Die deutsche Zucht setzt auch weiterhin deutliche Akzente im internationalen Rennsport. Aus hiesiger Sicht brachte vor allem das vergangene Wochenende wahrlich sensationelle Ergebnisse. Aktuell führen der Sieger und der Zweitplatzierte im Epsom Derby in England, der französische Derby-Sieger sowie eine in Frankreich bereits als Gruppe I-Siegerin profilierte Stute deutsches Blut in ihren Adern. Der zuvor in den English 2000 Guineas erfolgreiche Sea The Stars brillierte bei seinem Sieg im Epsom Derby und erinnert in seiner Art zu laufen ein wenig an den großen Lombard, den er in der dritten Generation in seinem Pedigree führt.

Der Schlenderhaner Fuchshengst Lombard konnte 1970 die German 2000 Guineas sowie das Deutsche St. Leger für sich entscheiden und war Zweiter im Deutschen Derby. Sollten sich Sea The Stars Besitzer dazu durchringen können, so wäre der Hengst sicher ein interessanter Kandidat für die englische Triple Crown, die zuletzt 1970 von Nijinsky gewonnen wurde.

Sea The Stars Vater Cape Cross brach 1998 in den zur Gruppe I zählenden Lockinge Stakes über 2000m den Bahnrekord und triumphierte über die Meile in den Queen Anne Stakes und der Celebration Mile. Er ist ein Sohn des Top-Sprinters und profilierten Hengste-Vererbers Green Desert als dem nach Danehill besten Sohn von Danzig. Auch mütterlicherseits kann Cape Cross nur beste Referenzen vorweisen. Seine Mutter ist die Klassestute Park Appeal, denn die Ahonoora-Stute konnte zweijährig auf oberstem Level die Moyglare Stud Stakes und Cheveley Park Stakes für sich entscheiden. Park Appeal brachte sechs Stakes-Pferde und die Sadler’s Wells-Stute Arvola als Mutter des vierfachen Gruppesiegers und erfolgreichen Deckhengstes Diktat.

Diktat stellte in Deutschland in 2009 die Gruppesieger Addicted und Contat. Park Appeal ist eine Halbschwester der Irish Oaks-Siegerin Alydaress sowie zu Desirable als Mutter der u.a. in den English 1000 Guineas erfolgreichen Championstute Shadayid. Für Cape Cross ist Sea The Stars nach der 2004 in den Epsom Oaks und Irish Oaks erfolgreichen Klassestute Ouija Board der zweite klassische Sieger in Europa.

Der von Sunderland Holdings gezogene Sea The Stars ist das zehnte Fohlen der Miswaki-Stute Urban Sea. Die 1989 gezogene Fuchsstute war ein spätreifer Typ. Dreijährig war sie auf Gruppe-Parkett Zweite in den E.P. Taylor Stakes und Dritte in Prix Vermeille sowie den German 1000 Guineas. 1993 ging der Stern der Fuchsstute so richtig auf. Sie gewann den Prix Exbury und den Prix Gontaut-Biron bevor sie im Oktober den Prix de l’Arc de Triomphe für sich entscheiden konnte. Die Stute blieb auch fünfjährig im Training und erreichte im Prix d’Harcourt ihren vierten Gruppesieg. Urban Sea war eine erstklassige und auch harte Rennstute, in der Zucht vermochte sie nicht nur nahtlos an diese Erfolge anzuknüpfen, vielmehr ist es wohl kaum vermessen zu behaupten, dass sie diese noch bei weitem zu übertreffen wusste.

Urban Seas Erstling ist der in den Gallinule Stakes als Gruppesieger bewährte Bering-Sohn Urban Ocean. Es folgte die Lammtarra-Stute Melikah. Diese gewann auf Listen-Ebene in Newmarket die Pretty Polly Stakes und war Zweite in den Irish Oaks sowie Dritte in den Epsom Oaks. Urban Seas drittes Fohlen ist der Sadler’s Wells-Sohn Galileo, der zum ersten Epsom Derby-Sieger für seinen Vater wurde. Der inzwischen auch als Top-Vererber bewährte Galileo siegte dreijährig noch im Irish Derby und kam in den King George VI & Queen Elizabeth Diamond Stakes auch gegen die älteren Pferde leicht zum Zuge. Galileos rechter Bruder Black Sam Bellamy war als Youngster bereits Dritter im Criterium de Saint-Cloud und konnte in den nächsten beiden Jahren mit dem Gran Premio del Jockey Club und dem Tattersalls Gold Cup zwei Gruppe I-Prüfungen für sich entscheiden.

Die 2001 gezogene Stute All Too Beautiful war Urban Seas viertes Sadler’s Wells-Produkt in Folge. Die so passend benannte Stute gewann auf Gruppe-Parkett die Middleton Stakes und war Zweite in den Epsom Oaks. Urban Seas siebtes Fohlen ist die Giant’s Causeway-Tochter My Typhoon, die drei- bis fünfjährig bei acht Siegen in den USA sechs Grupperennen gewann mit dem zur Gruppe I zählenden Diana Handicap an der Spitze. Urban Seas von Cape Cross Vater Green Desert stammende Tochter Cherry Hinton lief in den Kilboy Estate Stakes listenplatziert und war Fünfte in den Epsom Oaks. Sea The Stars markiert den sechsten Gruppesieger sowie den vierten Gruppe I-Sieger für seine Mutter.

Urban Sea ist in der Geschichte des Epsom Derby die siebte Stute der es gelungen ist zwei Sieger in diesem Klassiker zu stellen. Urban Seas Vermächtnis ist ein Hengstfohlen von dem Green Desert-Sohn Invincible Spirit, die Stute ging leider bei der Geburt verloren. Urban Sea ist die beste Tochter der Schlenderhaner Lombard-Stute Allegretta, die 1981 auf den Newmarket December Sales verkauft wurde und eine weltweit blühende Linie gründete. Allegretta brachte zwei weitere Gruppesieger inklusive des auch als Deckhengst erfolgreichen English 2000 Guineas-Siegers King’s Best und zählt weltweit insgesamt neun individuelle Gruppe I-Sieger zu ihrer direkten und indirekten Nachzucht.

Der im Epsom Derby zweitplatzierte Hengst Fame And Glory war bis dahin ungeschlagen. Er konnte zwei- bis dreijährig drei Grupperennen gewinnen und ist ein Sohn des Sadler’s Wells-Hengstes Montjeu. Montjeu stellte mit Hurricane Run und dem vorjährigen Gewinner Frozen Fire bereits zwei Sieger im Irish Derby, die beide in Deutschland gezogen wurden. Der so passend benannte Fame And Glory ist ein Sohn der Shirley Heights-Stute Gryada, die auch als Großmutter der vorjährigen Lillie Langtry Stakes-Siegerin Gravitation zeichnet. Gryadas Mutter ist die Auenqueller Windwurf-Stute Grimpola, die 1985 die German 1000 Guineas gewinnen konnte.

Noch im gleichen Jahr wurde sie von Leslie Harrison für Lord Howard de Waldens Plantation Stud bei Newmarket erworben und erwies sich als Mutterstute von Format mit aktuell sieben Gruppesiegern unter ihrer gesamten indirekten Nachzucht. Dazu gehören auch die Gruppe I-Siegerin Gonbarda sowie die in 2008 im zur Gruppe III zählenden RaceBets.com Frankfurter Stutenpreis erfolgreiche Black Sam Bellamy-Tochter Goathemala. Grimpola interessiert zudem als Halbschwester der Pentathlon-Stute Goldene Aue, die ihrerseits als Großmutter des diesjährigen Prix Noailles-Siegers Grandcamp zeichnet.

Nächste Renntage

Galopprennen in Deutschland
Fr., 10.07.Saarbrücken
Sa., 11.07.Köln
So., 12.07.Mülheim
Sa., 18.07.Bad Harzburg
So., 19.07.Berlin-Hoppegarten, Bad Harzburg
Do., 23.07.Bad Harzburg
Galopprennen in Frankreich
Fr., 10.07.Compiegne, Dieppe
Sa., 11.07.Clairefontaine, La Teste
So., 12.07.Deauville
Mo., 13.07.Dieppe
Di., 14.07.Longchamp, Aix les Bains, Vittel
Mi., 15.07.La Teste, Clairefontaine