Man wusste um die Höhe seines Alters, aber dennoch kam die Nachricht vom Tode Hans-Dietrich Genschers am Freitagmittag für Viele überraschend. Im gesegneten Alter von 89 Jahren verstarb der Alt-Bundesaußenminister und einer der größten Staatsmänner, die Deutschland je besaß, an Herz- und Kreislaufversagen. Deutschland und die Welt trauert um einen außergewöhnlichen Menschen und Politiker.
Der langjährige FDP-Chef gestaltete vor allem in seiner Zeit als Bundesaußenminister in der Zeit von 1974 bis 1992 von der deutschen Hauptstadt Bonn aus Weltpolitik. Unvergessen auch sein Auftritt im September 1989 in der Prager Botschaft, als er den aus der DDR geflüchteten tausenden Menschen verkündete, sie könnten nun ungehindert ihre Reise in den Westen fortsetzen. Für den gebürtigen Hallenser an der Saale sei dies, so Genscher später, sein größter emotionalster Moment in seiner so langen Laufbahn als Weltpolitiker gewesen.
Vielen Rennsportfreunden ist aber auch bekannt, dass Hans-Dietrich Genscher ein Freund des Galopprennsports war. So war er zum Beispiel 1975 erstmals als Gast beim Preis von Europa anwesend. Es gewann Ravensbergs Windwurf. Es war auch das Jahr, als Hans-Dietrich Genscher seine weltberühmte Rede vor der UNO in New York gehalten hatte.
Vor fünf Jahren, 2011, folgte er erneut einer Einladung des Kölner Renn-Vereins und besuchte den Renntag um den Preis von Europa, der an Godolphins Campanologist ging. Hans-Dietrich Genscher meinte im Weidenpescher Park. „Solch ein Pferdeereignis und solch eine tolle Anlage, wie ich sie 1975 erlebt habe, vergisst man nicht. Ich bin froh, dass ich heute erneut Gast zum Preis von Europa sein darf.“ Nun hat der Mann, der Geschichte schrieb und Deutschland prägte, für immer die Augen geschlossen.
Es war in den siebziger, achtziger Jahren keine Seltenheit, dass große Staatsmänner zu Gast auf deutschen Rennbahnen waren. Auch Helmut Schmidt oder Helmut Kohl besuchten als Bundeskanzler den Derby-Tag in Hamburg, wie auch Richard von Weizsäcker als Bundespräsident in Horn am Derby-Tag zu Gast war. Der damalige Bundeskanzler Ludwig Erhard war sogar am Renntag um den Großen Preis von Krefeld im Stadtwald zu Gast. Unvergessen auch der Besuch von Englands Premier Sir Winston Churchill in den fünfziger Jahren auf dem Düsseldorfer Grafenberg. Nicht zu vergessen, dass Hans-Dietrich Genschers langjähriger FDP-Weggefährfte und ebenfalls frühere Außenminister Walter Scheel einige Jahre dem Direktorium für Vollblutzucht und Rennen als dessen Präsident vorstand.












