STORY: AUF DER STRASSE DES ERFOLGES

Am vergangenen Samstag in Leipzig war es der vierjährige El Vettorio, der den Ausgleich I und damit im Höhepunkt der gesamten Saison gewann. Vier­und­zwan­zig Stunden später sollte der ein Jahr ältere König Turf folgen, der mit der Europa Meile sogar ein Gruppe-II-Rennen zu seinen Gunsten entschied und der laufenden Saison für seinen Besitzer, den Stall Route 66, ein weiteres Glanzlicht aufsteckte.

„Trainer Christian Sprengel und ich hegen schon seit längerem den Plan, einmal die berühmte Route 66 in Amerika zu befahren, wahrschein­lich schieben wir das aber so lange heraus, bis es dann nicht mehr geht“, meinte Josef Hellmich, der ein Cafe auf dem Markt­platz in Goslar mit Lebensgefährtin Ute Bestmann führt und erklärt da­mit, wie es zu diesem Stallnamen gekommen ist.

Seppl, wie er zur Unterscheidung zu sei­nem Sohn, der ebenfalls Josef heißt, nur Seppi gerufen wird und ebenfalls Mitglied in der Stall­ge­mein­schaft ist, stammt aus Schlesien. Schon in jungen Jahren hat er in Begleitung seines Vaters Be­kannt­schaft mit dem Rennsport gemacht, ist seit Jahren mit Herz und Verstand dabei und war ein paar Mal in Amerika, mag die Leute und die große Weite. Der Verstand sagt ihm, alles, was die Pferde betrifft, dem Trainer zu überlassen, denn „Christian ist der Fachmann, ein sehr guter sogar, bei dem wir uns bestens aufgehoben fühlen, was die Erfolge ja auch zum Ausdruck bringen.“

Be­gonnen hat­te die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen den Goslarern und dem Hannoveraner Trai­ner im Jahr 2003, als König Turf auf der Iffezheimer Herbst-Auktion für 19.000 Euro von Christian Sprengel erwor­ben wurde. Diese Vorgehensweise wurde in den folgenden Jahren immer treu bei­be­halten. Der Trainer sichtet und sucht aus, Ute Bestmann und die Hellmich zahlen und landen Voll­treffer, was zu einem wie Seppl Hellmich, der einst Boxen als Hobby betrieb, natürlich passt.

„Beim Kauf von König Turf war ich per Handy dabei“, erinnert sich Seppl Hellmich noch genau an die Aktion, als das erste Pferd erstanden wurde. Als er sich mit dem Gedanken eines Kaufs trug, stand gleichzeitig die Frage nach dem Trai­ner im Raum. Man hat lange überlegt, entschied sich dann für Christian Sprengel, denn „er ist der Beste, verfügt über viel Sachverstand, kann über eine ganze Saison ein Pferd in Form halten und vermag es nicht zu überpacen.

Wenn er mir wie am Samstag nach dem Leipziger Sieg sagt, dass El Vetto­rio Listen-Format besitzt und Aturo dasselbe, wahrscheinlich sogar Gruppe-Format hat, dann neh­me ich ihm das ab, denn er ist der Fachmann. Als die ersten Erfolge publik wurden, meinten etliche zu mir, dass ich viel Ahnung haben müsse. Meine Ahnung besteht aber darin, dass ich keine Ah­nung habe. Der Trainer ist der Mann für derartige Dinge. Deshalb habe ich auch zu Christian ge­sagt, manage die Pferde so, als gehörten sie dir.“

Das Vertrauen zu Christian Sprengel ist riesig. Wenn dieser nicht von einem Pferd nicht überzeugt ist, wird es nicht gekauft. „Er ist kein Trainer, der einem ein Pferd auf Biegen oder Brechen andreht, sondern eine ehrliche Haut.“

Nachgedacht hat man auch über eine Zeit nach einem König Turf, und wer sein Nachfolger werden könnte. „Nach Köln kamen Angebote, eines in sechsstelliger Höhe. Ich bin auch Kaufmann und weiß, wie die Preise sind. Bei einem entsprechenden Angebot werden wir ihn auch verkaufen und das Geld wieder in den Rennsport investieren. Zudem wird er immer interessanter als Deckhengst.“ In puncto Nachfolger denkt man vor allem an Aturo. In Leipzig lief er nach dem Motto „Flasche leer“, wie Hellmich erklärte, doch hat man noch Pläne für das laufende Jahr, möglicherweise sieht man ihn sogar am 2. Dezember auf der Neusser Sandbahn zum Auktionsrennen.

„Vierjährig wird er eine Granate, hat mir z. B. Torsten Mundry gesagt und auf auf dessen Wort gebe ich einiges.“ Wenn Mundry bei Sprengel aus­rei­tet, ist Seppl Hellmich nach Möglichkeit dabei, ein- zweimal im Monat ist dies der Fall, wäh­rend die Meetings in Hamburg oder Iffezheim zum Standardprogramm gehören, sofern das Cafe, das sie­ben Tage in der Woche geöffnet ist, dies zulässt.

„Er sagt mir, wann und wo die Pferde laufen, was soll ich ihm erzählen“, meint Seppl Hellmich auf die Frage, ob das Management der Pferde gemeinsam gemacht wird oder ganz beim Trainer liegt. Vertrauen kennzeichnet halt das Verhältnis, das nach der Verletzung und der Pause von König Turf noch verstärkt wurde. „Christian riet zur Ruhe, ließ ihn richtig auskurieren und hat im Grunde selber die Reha mit dem Hengst gemacht. Ich habe noch die Bilder vor Augen, wie er tagtäglich König Turf wie ein Hund an der Leine auf der Rennbahn ausgeführt hat und das stundenlang, einfach top. Das Ergebnis sehen wir ja jetzt, welche Leistungen er mit den Schrauben im Bein abliefert.“

Kein Wunder also, dass er das Verhältnis zu Christian Sprengel „wie zu einem Bruder“ bezeichnet. Der so gelobte Trainer gibt den Ball zurück, wenn er anmerkt, dass es doch ein Traum für jeden Trainer sein muss, einen Besitzer zu haben, der dem Fachmann die Arbeit überlässt und sich nicht in dessen Tun einmischt.

Knapp 160.000 Euro haben König Turf, El Vettorio und Aturo in die­sem Jahr für den Stall Route 66 verdient. Eine, die noch keinen Cent zu dieser Summe beisteuern konnte, ist die zweijährige New Desert, das Nesthäkchen im Auf­gebot. Möglicherweise wird das Debut in wenigen Tagen vollzo­gen. Es wäre sicherlich auch keine Überra­schung, wenn die Stute bei ihrem ersten Auftritt zeigt, dass auch sie sich auf der richtigen Route be­fin­det.

Nächste Renntage

Galopprennen in Deutschland
Sa., 30.05.Leipzig
So., 31.05.Düsseldorf
Do., 04.06.Baden-Baden
Sa., 06.06.Baden-Baden
So., 07.06.Baden-Baden
Galopprennen in Frankreich
Di., 26.05.Auteuil, Evreux