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Einer der ältesten Besitzergemeinschaften

Seit Sonntag vor zwei Wochen ist die Welt beim Galoppclub in Iffezheim wieder in Ordnung. Nach einer kleinen Durststrecke, der letzte Sieg datierte aus dem Jahr 2009, konnte das vereinseigene Rennpferd Sondwiermer das erste Rennen in seiner Laufbahn gewinnen. Immerhin 6.000 Euro standen als Siegpreis über dem schönen Renntitel „Prix Magnum La Radio“. „Das war auch für mich doch relativ überraschend“, gab Trainer Werner Hefter unumwunden zu und lacht: „Zwölfmal haben wir es mit ihm probiert und nie hatte es bislang geklappt. Aber in diesem Handicap über die Meile war er doch sehr günstig untergebracht. Vielleicht haben ihm ja die Hähnchen Flügel verliehen, die es beim Grillfest ausgerechnet einen Abend zuvor zum Essen gab.“

Übrigens sprach bei diesem stimmungsvollen Fest kaum jemand von einem Sieg des hübschen Schimmels, der nach äußerlichem Erscheinungsbild so manchen Preis gewinnen würde. Doch dafür wird auf der Rennbahn nun kaum einmal ein Pferd belohnt. Es ging im Endkampf in Vittel allerdings äußerst knapp zu, ein Hals war es, der den Ausschlag zugunsten des Vierjährigen gab. Auf dem fünften Platz landete mit Tasmeem ein ganz bekannter Vierbeiner des Galopp-Club Rhein-Main, der von Heinz Hesse trainiert wird. Ein toller Ritt von David Breux, der auch am Totalisator mächtig honoriert wurde, denn 252:10 lautete die Siegquote und auf Platz gab es auch noch stolze 73:10!

Da lohnte sich für alle, die dabei waren natürlich die relativ weite Anreise von Iffezheim nach Vittel mit 255 Kilometer, was einer Zeit von ungefähr drei Stunden ausmacht. Wie überhaupt Sondwiermer sich nur in der sogenannten französischen Provinz tummelt. „Er ist rein französisch gezogen, daher laufen wir mit ihm auch nur in Frankreich. Es würde keinen Sinn machen auf den deutschen Bahnen oder speziell in Iffezheim zu starten. Das macht das Management kaputt, obwohl es uns schmerzt, hierzulande nicht an den Start zu gehen“, erklärt der erste Vorsitzende Peter Banzhaf. „Wir sind natürlich sehr stolz auf die insgesamt acht Siege auf unserer Heimatbahn in Iffezheim.“

Sondwiermer, sicher ein etwas eigenartiger Name, der zumindest die Rennbahnkommentatoren im benachbarten Frankreich bei der Aussprache vor keine leichte Aufgabe stellt. „Es gab in unserem Verein bei der Namensfindung einen Wettbewerb. Unser Ex-Bürgermeister Otto Himpel schlug Victorfurius vor. Victor für Sieg und Furius, weil das der Name unseres ersten Pferdes war. Aber letztlich hat sich nicht die Iffezheimer sondern die Sandweierer Abteilung durchgesetzt. Sandweier ist ein Stadtteil von Baden-Baden und die Einwohner heißen im Volksmund eben Sondwiermer“, berichtet Peter Banzhaf.

Momentan sind 31 Mitglieder im Galoppclub Iffezheim e.V.. Der Vorstand setzt sich aus dem ersten Vorsitzenden Peter Banzhaf, dem zweiten Vorsitzenden Klaus Frietsch, Schriftführer Rudi Schmidt, Schatzmeister Ewald Hirth und den Beisitzern Wolfgang Oesterle, Jürgen Eckerle und Fred Bühler zusammen. Es begann alles damit, sich den Traum vom eigenen Rennpferd zu erträumen. Da die Kosten für einen Einzelnen einfach zu hoch waren, entschlossen sich sieben Gründungsmitglieder am 4. November 1980 im Gasthaus „Zur Linde“ im Badener Stadtteil Sandweier, den Galoppclub Iffezheim, kurz GCI, zu gründen. In Deutschland gab es zu dieser Zeit noch recht wenige solcher Vereine und da war dieser Gedanke doch ein beispielhafter Schritt.

Das Interesse, sich dem GCI anzuschließen, wuchs zunächst nur eher zögerlich. Der Club bemühte sich durch diverse Presseaktivitäten sich bekannt zu machen und diese Aktivitäten zeigten die entsprechende Wirkung, denn der Kreis der Gleichgesinnten wurde größer und größer. Es dauerte aber noch bis zum 23. September 1981, als bei einer Mitgliederversammlung der Ankauf eines Pferdes, die Rennfarben und die Höhe der Einlagen beschlossen wurden. Als Rennfarbe wurde weiß, schwarz-weiß gestreifte Ärmel, das Iffezheimer Gemeindewappen auf Brust und Rücken, schwarz-weiß gestreifte Kappe ausgehandelt.

Als erster Trainer wurde Fritz Drechsler auserkoren. Der „Gentleman Fritz“ schlug vor, ein aktuell im Training befindliches Pferd zu kaufen. Dabei entschied man sich dann für den vierjährigen Furius, der damals 15.000 DM kostete. Zwar blieb der dunkelbraune Hengst im Oktober des gleichen Jahres bei seinem ersten Start für den GCI noch unplatziert, aber das sollte sich im darauf folgenden Jahr gründlich ändern. Denn am 23. April 1982 gab es den ersten großen Höhepunkt der jungen Clubgeschichte: Der erste Sieg. Den holte sich Furius mit Jockey Klaus Hildenbrand in einem Ausgleich III auf dem Düsseldorfer Grafenberg unter den Augen zahlreicher begeisterter Clubmitglieder und der Verein kassierte 6.000 DM.

Doch es sollte noch besser kommen: Für den bis dahin größten Tag in der Club-Geschichte sorgte Furius am 28. August 1983 während der Großen Woche. Auf der Heimatbahn landete er mit Jockey Luigi Auriemma in einem Rennquintett-Ausgleich einen vielumjubelten Heimerfolg und holte das Sieggeld in Höhe von 9.000 DM. Zumindest halb Iffezheim stand Kopf und bei der anschließenden Siegerehrung reichte das Podest gerade noch für alle glücklichen Club-Mitglieder.

Eine Steigerung war aber der Kauf von Ponticello. Der damals Dreijährige kostete 28.250 DM und bescherte dem GCI das unbeschreibliche Glücksgefühl erfolgreicher Mitbesitzer, während der Großen Woche das Hatzfeldt-Rennen gewinnen zu dürfen. Nach nur drei Starts war fast schon die Hälfte des Kaufpreises wieder herein galoppiert.

Das Jahr 1985 war sicher einer der ganz großen Höhepunkte des Clubs. Am Ostermontag ging es dabei gleich furios los, denn Ponticello konnte bei seinem Jahresdebüt in München-Riem gewinnen. Sportlich gesehen war die Derbywoche in Hamburg die Krönung der Clubgeschichte. Im Holsten Jockey Europa-Cup-Rennen, einem Ausgleich II, kam Ponticello mit Weltklassejockey Yves Saint-Martin auf den zweiten Platz und ließ nur vier Tage später im Hammonia-Preis mit Terry Kelleher seinen vierten Sieg folgen. Allein aus Hamburg holte Ponticello für den GCI 17.700 DM an Preisgeldern. 34.120 DM wurden am Ende des Jahres in die Vereinskassen gespült, ein geradezu sensationelles Ergebnis.
Turfsportlich weniger glücklich war man dann mit den neuen Galoppern Honneur und Fabiana, während es mit Funny Prince wieder viel zu feiern gab.

Beim Frühjahrs-Meeting 1988 trug der Hengst mit Gerhard Huber die Clubfarben als frenetisch gefeierter Sieger ins Ziel und erneut wurde es eng auf dem Siegerpodest. Nach dem Verkauf von Funny Prince hieß der neue Hoffnungsträger Indros, doch nach viel Pech und einigen Verletzungssorgen reichte es erst im Frühjahr 1992 in München wieder zum zweiten Sieg für den GCI.

Fredy Gang übernahm 1993 den Trainingsstall von Fritz Drechsler und mit dem neuen GCI-Pferd Shadida waren die Mitglieder nicht wirklich glücklich. Doch das sollte sich 1995 schlagartig ändern, denn auf Bonifaccio Bandit ruhten nicht unerhebliche Hoffnungen. Nach zwei Platzierungen hatte der England-Import mit Gerhard Huber in Frankfurt zur Riesenfreude aller anwesenden Mitglieder die Nase ganz vorne. In Hamburg und in Hannover folgten mit Angela Kull-Höhn die Siege zwei und drei, die jeweils gebührend euphorisch gefeiert wurden. Zwei erfolgreiche Jahre bescherte „Boni“ dem GCI. Bei insgesamt 21 Starts konnte er eine Gewinnsumme von 57.700 DM erreichen.

Bei einer Reise nach Newmarket wurde so ganz nebenbei mit Nilgiri Hills für 34.492 DM der bisher teuerste Pferdekauf getätigt. Gleich bei seinem Jahresdebüt kam er mit Stephen Williams in Mülheim-Ruhr als Erster durch das Ziel, doch zum großen Ärger der Mitglieder wurde er disqualifiziert. Dann schlug leider der Turfteufel bei Nilgiri Hills zu und er konnte nach Hamburg keine Starts mehr absolvieren, was mit der Kastration verbunden wurde. Als Wallach holte der Fünfjährige aber einiges nach, konnte für den GCI bei zehn Starts vier Siege und eine Gewinnsumme von 31.700 DM erreichen. Eine Jahresbilanz, von der wohl Niemand zu träumen gewagt hatte. Finanziell gesehen war dann 1999 eines der erfolgreichsten Jahre des Galoppclubs, denn durch zwei Siege und vier Platzierungen standen 34.700 DM zu Buche.

Nach der Jahrtausend-Wende und einem Trainerwechsel zu Urs Suter gab es den ersten Auslandssieg zu feiern und damit einen Meilenstein in der Clubgeschichte. Der bereits achtjährige Nilgiri Hills konnte mit Eric Wehrel im schweizerischen Avenches gleich bei seinem Saisonauftakt gewinnen. Hut ab vor Nilgiri Hills, der eine wahrhaft eindrucksvolle Bilanz in der Chronik des GCI hinterließ: 43 Starts bestritt er in den Clubfarben, zehn Siege und unzählige Platzierungen sorgten für eine Gesamtgewinnsumme von 118.721 DM.

Bounty Blues war das neue Pferd, doch der junge Hengst ging bei seinem Jahresdebüt 2002 in München unter den Augen einiger Iffezheimer Schlachtenbummler gänzlich unter. Doch beim Frühjahrs-Meeting siegte er völlig überraschend als 212:10 Außenseiter mit Jean-Pierre Carvalho. Nach einem erfolglosen Start im Sommer in Köln wurden bei Bounty Blues entzündete Fesselköpfe festgestellt und es wurde entschieden, das Pferd auf die Koppel zu stellen. Diese Maßnahme sollte sich als absolut richtig erweisen, denn ein Jahr darauf sollte es so richtig „krachen“.

Im August stieg in München mit Andrasch Starke einer der Besten seiner Zunft in den Sattel von Bounty Blues und die beiden kehrten als umjubelte Sieger von der Bahn zurück. Dieses Gespann sorgte dann vier Wochen später auf der Heimatbahn in der Bunz-Trophy für den nächsten Treffer. Der GCI schwebte in wahrer Glückseligkeit, was 2005 wieder in Iffezheim mit Andreas Göritz im Pergolese-Rennen für den dritten Sieg in den Clubfarben gipfelte.

Da Urs Suter sein Trainingsquartier nach Chantilly verlegte, sprach sich die überwiegende Mehrheit der Mitglieder für Werner Hefter als neuen Coach aus. In jüngster Vergangenheit war es dann Albarello, der mit fünf Siegen für eine eindrucksvolle Bilanz sorgen konnte.

Zurückblickend hat sich der Galoppclub einfach prächtig entwickelt und in den 32 Jahren ist eine Gemeinschaft entstanden, die nach wie vor mit viel Freude ihr Hobby pflegt und dessen Vereinsleben stets von Harmonie und gegenseitigem Respekt geprägt ist. Mit tollen Ausflügen, sei es zu Gestütsbesichtigungen wie Röttgen oder Galopprennveranstaltungen wie Köln, Meran oder sogar nach Dubai, oder einfach nur zu einem Grillfest wie noch einen Tag zuvor beim großen Sieg von Sondwiermer in Vittel.

(23.08.2012)