Das Warten hat ein Ende. Am Sonntag, wenn alles nach Plan läuft, um 16.55 Uhr, öffnen sich die Boxen für das IDEE 149. Deutsche Derby. Mit 14 Pferden geht das kleinste Starterfeld seit 2012 auf die 2400 Meter-Distanz, Gäste aus dem Ausland gibt es in dieser Saison auch nicht, dafür aber einen Favoriten, dessen Position quasi seit Monaten in Stein gemeißelt ist: Royal Youmzain. Dass Jaber Abdullahs Youmzain-Sohn, dessen Vater dreimal Zweiter im Prix de l’Arc de Triomphe war, seit Monaten in exponierter Favoritenposition für das „Blaue Band“ steht, mag zum einen dem Aus von anderen Stars des Jahrgangs, wie dem Winterfavoriten Erasmus, dem Derby-Trial-Sieger Balmain, dem hochklassigen Alounak, oder seinem Trainingsgefährten, dem talentierten Lord Leoso, geschuldet sein, doch der Hauptgrund dafür, dass Royal Youmzain den Wettmarkt für das wichtigste Dreijährigenrennen beherrscht, ist die ausgewiesene Klasse des Wöhler-Schützlings.
Bereits als Zweijähriger zeigte der Hengst sein überdurchschnittliches Talent, scheiterte beim Debüt nur an der später im Zukunftsrennen auf Gruppe-Parkett erfolgreichen Narella, um dann gegen Pferde wie Emerald Master und den späteren Winterfavoriten Erasmus seine Maidenschaft abzulegen. Im Düsseldorfer Junioren-Preis musste er sich auf Listenebene knapp dem bereits erwähnten Alounak geschlagen geben, dann folgte im Gran Criterium, der Gruppe II-Prüfung in Mailand bereits der erste Gruppetreffer. Siege im Bavarian Classic, in dem er fünf seiner 13 Derby-Konkurrenten hinter sich ließ, und aus sicher nicht einfacher Position noch gewann, sowie im Ittlingen Derby-Trial, in dem er sich spielend leicht der Konkurrenz entledigte, ließen seinen Kurs im Festkurswettmarkt der Buchmacher weiter in den Keller gehen. Und so ist Royal Youmzain, auf dem Eduardo Pedroza endlich seinen ersten Derbysieg perfekt machen will, im Derby das Pferd, an dem sich alle orientieren müssen. Für seinen Besitzer Jaber Abdullah muss Royal Youmzain einfach nur einen Platz besser abschneiden als der ebenfalls von Andreas Wöhler trainierte Baroon, der 1997 als Zweiter nur an der großen Borgia scheiterte.
Aber dennoch muss es am Sonntag nicht zwingend einen erneuten Spaziergang für den Favoriten geben, denn im Oppenheim-Union-Rennen, das immer noch als die bedeutendste Derby-Vorprüfung gilt, haben sich zwei ernsthafte Herausforderer für Royal Youmzain herauskristallisiert. Weltstar und Destino. Das Duo aus dem Stall von Championtrainer Markus Klug machte in der Kölner Gruppe II-Prüfung richtig Eindruck. Nobel gezogen sind sie beide. Weltstar, der auch der Ritt von Stalljockey Adrie de Vries ist, als Halbbruder des Vorjahressiegers Windstoß, und Destino als rechter Bruder des Galoppers des Jahres Dschingis Secret, der noch am vergangenen Sonntag in Horn den Großen Hansa-Preis gewann, und im bis heute (leider) umstrittenen Derby von 2015 den dritten Platz belegte. Bei beiden Hengsten dürfte die Frage nach dem Stehvermögen sicher mit „Ja“ beantwortet werden, und dass sie nicht aus der Art geschlagen sind, weiß man spätestens seit der Union.
Viele Außenseiter
Wer käme außer den drei Genannten noch für den großen Coup in Frage? Salve del Rio und Jimmu als Dritter und Vierter in der Union vielleicht, aber dann hört es auch schon fast auf. Ecco, dessen Halbbruder Enjoy Vijay vor zwölf Monaten als Zweiter im Derby seine beste Karriereleistung zeigte, hat sich zwar von Start zu Start verbessert, aber selbst weitere Steigerung garantiert nicht, dass der Asterblüte-Vertreter es auf das Podium schafft, auch wenn er mit Andrasch Starke natürlich den Derby-Jockey schlechthin im Sattel hat. Ansonsten fällt einem vielleicht noch Chimney Rock ein, der bis zum Ittlingen Derby-Trial ungeschlagen war, und sicher nicht an der dort gezeigten Form zu messen ist. Doch was nützt alles Grübeln und Vorhersehen? „Wichtig ist auf dem Platz“, heißt es in einer Fußballfloskel, die sich auch auf den Turf übertragen lässt. Und dass da nicht immer alles wie am Reißbrett läuft, ist bekannt. Lassen wir uns überraschen, wer am Sonntag den Derby-Lorbeerkranz umgehängt bekommt.












