Die BBAG-Jährlingsauktion war von einem deutlichen Gefälle zwischen den Preisen am oberen und unteren Ende markiert. Letzteres war natürlich ganz besonders käuferfreundlich, denn es waren wirklich gut gezogene und gut aussehende Pferde im unteren Preis-Segment zu haben. So war die Auktion zum Auftakt am Freitagabend mit dem ersten Teil der Versteigerung von einem angesichts der angespannten Lage im deutschen Rennsport auch erwarteten schwierigen Start gezeichnet, bei dem die Preise mit Sicherheit für viele Züchter nun wahrlich nicht optimal waren.
Geschäftsführerin Carola Ortlieb war trotz einiger Enttäuschung dennoch hoffnungsvoll für den zweiten Tag. „Wir waren schon etwas enttäuscht, vor allem bei dem Zulauf im Vorfeld, aber wir hoffen auf morgen und auch auf etwas realistischere Preisvorstellungen bei den Verkäufern.“
Den Höchstpreis des ersten Tages erreichte mit 61.000 Euro das vom Gestüt Isarland angebotene Lot 60, welches an Jürgen Albrecht ging, der im Auftrag von Rashit Shaykhutdinovs R+B International handelte. Montenegra ist eine Tochter des Champion-Meilers Desert Prince aus der Königsstuhl-Stute Moricana als Dreiviertelschwester des Ausnahme-Hengstes Monsun. Der vom Gestüt Brümmerhof im Kundenauftrag angebotene Lando-Sohn Prince Glory (Lot 71) als rechter Bruder des Grossen Preis von Baden-Siegers Prince Flori ging für 58.000 Euro an den Stall Le Vite, während Gestüt Wittekindshofs Katalognummer 79, der Tiger Hill-Sohn Swinging Tiger aus der Gruppesiegerin Saldenschwinge für 55.000 Euro Götz Meyer zu Reckendorf zugeschlagen wurde.
Saldenschwinge interessiert dabei als Halbschwester der von Tiger Hill stammenden Klassestute Saldentigerin. Ebenfalls 55.000 Euro betrug der Preis für die Lotnummer 43 für welche die BBA Germany den Zuschlag erhielt. Die vom Gestüt Elsetal angebotene Big Shuffle-Tochter Königin Concorde ist eine rechte Schwester der Gruppesieger König Turf und König Shuffle aus der Linie des Triple Crown-Siegers und Champion-Vererbers Königsstuhl. Dirk Eiseles BBA Germany hatte bei 46.000 Euro auch das letzte Gebot für Gestüt Brümmerhofs Lot 23, einen Cape Cross-Hengst aus einer Barathea-Halbschwester des Top-Stehers Darasim aus der direkten Verwandtschaft der in 2009 zweimal auf oberstem Level erfolgreichen Singspiel-Tochter Dar Re Mi.
Der Green Desert-Sohn Cape Cross ist ganz besonders als Erzeuger des derzeitigen Top-Dreijährigen Sea The Stars aktuell. Das Gestüt Etzean verkaufte die Lotnummer 87, den Hengst Tower Of England aus dem ersten Jahrgang des Gruppe I-Siegers Lord of England und Halbbruder der Stakes-Sieger Tareno und Timos für 46.000 Euro an Thierry Doumen, der für den Bruder Timos nur lobende Worte hatte. Die Lotnummer 20 aus dem Angebot des Gestüt Fährhof kostete den Schweizer Andi Wyss 40.000 Euro. Es handelt sich dabei um einen Big Shuffle-Hengst aus einer Caerleon-Tochter der doppelten klassischen Siegerin Comprida.
Die BBAG-Jährlingsauktion wurde am Samstagmorgen fortgesetzt und entwickelte sich zusehends den Umständen entsprechend positiv mit allen Möglichkeiten für die Käufer. Das obere Ende des Marktes erwies sich mit neun Zuschlägen oberhalb der 100.000-Marke als recht gut gesichert und auch am unteren Ende gab es regen Handel, aber der für die Züchter und Verkäufer so wichtige Mittelmarkt blieb erwartungsgemäß leider wieder völlig aus. Insgesamt sollte man jedoch versuchen trotzdem ein überwiegend positives Fazit ziehen, denn das ausländische Interesse war erneut stark und die Anbieter hatten fast durchweg sehr realistische und den Umständen angepasste Preisvorstellungen.
Carola Ortlieb konstatierte: „Die Top-Preise waren da, aber der Mittelmarkt ist völlig weggebrochen. Das war ja irgendwie zu erwarten, und die meisten Anbieter haben sich dann auch entsprechend verhalten, was für die Käufer gut war.“ Den Top-Preis der Auktion erzielte mit 240.000 Euro die Katalognummer 225 aus dem Angebot des Gestüts Brümmerhof. Jürgen Albrecht erwarb diesen gut gemachten Monsun-Sohn aus der Doyoun-Stute Salka für den auf der Käuferseite und im Rennsport überhaupt stark engagierten R+B International. Salka kann aus einer Verbindung mit Monsun bereits die Winterkönigin Sorrent vorweisen.
Albrecht sicherte sich für 180.000 Euro auch die Lotnummer 229 namens Sanogo als Hengstangebot aus dem ersten Jahrgang des Monsun-Sohnes Shirocco. Der vom Gestüt Hof Vesterberg offerierte sehr athletische Hengst ist ein Halbbruder des klassischen Siegers Santiago sowie des aktuellen Derby-Zweiten Sordino, der den Monsun-Sohn Samum zum Vater hat. Ebenfalls 180.000 Euro kostete die vom Gestüt Auenquelle angebotene Nummer 150, die Mirec Rulec im Kundenauftrag ersteigerte. Die Lando-Stute mit Namen Global Magic ist eine Tochter der Darshaan-Stute Goonda als Dreiviertelschwester der Slip Anchor-Stute Gonfalon, die in Verbindung mit Lando die Gruppe I-Siegerin Gonbarda brachte. Es handelt sich hierbei um die Linie der Auenqueller Stammstute Grimpola, die international durch den diesjährigen Irish Derby-Sieger Fame And Glory profiliert ist.
Sheikh Hamdan als Maktoums Shadwell Estate zeichnet als Käufer von Lot 117, einem Hengstangebot von Ronald Rauscher. Der kompakte Tertullian-Sohn ist ein rechter Bruder der auch in den USA und Kanada erfolgreichen Stute Big Bertha, wobei auch die nächsten beiden Mütter Birthday Fever und Birthday Love als Gruppesiegerinnen profiliert sind. Shadwell Estate erwarb auch die vom Gestüt Karlshof offerierte Lotnummer 274 für 130.000 Euro. Aqua Ardens ist ein Sohn des in Shadwell stationierten Gulch-Hengstes Nayef und wurde aus einer Vollschwester des mehrfachen Gruppesiegers Aolus gezogen.
Die nächste Mutter ist die Surumu-Stute Asuma als Tochter der Championstute Arva, die auch Asumas rechen Bruder Arvan brachte. War Artists Eigner Rupert Plersch hatte bei 150.000 Euro das letzte Gebot für Lot 260 aus dem Aufgebot des Gestüts Fährhof. Der junge Hengst ist ein Sohn des profilierten Nachwuchsbeschälers Königstiger aus der klassischen Siegerin Win For Us als Tochter des Champions Surumu. Win For Us ist eine Halbschwester zu zwei Gruppesiegern, wobei Surumu und auch seine Söhne Platini und Acatenango sich sehr erfolgreich mit dieser Linie vererbt haben.
Für die von Albert Steigenberger angebotene Lotnummer 181 fiel der Hammer bei 120.000 Euro zugunsten von Rüdiger Alles. Der Sohn des in Epsom Derby und Irish Derby nicht zu schlagenden Sadler‘s Wells-Hengstes High Chaparral ist der Erstling der Selkirk-Stute Minor Point als Tochter der gruppeplatzierten Selkirk-Stute Minority, die in Verbindung mit dem Sadler‘s Wells-Sohn Beat Hollow die 2008 als zweijährige Gruppe I-Siegerin profilierte Proportional brachte. Rüdiger Alles erwarb vor allem auch den vom Gestüt Wittekindshof angebotenen, sehr attraktiven Oratorio-Sohn Technokrat (Lot 245) als Dreiviertelbruder im Blut zu dem Champion Tiger Hill.
Nochmals 120.000 kostete die Nummer 182, der vom Gestüt Auenquelle offerierte Big Shuffle-Hengst Molly Master als Vollbruder der Gruppesieger Molly Art und Molly Max, für den ein weiteres Mal Jürgen Albrecht als Käufer zeichnete. Die Mutter des jungen Hengstes ist eine Halbschwester der ebenfalls von Big Shuffle stammenden TNT Cup-Gewinnerin Molly Mello. Bei 80.000 Euro hatte John Ferguson das letzte Gebot für Gestüt Römerhofs Lot 255, einen gut gemachten Hengst aus dem ersten Jahrgang des Monsun-Sohnes Shirocco. Der junge Hengst ist ein Halbbruder der im klassischen Premio Regina Elena erfolgreichen Platini-Tochter Windhuk und der mehrfach gruppe- und listenplatzierten Whispered Dreams aus der direkten Verwandtschaft zu dem brillanten Zweijährigen Western Star.
Bei 70.000 Euro fiel der Hammer zugunsten von Börje Olsson für die von Graf und Gräfin Stauffenberg offerierte Lotnummer 265. Die Stute Zahra ist ein weiterer Shirocco-Nachkomme als Habschwester des von Acatenango stammenden schwedischen Derby-Siegers Zenato aus einer Halbschwester des Gruppe I-Siegers Mutamam und aus der Linie des Klassehengstes Mtoto. Besonderen Eindruck machte auch Gestüt Etzeans Lotnummer 204. Selbstbewusst präsentierte sich der Sholokhov-Hengst World Star im Ring. Der gut gemachte Fuchshengst ist ein Sohn der Listensiegerin Wonderful Dreams, die u.a. auch seinen Vollbruder World Cup brachte. Die Dashing Blade-Stute Wonderful Dreams ist eine rechte Schwester der Hengste Wonder Of Dashing und Winning Dash aus der klassisch platzierten Surumu-Stute Wonderful Lady als Halbschwester u.a. des weiteren Dashing Blade-Nachkommen Wind Of Chance.
Jürgen Albrecht und sein Hauptkunde Rashit Shaykhutdinovs R+B International waren am Ende der führende Käufer gefolgt von Shadwell Estate und Dirk Eiseles BBA Germany.
Bei den Verkäufern hatte das Gestüt Fährhof knapp die Nase vorn vor Gestüt Brümmerhof gefolgt von den Gestüten Karlshof und Etzean.
Die Liste der Vaterpferde wird angeführt von dem Monsun-Sohn Shirocco mit seinem ersten Jahrgang vor seinem Vater Monsun, Big Shuffle und dem weiteren Monsun-Sohn Samum. Auf den folgenden Rängen sah man Night Magics Erzeuger Sholokhov, den Acatenango-Sohn Lando, den viel versprechenden Nachwuchsbeschäler Königstiger und den gut angenommen Isarländer Deckhengst Desert Prince. Die Gesamtzuschläge erreichten für 322 Pferde (2008: 324) eine Summe von 6.415.500 Euro (7.468.500) was einem Durchschnittspreis von 23.245 Euro (30.484) und einem Median von 22.527 Euro (28.747) entspricht, wobei wie in den Jahren zuvor die Rückkäufe mit eingerechnet sind.











