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Eine Turf-Legende wird 100

Wer den aktuellen Grünen Kalender aufschlägt, stößt auf ein besonderes Fotodokument, dass Frank Sorge das Treffen der Turflegenden nennt. Hein Bollow, Heinz Jentzsch, Fritz Drechsler und Werner Krbalek haben Turfgeschichte geschrieben, brachten es zusammen auf über 9.000 Siege. Und nun feierte Werner Krbalek seinen 100. Geburtstag.

Am 30. Dezember 1911 erblickte er in Berlin-Siemensstadt das Licht der Welt, lebt seit mehr als fünf Jahrzehnten in seiner Wahlheimat Köln. Zeitweise war der gebürtige Berliner sogar der dienstälteste Trainer im Weidenpescher Park, das mag etwa 25 Jahre her sein, als der damalige Trainerkollege Josef Hochstein in den Ruhestand ging.

Wie so viele andere Berufskollegen aus der glorreichen Hoppegartener Ära meisterte auch Werner Krbalek das schwere Los des Krieges, dass ihn letztlich in den Westen verschlug. Nach seiner körperlichen Statur zu urteilen lag eine Ausbildung zum Jockey nahe. Die Liebe zu den Vierbeinern war im Übrigen früh gegeben, der Großvater war Fiakerkutscher in Wien, dort liegen wohl die Wurzeln seiner Pferdebegeisterung begründet.

Bei Trainer Alfred Althoff absolvierte der junge Werner Krbalek seine Lehre zum Jockey, damals dauerte die Ausbildung noch stattliche fünf Jahre. Das „Fliegengewicht“ brachte ideale Voraussetzungen mit, obwohl sich die Familie wenig begeistert zeigte bezüglich des Berufswunschs ihres Sohnes.

Eine Tätigkeit als Laufbursche bei Siemens gab er nach nur zwei Tagen auf. Die Pferde sollten es eben sein und am 19. Dezember 1929 war schließlich der erste Erfolg mit Lykaste fällig. Es reihten sich schnell weitere Siege ein, am Ende seiner langen Karriere brachte Werner Krbalek es schließlich auf 498 Siege als Jockey, wobei er gerade auf Grund seiner körperlichen Voraussetzungen verstärkt für die Leichtgewichte herangezogen wurde. Auch während der Kriegsjahre blieb Werner Krbalek den Pferden treu, ritt erfolgreich im Heeresrennstall und brachte es beispielsweise in der Saison 1941 auf 24 Siege bei 151 Ritten. So erinnert sich auch Hein Bollow an die erste Begegnung mit Werner Krbalek.

“Werner und ich lernten uns Ostern 1936 kennen, wir ritten auch im Heeresrennstall zusammen. Werner war aufgrund seines leichten Gewichts begnadet. Der Kontakt ist auch nach dem Krieg immer freundschaftlich geblieben und nie abgerissen. Ich wünsche uns, lieber Werner, dass wir noch viele Jahre gemeinsam erleben dürfen und wünsche Dir alles denkbar Gute“, soweit Hein Bollow.

Als bestes Pferd, das er je geritten hat, bezeichnete Werner Krbalek einmal die Waldfried-Stute Grollezu aus dem Quartier von Arthur Schlaefke. Zehn Jahre nach seinem ersten Sieg avancierte sie auch in besseren Rennen unter Werner Krbalek zur Seriensiegerin.

Eine großartige wie erfolgreiche Zeit war Krbaleks Wirken bei Heinz Jentzsch im Stall Asterblüte in Köln, aber auch der Rückhalt aus anderen großen Ställen machte seinen Stellenwert als gefragter Leichtgewichtsjockey in der damaligen Zeit deutlich. So ritt er auch u.a. für Hans Berndt und Gestüt Schlenderhan. Dabei fiel es ihm nicht leicht, vor allem ohne seine geliebte Frau Anni, die eine oder andere Stelle anzutreten.

Mit Stinos und Alpenjäger gewann Werner Krbalek den Großen Preis von Hessen. Mit Vettore siegte er im Rheingold-Pokal. Weitere Hockkaräter waren Sextus (Bavaria-Rennen), Honey Moon (Landgrafen-Rennen), Signatar (Großer Hamburger Ausgleich), Shura (Arthur von Weinberg-Rennen), Whirlwind (Preis der Hauptstadt Hannover), Athos (Silbernes Band der Ruhr), Norfolk (Landgrafen-Rennen), Feenwind (Großer Preis von Frankfurt), Bussard (Adolf Schindling-Rennen) und Priamos (Moormann-Rennen).

Im August 1968 beendete Krbalek seine Jockeykarriere im Alter von 57 Jahren nach 498 Erfolgen im Rennsattel und übernahm in Köln den Stall des erkrankten Hugo Grütz. Dieser bildete den Grundstock für Krbaleks bemerkenswerten Erfolg, so dass sich sein Lot nicht überraschend schnell vergrößerte. Hier verdiente der Schulz-Botenwerfer-Hengst Fetterming ebenso Beachtung wie Wittiges, Mako oder Valeria.

Das vielleicht beste Pferd, das Werner Krbalek trainiert hat, war aber wohl der Mercurius-Sohn Spirit, Dritter im Grossen Preis von Baden und Sieger im Großen Preis der International Harvester sowie im Großen Preis von Krefeld. Aber auch der leider viel zu früh verunglückte Barak, Dritter in der Union zu Nebos und Königsstuhl, verdient Beachtung ebenso wie der eisenharte und vielfache Sieger Taikron, den Enkelin Sandra noch als Kind geputzt hat und der von 1981 bis 1988 jedes Jahr ein Rennen zu gewinnen vermochte.

Nicht zu vergessen das Familienpferd Meriana, das am 8. März 1992 sein letzter Starter sein sollte. Dass sich Werner Krbalek nicht mit Altersgrenzen abgab, beweist die Tatsache, dass er mit 74 Jahren noch am Trainerreiten teilnahm, er wurde Zweiter zur Siegerin Ilka Wolters auf Rivalina. Bis zum Alter von 80 Jahren ritt Krbalek noch in der Arbeit mit.

Als einer der letzten lebenden Zeitzeugen erinnert sich der auch 2011 bei den Rennen in Baden zuletzt anwesende Krbalek, wie die Pferde bei seinem ersten Besuch in Baden-Baden 1927 noch per Eisenbahn zum Bahnhof Oos transportiert worden sind und dann zu Fuß nach Iffezheim geführt wurden.

Heute geht er hauptsächlich auf die Kölner Heimatbahn. Ein Renntag ohne Werner Krbalek, unvorstellbar. Und wenn es, wie zuletzt nach Baden-Baden geht, ist Werner Krbalek nicht mehr zu halten. Vielleicht geht auch einer seiner größten Wünsche, dass Hoppegarten wieder zu einstigem Glanz zurückkehren solle, irgendwann in Erfüllung. Der Aufschwung auf der Hauptstadtbahn hegt neue Hoffnungen. An die glorreichen Zeiten denkt er jedenfalls noch gerne zurück.

Und auch ein weiteres Talent, das Malen von Rennpferden, hat ihn Zeit seines Lebens nicht losgelassen, schon als Kind zeichnete er sein Lieblingsmotiv, Pferde. Auch wenn er dieses Hobby nicht mehr ausübt, waren und sind die Vollblüter immer ein ganz wichtiger Bestandteil seines Lebens gewesen und sind es heute noch. „Er nimmt regen Anteil am aktuellen Rennsport, liest seine Sport-Welt und zeigt sich besonders begeistert von den Leistungen des Zweijährigen Tai Chi. Das freut ihn ganz besonders“, so seine Tochter Laura.

Werner Krbalek gilt als ausgesprochener Familienmensch und großer Erzähler, der wie kein Zweiter dank seiner blumigen Art, längst vergangene Zeiten wieder aufleben lässt. Tochter Laura kümmert sich heute um ihn, während seine Enkelin Sandra mit Hachtsee-Besitzer Graf Reginald von Norman verheiratet, am Starnberger See lebt.

Dorthin wird er mit seiner Tochter auch mit dem Zug reisen und im Kreise seiner geliebten Familie die Festtage und seinen ganz persönlichen Feiertag eines Lebens verbringen, das immer ganz und gar dem Turf gewidmet war und ist. Herzlichen Glückwunsch, Werner Krbalek.

(03.01.2012)