Die erste Hälfte der Saison 2009 ist noch nicht beendet, da lässt sich bereits eine Prognose für die französische Trainerszene ohne Widerspruch wagen. Der Titel geht erstmals an einen nicht in Paris ansässigen Mann der Zunft, sondern an den 55-jährigen Jean-Claude Rouget, der in Pau ansässig ist, diesem Ort seit Jahren die Treue hält und vor der Krönung seiner Laufbahn steht. Er zählt zwar seit Jahren zu den profiliertesten Trainern europaweit, gewinnt er doch mit konstanter Regelmäßigkeit zweihundert und mehr Rennen pro Saison, aber eben einen Großteil von ihnen auf den vielen Bahnen der Provinz.
Das war auch der Grund, weshalb er bei allem Erfolg nicht die Beachtung fand, die seinen Kollegen von den großen Trainingszentralen entgegen gebracht wurde. Er war halt nur der Provinzfürst. Der sich in diesem Jahr aber anschickt, alle Großen des Metiers das Fürchten zu lehren. Denn wo bleiben die Erfolge eines Andre Fabre oder Alain de Royer-Dupre, die in den letzten Jahren den Rahm abschöpften und sich die Titel aufgrund der Siege in den großen und damit auch sehr hoch dotierten Rennen gesichert haben.
Eine Wachablösung hatte es bereits im Vorjahr gegeben, nachdem nach zwei Jahrzehnten Regentschaft von Andre Fabre das Championat von Alain de Ruyer-Dupre gewonnen worden war. Einen nicht unerheblicher Anteil an der für das Championat entscheidenden Gewinnsumme steuerte die ungeschlagene Zarkava bei, die in der ebenso noch ohne Niederlage befindlichen Stacelita scheinbar eine würdige Nachfolgerin gefunden hat.
Womit dann auch die Brücke zu Jean-Claude Rouget geschlagen wäre, denn dieser zeichnet für die in fünf Rennen unbesiegte und aus kleinen Anfängen zur Diane-Siegerin aufgestiegene Monsun-Tochter verantwortlich. Dass dann auch die Zweite dieses Rennens, Tamazirte, aus dem Rouget-Stall kam, passte hervorragend ins Bild eines von Erfolg zu Erfolg eilenden Mannes und seines Jockeys, dem hervorragenden Christophe-Patrice Lemaire, dem derzeit alles zu gelingen scheint, dies allerdings über einen langen Zeitraum bereits.
Elf Erfolge in Gruppe-Rennen stehen in diesem Jahr bereits für den Mann aus Pau am Fuße der Pyrenäen zu Buche, wobei er am vergangenen Sonntag nur sieben Tage nach seinem ersten klassischen Sieg, nämlich dem von Le Havre im Derby, mit dem Doppeltreffer im Prix de Diane das nächste Ausrufezeichen setzte. Wer derart aktuelle Erfolge vorweist, ist auch ein Mann für die englische Rennsportszene. So ist man dort sehr gespannt, ob der Siegeszug der Rouget-Pferde auch anlässlich des Meetings in Ascot seine Fortsetzung findet.
Mit dem vierjährigen Never On Sunday, der mit dem Prix d‘Ispahan sein siebtes von zehn Rennen gewann, und Elusive Way, der jederzeit souveränen Siegerin der Poule d‘Essai des Pouliches, hat er zwei heiße Eisen im Feuer für die Prince of Wales‘ s Stakes bzw. zwei Tage später für den Coronation Cup. Neuland wäre ein Erfolg auf englischem Boden keineswegs, denn 2007 stellte Rouget mit Literato immerhin den Sieger in den Champion Stakes und damit in einem renommierten Gruppe-I-Rennen.
Jean-Claude Rouget, Sohn des erfolgreichen Trainers Claude Rouget und in Lisieux geboren, machte seine Erfahrungen als junger Trainer u. a. bei Aufenthalten bei den englischen Trainern Ian Balding und Paul Cole, wie er auch eine Zeitlang bei Freddie Palmer in Chantilly tätig war. Durch die Erfolge eines Millkom, der 1994 im Prix Jean Prat und dem Grand Prix de Paris sowie ein Jahr später auch in den Man o‘ War Stakes triumphierte, wurde er erstmals einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.
Mit Millkom verbindet der 55-jährige allerdings auch seine größte Enttäuschung der Karriere und bezieht sich dabei auf die Tatsache, dass sein Crack nach zehn Siegen in Folge nicht im Prix de l‘ Arc de Triomphe auch den elften Treffer landete.
Rund 220 Pferde betreut Rouget auf seinem Trainingszentrum, das zunächst für seine Hindernisabteilung bekannt war. Von 1973 bis 1978 übersiedelte Rouget mit seinen Pferden während der Wintermonate regelmäßig nach Pau, um später den gesamten Komplex aufzukaufen und dort eine neue Existenz mit zehn Pferden zu starten. „Pau verfügt über alles, was der Mensch, aber auch ein Pferd benötigt. Perfektes Klima, hohe Lebensqualität, Wir haben ausgezeichnete Allwetter-, Dirt- und Grasbahnen, während die nahe gelegenen Rennbahnen Bordeaux und Toulouse ebenfalls hohen Standard besitzen“, so der designierte Championtrainer, der nur eines bedauert.
Nämlich, dass er so viel reisen muss. Wie er angab, sind es rund 150 Flüge und über 100.000 Kilometer im Auge, die er pro Saison absolviert. Es kommt oft genug vor, dass man fünfzehn Pferde auf verschiedenen Rennbahnen Frankreichs im Einsatz hat. 55 Personen umfasst die Mannschaft, die im Frühjahr schon einmal auf ihren Chef verzichten musste, als dieser im April wegen einer Operation im Krankenhaus weilte. Offensichtlich hatten die Strapazen ihren Tribut gefordert.
„Gesundheit ist das höchste Gut, ob du nun das Derby gewinnst oder nicht, macht dann auch keinen großen Unterschied. Wenn man gesund ist, kann man all diejenigen Dinge tun, die man liebt. Ich hoffe, dass mir dies auch noch zehn bis fünfzehn Jahre vergönnt ist“, meinte Rouget, der nicht nur viel vom Trainieren versteht, der auch ein exzellentes Auge für Pferde bei Auktionen besitzt.
Le Havre ist nur eines von zahlreichen Pferden, die er vor allem bei der Arqana-Auktion entdeckte und dann seinen Besitzern empfahl. Gut essen gehen mit Freunden, wo bevorzugt Fisch, Lobster und Gerichte mit Ente gewählt werden, zählt ebenso zu seinen Hobbies wie Golf und der Besuch einer Bar.













