijährig in einem Maidenrennen in Hassloch. Genau umgekehrt sollte es in der Zucht von Helmut von Finck sein.

Fabula Dancer begründete für ihn eine auch international hoch erfolgreiche Mutterlinie, während Diana Dance früh aufgegeben werden musste und deutlich weniger Spuren in der Zucht des Gestüts Park Wiedingen hinterließ. Flamingo Paradise, Flamingo Garden, Flamingo Queen und Flamingo Road sind alles Produkte aus der Fabula Dancer, die ein GAG von 90 Kilo und mehr erreichten. Die Acatenango-Stute Flamingo Road, die Mutter von Flamingo Fantasy, war der züchterische Höhepunkt in der Gestüts-Laufbahn von Fabula Dancer.

Sie blieb mit Siegen in Las Vegas-Slenderella Rennen und dem klassischen Preis der Diana bis zum Derby als dreifache Siegerin ungeschlagen und kam im Klassiker aller Klassiker auf einen hervorragenden dritten Platz zu Belenus und Acambaro. Vierjährig gewann sie noch den Idee Hansa Preis und erreichte Ende dieser Saison ein Spitzen-GAG von 97 Kilo.

International rückte diese Familie ganz besonders in den Blickpunkt der Turf-Öffentlichkeit, als ein Enkel der Northern Dancer Stute das Irish Derby gewann. Der von den Gebrüdern Hoyer aus der Woodman-Stute Flamingo Sea gezogene Montjeu-Sohn Frozen Fire gewann 2008 hochüberlegen diesen Klassiker auf dem irischen Curragh. Einmal mehr rückte die deutsche Vollblutzucht durch diese Spitzenleistung in den Fokus der internationalen Turfgemeinde. Aber zurück zu Flamingo Fantasy. Der Hengst, als Sohn von Fantastic Light aus der großartigen Flamingo Road wahrlich blaublütig gezogen, debütierte als Dreijähriger in München direkt als Sieger und gewann beim nächsten Start das hochdotierte BBAG Auktionsrennen in Hamburg.

Im weiteren Verlauf der Saison kam der Hengst nur noch zweimal an den Ablauf, doch seine Karriere-Spitzenleistungen erzielte er ohnehin im Alter von vier Jahren. Mit Siegen im Silbernen Band der Ruhr und Betty Barclay Rennen auf Cup-Distanzen, sowie Hansa- Preis in Hamburg gegen keinen Geringeren als den starken Monsun-Sohn Getaway startete er furios in die Saison.

Diese Leistung war sicherlich seine beste überhaupt, aber auch sein zweiter Platz in Düsseldorf auf Gruppe I-Ebene, als Getaway als Sieger den Spieß umdrehte, war bärenstark. Mit einem GAG von 98 Kilo erzielte er in jener Saison auch seine mit Abstand höchste Einschätzung. Diese Leistungen konnte er im fortgeschrittenen Alter nicht mehr abrufen, bewies allerdings erstaunliche Härte.

Immer wieder deutete­ er vor allem auf extremen Steher-Distanzen sein wahres Können an, aber ein voller Erfolg auf Gruppe-Ebene sollte dem Fantastic Light-Sohn nicht mehr gelingen. Er beendete seine Rennlaufbahn mit nur noch einem Start im letzten Jahr im Oleander- Rennen, der aber keine zählbare Ausbeute brachte.

Es war sein insgesamt vierter Auftritt in dieser renommierten Steher-Prüfung. In Training war er zunächst bei Waldemar Hickst und gewann für diesen auch seine wichtigsten Prüfungen. Später wechselte er dann zu Trainer Sascha Smrczek, für den er im Alter von sieben Jahren noch ein kleineres Rennen gewann.

Sein Vater Fantastic Light war als ständiger Widersacher des großartigen Galileo mit vielen Vorschlusslorbeeren in seine Laufbahn als Beschäler gestartet. Unvergessen sind seine spannenden, heiß umkämpften Schlachten, die er sich mit dem Sadler‘s Wells-Sohn geliefert hat.

Doch tatsächlich konnte er mit Galileo als Deckhengst nicht im geringsten Schritt halten und muss somit als Enttäuschung gelten. Vielleicht vererbt sich dieses tolle Rennpferd Fantastic Light über seine Söhne. Flamingo Fantasy dürfen auch durch seine exzellente Mutterlinie entsprechende Erwartungen gelten.

Ende letzten Jahres entschloss sich Helmut von Finck, seinen Hengst an Ralf Paulick zu verpachten. Somit steht Flamingo Fantasy nach wie vor im Eigentum seines Züchters und erhält aus dessen Mutterstuten-Herde gute Chancen. Nach Auskunft von Ralf Paulick hat sich der Hengst gut eingelebt und bereits die erste Stute gedeckt. 20 Stuten seien bislang angemeldet und bei einer Decktaxe von 2.000 Euro ist das auf dem hart umkämpften Markt ein anständiges Ergebnis.

Vielleicht profitiert der Beschäler-Debütant auch von seinem Standort, denn die Zuchtstätte von Ralf Paulick liegt im Osten des Landes, zwischen Dresden und der Bundeshauptstadt Berlin am Rande des Spreewaldes.. In dem Ort Luckaitz hat sein Halter selbst 25 eigene Stuten und auf einer Gesamtfläche von 100 Hektar auch den ein oder anderen Pensionär, so dass Flamingo Fantasy auch von dieser Seite aus gute Chancen erhalten sollte.

(19.02.2014)