Wer 139 Jahre alt ist hat einiges erlebt. Wer am Nationalfeiertag zur Rennbahn Hoppegarten kommt, wird einiges erleben. Die einstige „Granddame“ des deutschen Galopprennsportes wartet auch in einer ihrer schwierigsten Phasen mit dem unvergleichlichen Charme ihrer Anlage, gutem Sport und einem Publikum auf, das auch 2007 die Verbundenheit mit „ihrer“ Bahn gezeigt hat.
Zu verdanken sind die fünf stimmigen Renntage in diesem Jahr dem Rennverein Hoppegarten. Einer der „Macher“ ist Geschäftsführer Artur Boehlke. Ein Mann, der im reiferen Alter von 69 Jahren sich längst zur Ruhe hätte setzen können.
Doch wer so eng, so lange mit der Materie verbunden ist, kehrt ihr nicht einfach den Rücken. Schon gar nicht in einer so prekären Situation. Eines sollte klar sein, ohne Artur Boehlke hätte es nach der Insolvenz des Union-Klubs im August 2005 keine Rennen in Hoppegarten gegeben.
„Es hat uns allen viel Kraft gekostet, diese Saison auf die Beine zustellen,“ erklärt Boehlke, „da hat die Region sich großartig engagiert. Die Gemeinden Dahlwitz-Hoppegarten, Neuenhagen, die Firmen und Unternehmen aus Brandenburg und Berlin und nicht zuletzt die Sparkasse Märkisch Oderland als unsere Regionalbank waren starke Partner. Ihnen gilt unser Dank.“
Die Bilanz: Sehr gute Umsatz- und Zuschauerzahlen. „Unterstützung kam auch von oben, das Wetter spielte mit.“ An jedem der fünf Renntage standen acht Rennen auf dem Programm, die Spanne der Umsätze reichte von 175 488 Euro bis 197 396 Euro! Die letzte Zahl wurde übrigens an einem ganz normalen Sonnabend erreicht!
Dabei war man bezüglich Werbung auch den Sparzwängen unterworfen. Ein breites Publikum wurde mit Text und Foto in einem an allen markanten Punkten der Hauptstadt kostenlos ausliegenden S-Bahn Werbeheft namens Punkt 3 erreicht (Auflage über 100 000). Die neu gestaltete, immer aktuelle Webseite lohnt anzuschauen. Die Tagespresse tat auch einiges.
Jetzt laufen die Vorbereitungen für den 3. Oktober auf Hochtouren. Da Hartmut Faust erneut im Krankenhaus liegt, lastet viel Arbeit auf noch weniger Schultern. Die wirtschaftliche Vorlage von 2006 mit famosen 318 140 Euro Umsatz (186 921 Euro auf der Bahn) in neun Rennen spornt natürlich an. Artur Boehlke stellt klar: „Die BVVG hat uns 35000 Euro zur Verfügung gestellt.
Vom Land Brandenburg kam nichts, null. Die Gemeinde Petershagen-Eggersdorf, 20 Kilometer von Hoppegarten entfernt und eigentlich nicht so eng mit uns verbunden, hilft mit einem ansehnlichen Betrag. Und drückt damit ihre Verbundenheit mit dem Rennsport aus. Aber alles wäre umsonst gewesen, hätte uns nicht die Gemeinde Dahlwitz-Hoppegarten im Frühjahr 150 000 Euro sozusagen als Anschubfinanzierung zukommen lassen.“
Doch der kleinen, aber hochmotivierten Rennvereins-„Truppe“ um den Vorsitzenden Andreas Neue ist klar: „Noch so eine Saison können wir nicht packen. Jetzt muss schnellstens die Entscheidung fallen, wer neuer Eigentümer von Hoppegarten wird.“ Der Antwort auf die Frage nach der Zukunft der 139-Jährigen „Granddame“ harren viele seit langem mit enormer Spannung.












