Man stelle sich vor, ein Vermieter hat eine Wohnung neu vermietet, doch dem Altmieter wurde noch gar nicht gekündigt. So scheinen die Dinge in Frankfurt zu liegen. Genauer gesagt, zwischen der Stadt Frankfurt und dem Deutschen Fußball Bund. Die Hippodrom AG als Pächter und Betreiber der Galopprennbahn hat einen Erbpachtvertrag bis 2024.
Und der scheint noch rechtsgültig. So gesehen kann im Grunde gar nicht davon gesprochen werden, dass zwischen der Stadt Frankfurt und dem DFB ein Vertrag zur Übernahme des Rennbahngeländes, auf dem der DFB ein Leistungszentrum errichten will, bestünde.
Richtig scheint, dass eine Absichtserklärung unterschrieben wurde. Die Hippodrom AG hat einen Erbpachtvertrag bis 2024. Nun geht der Frankfurter Renn-Klub in die Offensive. Zu Recht, wie uns scheint, wird in einem Pressetext darauf hingewiesen, dass man es begrüße, dass der Deutsche Fußball Bund im Rhein-Main-Gebiet ein Kompetenz-Zentrum für den Fußball erstellen möchte. Doch man weist ganz klar darauf hin, dass man den Standort Niederrad mit ihrer Galopprennbahn zur Austragung von Pferderennen nicht preisgeben wird.
Was nun? Man kann es sich kaum vorstellen, dass die für dieses Thema Verantwortlichen der Stadt Frankfurt nicht über einen längeren Zeitraum mit den Verantwortlichen der Frankfurter Rennbahn verhandelt haben. Und als Ergebnis? Im Frankfurter Römer zelebriert man die Übergabe des Rennbahngeländes an den DFB und im Frankfurter Renn-Klub ist man entsetzt. Wir haben am Donnerstag versucht, mit Manfred Hellwig, dem Geschäftsführenden Gesellschafter der Hippodrom AG wie auch mit dem im Sportdezernat zuständigen Stadtrat Markus Frank, Kontakt aufzunehmen. Vom Frankfurter Renn-Klub erreichte uns die hier veröffentlichte Presse-Mitteilung. Aus dem Römer haben wir auf unsere Fragen noch keine Antworten erhalten.
Auch die Bürgerinitiative zum Erhalt der Frankfurter Galopprennbahn hat binnen weniger Tage großen Zulauf bekommen: „Wir bekommen sogar Zuspruch von Menschen, die noch nie auf der Rennbahn waren“, berichtet die Gründerin der Bürgerinitiative, Pamela Leisterer. Mit Plakaten, T-Shirts und Informationsmaterial will die Initiative Sympathisanten gewinnen. „Fast alle bei uns sind auch Fußballfans, aber es kann doch nicht sein, dass unter den Sportarten ein darwinistischer Verdrängungswettbewerb stattfindet.
Da der DFB ohnehin nur ein Viertel des Areals nutzen könne und dürfe, muss es doch möglich sein, dass beide Sportarten dort Platz haben“, meint Pamela Leisterer. Beim DFB gäbe es dazu Gesprächsbereitschaft und Sportdezernent Markus Frank wird Online mit dem Satz zitiert: „Wenn jemand eine kluge Idee hat, schauen wir uns das immer an.“
Sogar eine Online-Petition zum Erhalt der Rennbahn in Niederrad hat man ins Leben gerufen. Bis Donnerstag wurden bereits an die 1000 Unterschriften gezählt. Was sagt eigentlich das Bankhaus Metzler und somit der größte Sponsor des Frankfurter Renn-Klubs zu den aktuellen Entwicklungen? Auf Nachfrage der „Sport-Welt“ erhielten wir folgendes Statement:
„Das Aus für die Rennbahn in Niederrad bedeutet zwar das Ende einer langen Tradition des Galopprennsports, die mit dem Namen Metzler eng verbunden ist; vor dem Hintergrund der nachhaltig angespannten finanziellen Lage des Rennclubs ist aber der Bau eines DFB-Leistungszentrums langfristig gesehen eine große Chance für Frankfurt.“ Ein allzu großes Bedauern für das Aus der Frankfurter Rennen ist daraus nicht zu erkennen.










