Top-Story

Die große Stallparade von Coach Wolfgang Figge

Die Bilanz der vergangenen Saison? Wolfgang Figge muss nicht lange überlegen: „Sehr zufrieden“, sagt er wie aus der Pistole geschossen. 35 Siege (fünf davon im Ausland) sind ihm und seinem Team gelungen, was eine Top Ten-Platzierung in beiden Trainerwertungen bedeutet. Da fällt auch der Verlust seines Spitzenpferdes Night Magic kaum ins Gewicht, „denn genau genommen war das ja ein Bonusjahr mit ihr“, erklärt der aktuelle bayerische Trainerchampion.

Eigentlich hätte die Diana-Siegerin 2009 den Stall schon früher verlassen sollen – „doch so hat sie noch einmal Top-Leistungen gezeigt“, sagt Figge und verweist auf den zweiten Platz im Großen Preis von Baden, wo sie sich als Titelverteidigerin nur der späteren Arc-Siegerin Danedream geschlagen geben musste. „Außerdem macht es uns schon stolz, dass sie von uns kerngesund in die Zucht gegangen ist.“

Der legitime Nachfolger könnte mit Night Wish, einem rechten Bruder, zudem bereits im Stall stehen, glaubt Racing Manager Harald Schneider: „Ein Hammerpferd“ – was auch Stalljockey Karoly Kerekes bestätigt. Der Hengst sei „eine richtige Erscheinung“, meint auch Figge. Die Probe aufs Exempel muss der Zweijährige dann bei seinem Debüt ablegen. Das Potenzial von Pakal steht dagegen schon außer Frage, nachdem sich der Dreijährige 2011 mit einem zweiten Rang auf Gruppe I-Ebene in Frankreich aus der Saison verabschiedete.

Seine aktuelle GAG-Einschätzung liegt bei 94,5 Kilogramm. Der Neueinkauf von Besitzer Hans Gerd Wernicke ist für das Deutsche Derby genannt, „die 2400 Meter sind aber wohl zu lang“, glaubt der Trainer. Das Ziel Wernickes sei ohnehin das französische Derby. Das Riemer Publikum kann sich jedenfalls auf ein Highlight freuen: Das Team will mit dem Lord of England-Sohn auf seiner Heimatbahn in die Saison einsteigen.

Erneut Gruppe-Niveau gibt Figge für Pain Perdu vor. Der Fünfjährige, 2010 Dritter im französischen Prix du Jockey Club, hat eine schwierige Phase mit „vielen Wehwehchen“ hinter sich, darüber hinaus wurde er gelegt. Mehr als ein Sieg und zwei zweite Plätze in eher unbedeutenden Rennen sprangen 2011 nicht heraus. Dennoch weist er nach wie vor eine GAG-Marke von 85 Kilogramm auf. „Jetzt ist er konstant“, betont Figge. Der erste Härtetest steht im Ausgleich I an.

Viel verspricht er sich auch von der Ammerländerin High Heat, die als Dreijährige eine Diana-Nennung erhalten hat. In ihren zwei Rennen im Oktober und November brachte die Boreal-Tochter nach guten Leistungen jeweils als Zweite Geld mit nach Hause. „Bei ihr klingelt es“, ist der Trainer überzeugt.

Ebenfalls im Stuten-Derby könnte Kolosseum antreten, „so eine Riesen-Meinung haben wir von ihr“. Da die Kamsin-Schwester bisher allerdings nicht gelaufen ist, sei nicht klar, „ob sie es schafft“, sagt Figge. Zudem sei die Dreijährige wohl kein frühreifes Pferd, zeige jedoch eine „gute Galoppade“.

Weiter mit dabei ist der inzwischen neun Jahre alte Northern Glory, der beim Baden-Triumph von Stallgefährtin Night Magic 2010 als Pacemaker für Furore sorgte. Der Wallach litt an Problemen an den Fesseln und bestritt seit Juni kein Rennen mehr. Bei fünf Starts zuvor holte er jedoch drei Siege.

Mit Schachspieler, dem vierfachen Ausgleich III-Sieger des vergangenen Jahres, peile man heuer Listenebene an, kündigt der Racing Manager an. Der Sechsjährige gilt als äußerst zuverlässig (neben den Siegen lief er vier Mal ins Geld) und als Spezialist für weite Strecken zwischen 2000 und 2800 Meter.

Auch bei Dynamite Cat sieht Schneider „Luft nach oben“, obwohl die Fünfjährige zuletzt bei 14 Starts drei Siege (unter anderem im Ausgleich III) und fünf Platzierungen holte. Die Stute bietet sich für Distanzen zwischen 1300 und 1600 Meter an. Eine weitere Dreifach-Siegerin ist Lady Fortune, Figge zufolge vergangene Saison das erfolgreichste Pferd auf der Heimatbahn. Bei insgesamt zehn Starts stehen zwei weitere Platzierungen in der Bilanz. Wenn die fünf Jahre alte Doyen-Tochter ihren Aufenthalt auf der Koppel beendet hat, „geht das mit ihr so weiter“, ist sich der Trainer sicher.

Mit zwei Siegen und drei Platzierungen kann sich auch die Bilanz von Ach was sehen lassen. Nachdem der Vierjährige zuletzt konstant seine Leistungen im Handicap gebracht hat, „machen wir da erst einmal weiter“, so Figge. Der Wallach gilt mit seiner Vorliebe für 1000- bis 1200-Meter-Strecken als ausgemachter Sprinter.

Als „wenig geprüft“ beschreibt Schneider Akatina – trotz eines Sieges und einer Platzierung jeweils im Ausgleich IV. Die Ursache bildeten Probleme an den Zähnen, die die Vierjährige mittlerweile überwunden hat. Sie geht als erklärte „Punkteträgerin“ in die neue Saison. „Riesenmumm“ haben die Verantwortlichen auf Impostor, der nach wie vor mit einer GAG-Marke von 84 Kilogramm versehen ist. „Entscheidend wird sein, die Nerven mit ihm zu bewahren“, erklärt der Racing Manager, da der Motivator-Sohn aufgrund einer Fissur mittlerweile mit einem geschraubten Bein antreten muss. Klappt alles und bleibt der Vierjährige „gut drauf“, sei Listenniveau auf jeden Fall möglich.

Beim ebenfalls vier Jahre alten Ingo Elusiv rechnet der Trainer fest mit dem Durchbruch. Nachdem der Wallach zuletzt über drei Platzierungen nicht hinauskam, „gewinnt er heuer drei Rennen“. Potenzial spricht er auch dem Stallgefährten Northern Galileo zu. Weil der Vierjährige lange mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, gab der Hengst vergangenes Jahr erst spät sein Debüt und ging in zwei Rennen leer aus.

Als französischer Inländer soll der Galileo-Sohn verstärkt im Nachbarland antreten. „Bei Ramina rätseln wir bis heute, was mit ihr los war“, sagt Figge über eine ehemalige Hoffnungsträgerin, die vergangenes Jahr sogar für die Diana genannt war. Weil die Shirocco-Tochter nach ihrem Sieg beim Debüt im Mai „nichts mehr gezeigt hat, haben wir sie in Ruhe gelassen“. Die Vierjährige fängt heuer klein an.

Bei San Siro ist nach wie vor unklar, für welche Distanzen er sich anbietet. Dennoch trat das Team mit dem Wallach im ungarischen Derby (Rang sieben) an, „was ihn aber Substanz gekostet hat“, sagt der Racing Manager. Trotz „schöner Ansätze“ bleiben Prognosen schwierig. Weil sich der Vierjährige auf der Heimatbahn am wohlsten fühlt, soll er in dieser Saison vor allem hier antreten.

Neu im Stall ist die vier Jahre alte Redoute‘s Choice-Tochter Shaqira, eine Neuerwerbung aus Newmarket. Da die Stute bei vier Starts bereits einen zweiten Platz holte, verfügt sie offenbar über Talent. „Alaska Spruce könnte sich diese Saison bereits Black Type holen“, glaubt Schneider. Da die Dreijährige bereits beim zweiten Start den ersten Sieg einfuhr, ist klar, dass die Cockney Rebel-Tochter „laufen kann“. Platz zwei beim Debüt im September vervollständigt die starke Bilanz.

Fürs erste wird die Stute in Auktionsrennen antreten. Der Weg der Ammerländer Stallgefährtin Baronessa ist dagegen noch nicht vorgezeichnet. Die Dreijährige hat ein unspektakuläres Rennen hinter sich, der Racing Manager beschreibt das „ordentliche Pferd“ als „kompakt und agil“.

Der ebenfalls drei Jahre alte Hot Red ist als Rock of Gibraltar-Sohn zwar bestens gezogen, „machte aber viele Probleme und ist deshalb gelegt worden“, sagt Figge. Weil er kein Rennen bestritten hat, „muss man abwarten“. Wegen seiner drei unspektakulär verlaufenen Starts steigt Indian Desert relativ niedrig im Handicap ein. Da die Kastration dem Dreijährigen gut getan habe und er mittlerweile über „gute Bewegungen“ verfügt, „könnte er seinen Weg machen“, hofft der Trainer.

Davon geht er bei Next topmodel fest aus, ohne jedoch zu wissen, in welcher Liga. Denn die drei Jahre alte Sholokhov-Tochter hat zwei „nicht aussagekräftige“ Rennen über 1400 Meter hinter sich. Als „kräftig und schnell“ charakterisiert er die dreijährige Lamborghina, die sich nach einigen Schwierigkeiten in der Entwicklung zu einer ordentlichen Stute entwickelt habe. Genauere Einschätzungen ließen sich freilich erst nach ihrem Debüt treffen. Bei Pearl Royale handelt es sich um eine „riesengroße“ Dreijährige, die zum Ende der Saison debütierte, um den Rennbetrieb kennen zu lernen.

Eine Prognose über die Stute mit der „Riesen-Galoppade“ gibt Figge nicht ab. Für Platinum steht der Einstieg in die Rennkariere aus. „Die inzwischen ausgestandenen Kinderkrankheiten hätten ihn verhindert“, erklärt Schneider. „Untere Schublade ist er mit Sicherheit nicht, der wird uns Freude machen.“ Mittelfristig soll der dreijährige Hengst in Auktionsrennen zum Einsatz kommen.

Mit gesundheitlichen Problemen (und einer anschließenden Operation an den Atemwegen) hatte auch Precious Fire zu kämpfen, so dass er beim Debüt Anfang November „unter Wert geschlagen war“, wie der Racing Manager glaubt. Der drei Jahre alte Big Shuffle-Sohn gilt als „Ausnahmepferd“ und wird als „mehr wie hoffnungsvoll“ eingeschätzt. Dazu könnte sich ferner Quantos entwickeln – schließlich ist der Hengst für das Derby genannt. Während des Winters hat der Anabaa-Sohn einen Wachstumsschub durchgemacht und zeigt jetzt „leichte Bewegungen“. Einziges Manko: Das Debüt steht noch aus.

Zu den Zweijährigen: Als beste Stute dieses Alters stufen die Verantwortlichen Ars nova ein, eine „kompakte“ Soldier Hollow-Tochter, die „wahrscheinlich rauskommen wird“, sagt Schneider. Als „kräftig und abgedreht“ beschreibt er die Peintre-Tochter Ashkelon. Auch für sie gilt: „Sie sollte heuer raus.“ Fest geht der Racing Manager davon auch bei Charmed Life aus, einer „feinen, eleganten“ Shirocco-Tochter.

Die größte Wertschätzung unter den Neulingen genießt bei Besitzer Hans Gerd Wernicke allerdings Diamond Falcon, ein Falco-Sohn aus der Diamond Dance. „Mit ihm will Herr Wernicke zuschlagen“, sagt Wolfgang Figge und bestätigt: „Bisher sehen wir keinen Fehler an ihm.“ Mit Zauberlord legt ein weiterer Zweijähriger „viel Biss“ an den Tag. Der frühreife Lord of England-Sohn „könnte richtig Freude machen“.

Als „ein bisschen schwierig“ präsentiert sich dagegen Honor’s Quest, ein zwei Jahre alter Zamindar-Sohn. Der Hengst ist „groß“ und „schlaksig“, der Trainer hält ihn „nicht unbedingt für frühreif“. Die Stallgefährtin Jumeirah sei „etwas ganz feines“, obwohl vermutlich auch sie nicht zweijährig auf die Bahn kommen wird. Die Lando-Tochter arbeite brav.

Einige Erwartungen liegen ferner auf der Etzeanerin Morgenröte, einer Sholokhov-Tochter aus der Morbidezza, die in München 2003 das Nereide-Rennen für sich entschied. Der Racing Manager beschreibt sie als „sehr ausdrucksstark“. Neu im Stall sind zudem sieben „ordentlich gezogene“, aber noch namenlose Zweijährige aus dem Gestüt Ammerland.

Drei von ihnen kamen erst Mitte Januar in den Rennstall und kurz darauf unter den Sattel, die vier übrigen werden seit Dezember vom Figge-Team betreut. Unter diesen ist eine frühreife Schwester von Alaska Spruce, die für die Winterkönigin genannt ist.

(23.02.2012)