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Deutschland hat einen neuen Deckhengst

Der Ortsname steht für Sottrum, wo das 16-fache Championgestüt Fährhof beheimatet ist. Doch im Falle des bekannt gewordenen Deals, über die Aufstellung des Monsun-Sohnes Maxios auf dem Gestüt Fährhof geht es nicht nur um das von Walther J. Jacobs gegründete und nun von seinem Enkel Dr. Andreas Jacobs geleitete Spitzengestüt. Zahlreiche deutsche, führende Züchter haben sich an der Akquisition von Maxios (das Foto zeigt seinen im Arc erfolgreichen Bruder Bago) beteiligt, womöglich wäre diese Investition sonst nicht zu realisieren gewesen.

Dass man sie in die Tat umsetzen konnte, darf als großer Schritt für die deutsche Vollblutzucht angesehen werden. Noch im Falle von Novellist haben wir vor wenigen Wochen erlebt, dass es ungeheuer schwierig ist, einen international hoch bewährten Monsun-Sohn für die deutsche Vollblutzucht zu gewinnen. Dr. Christoph Berglars „King-George“-Sieger wurde nach Japan verkauft.

Als im Herbst 2012 aus dem Gestüt Schlenderhan die Nachricht kam, dass mit Monsun die Beschäler-Legende abgetreten sei, war dies für die deutsche Vollblutzucht natürlich ein schwerer Schlag. Der Königsstuhl-Sohn zählte zu den besten Stallions Europas. Wirft man einen Blick in seine letzten drei Stutenlisten (nachzulesen in der aktuellen VOLLBLUT Nr. 227), dann dürfte es keine Frage sein, dass Monsun auch post mortem zu bedeutenen Erfolgen als Vaterpferd kommen wird.

Dass man nun Maxios und somit einen seiner besten Söhne für die deutsche Vollblutzucht gewinnen konnte, von den Initiatoren mit Dr. Andreas Jacobs und Manfred Ostermann vom Gestüt Hof Ittlingen an der Spitze, verdient größten Respekt. Das Gestüt Brümmerhof ist ein weiterer wichtiger Anteilseigner. Ferner besitzen auch das Gestüt Ammerland, Dr. Christioph Berglar, die Gestüte Ebbesloh und Görlsdorf sowie die in Frankreich unter deutscher Regie geführten Haras de Saint-Par von Andreas Putsch und das Haras de la Perelle von Jürgen Winter Anteile an Maxios.

Wie Dr. Andreas Jacobs in einem ersten Interview in einem „Turf-Times Spezial“ erklärte, behält die Familie Niarchos 48 Prozent an Maxios, der auch rund zehn Stuten pro Saison aus der Mutterstutenherde der Familie Niarchos erhalten wird. „Maria Niarchos war sehr daran gelegen, dass Maxios in Deutschland aufgestellt wird. Sie sagte mir, dass wir am besten wissen würden, wie man mit einem Monsun-Hengste umgeht. Auch dass wir in erster Linie Besitzer seien, die vornehmlich den Rennstall aus der eigenen Zucht speisen, das hat ihr gefallen“, so Dr. Andreas Jacobs in seinem Interview.

Neben seiner großartigen Rennlaufbahn, die 2013 und somit als Fünfjähriger mit den Gruppe-I-Erfolgen im Prix d‘ Ispahan und Prix du Moulin de Longchamp gipfelte, vertritt Maxios eine der erfolgreichsten Mutterlinien weltweit. Unter der Regie des in Deauville ansässigen und seit Jahrzehnten für die Niarchos-Familie tätigen Jonathan Pease absolvierte Maxios 18 Starts. Er gewann im Alter von zwei bis fünf Jahren acht Rennen und verdiente 1.030.592 Euro. Bereits als Zweijähriger unterstrich der Monsun-Sohn seine Klasse, als er seine beiden Jahresstarts gewann. Mit dem Sieg im Prix Thomas Bryon stieg er bei seinem zweiten Start zum Gruppe-Sieger auf.

Als Dreijähriger lief nicht alles nach Wunsch. Ein Jahr später kehrte Maxios wieder auf die Siegerstraße zurück, als er den Prix d’Harcourt (Gr.II) und La Copue de Maisons-Laffitte (Gr.III) gewann. Seine rechnerisch beste Leistung zeigte er im Prix du Moulin de Longchamp (Gr.I), als er im Herbst dieses Jahres den mehrfachen Gruppe-I-Sieger Olympic Glory mit fünf Längen abfertigte. Dafür erhielt er ein GAG von 101,5 Kilo, was ihn zum Vize-Champion-Meiler in Europa macht. Im Prix d‘ Ispahan (Gr.I) siegte er gegen Planteur über 1800 Meter. Zuvor hatte er im Prix Ganay eine Niederlage gegen Pastorius, der jetzt auf dem Fährhof sein Boxenbachbar ist, hinnehmen müssen. Auch für Manfred Ostermann war es unerhört wichtig, dass die Lücke, die nicht nur Monsun in Deutschland durch sein Abtreten im letzten Jahr hinterlassen hatte, so schnell wie möglich geschlossen werden könne.

„Solche Tophengste wie Lando, Lomitas, Big Shuffle, Dashing Blade und andere mehr gingen in jüngster Zeit der deutschen Vollblutzucht verloren. Das war nun die große Chance, diesen Monsun-Sohn für die deutsche Vollblutzucht zu sichern. Am wichtigsten ist jedoch, dass wir als deutsche Gestüte eng zusammengearbeitet haben, um diesen Hengst nach Deutschland zu holen. Dies stimmt mich als Züchter und auch als Präsident der Besitzervereinigung glücklich. Das hätten weder die Gestüte Fährhof oder Ittlingen alleine stemmen können.“

Dr. Andreas Jacobs fügt an: „Damit kommt die erfolgreichste Hengstlinie Deutschlands, kombiniert mit der Mutterlinie von Northern Dancer, Danehill und Machiavellian, nach Deutschland - in letzter Sekunde, um die Lücke zu schließen, die sein Vater Monsun hinterlassen hat.“ Monsun gilt nicht nur in Deutschland als Jahrhundert-Vererber. Vielmehr beeindrucken die Erfolge seiner Nachkommen die Züchter weltweit; wie zum Beispiel die Gruppe-I-Sieger Manduro, Shirocco, Stacelita, Getaway, Schiaparelli, Anna Monda, Samum, Gentlewave, Le Miracle oder Fiorente und nicht zuletzt der aktuelle „King George“-Sieger Novellist. Der in Karlshof wirkende Samum war 2013 in Deutschland der einzige von Monsun stammende Deckhengst.

Auch Alan Cooper, seit vielen Jahren der Manager der Familie Niarchos, meldete sich zu Wort. „Maxios hat uns in den letzten vier Jahren sehr viel Freude bereitet. Er hat ein wunderbares Temperament und gezeigt, welch tolles Rennpferd er auf Distanzen zwischen 1600-2000 Metern war. Er hat eine außergewöhnlich gute Abstammung und wir sind begeistert, dass er auf dem Fährhof aufgestellt wird, also auf einem international anerkannten Hengstgestüt.“ Aus Maxios‘ Mutter Moonlight‘s Box, ungeprüft in die Zucht genommen, stammen sechs Sieger, u.a. der sechsfache GruppeI-Sieger Bago, der in Japan als Beschäler bereits groß eingeschlagen ist.

Der Prix de l‘ Arc de Triomphe-Sieger steht bereits für seine ersten Gruppe-I-Sieger in Japan. Maxios‘ zweite Mutter ist die Champion-Zweijährige Coup de Genie, mehrfache Gruppe I-Siegerin und rechte Schwester des europäischen Champion-Zweijährigen Machiavellian, der als Deckhengst und Vater von Deckhengsten zu den besten Beschälern seiner Generation gehörte. Seine dritte Mutter ist Coup de Folie, die zu den besten Mutterstuten der Welt aufstieg.

Sie brachte die Gruppe-I-Sieger Exit to Nowhere und die erwähnten Coup de Genie und Machiavellian aus einer Familie von zahlreichen Deckhengsten. Maxios ist ferner direkter Nachfahre der Jahrhundert-Stute Natalma, Mutter des Phänomens Northern Dancer. Der Monsun-Sohn wird ab kommender Saison auf dem Gestüt Fährhof für eine Decktaxe von 10.000 Euro (Lebendfohlen-Garantie) decken.

(13.12.2013)