Wenn die Mitglieder des Münchener Rennvereins (MRV) am Dienstag zu einer außerordentlichen Versammlung zusammenkommen, ist die Lage vertraut und neu zugleich: Vertraut, weil der Verein als Betreiber der Galopprennbahn in Riem einmal mehr am finanziellen Abgrund steht; neu, weil der MRV diesmal tief gespalten ist. Denn die Versammlung hat ein Teil der Mitglieder erzwungen.
Ihr Ziel und einziger Punkt der Tagesordnung: Die Neuwahl des Gesamtvorstands und damit in erster Linie die Abwahl von Präsident Norbert Poth. Mit Dietrich von Boetticher tritt aller Voraussicht nach der Vorvorgänger des aktuellen Amtsinhabers als Gegenkandidat an, einer der bedeutendsten Züchter bundesweit.
Der momentane Streit der beiden Lager dreht sich in erster Linie um die Ursachen für die finanzielle Misere. So lautet das Fazit von Kassenprüfer Hermann Bauer in seinem Kassenbericht vom 10. Dezember: „Allem Anschein nach wurde hier gezielt und bewusst auf den Bankrott zugesteuert.“
Bauer und der ehemalige Vizepräsident Bernd Weiss, ein weiterer Wortführer der Anti-Poth-Fraktion, werfen dem amtierenden Vorstand vor, seit seinem Antritt im April 2010 rund 1,1 Millionen Euro ohne nachvollziehbare Gründe verbraucht zu haben. In einem „Bericht über die Prüfung der Wirtschaftlichkeit der Geschäftsführung“ vom 5. Januar bezieht sich der Kassenprüfer auf diese Summe und schreibt: „Meine mehrfachen Hinweise auf eine sparsame Vereinsführung wurden weder beachtet noch kommentiert.“
Tatsächlich war Poth mit dem Ziel angetreten die Zahl der Renntage zu erhöhen, die Rennpreise anzuheben und die Veranstaltungen auf der Bahn zu Großereignissen zu machen. Dass der Verein dringend Geld benötigt „und zwar jetzt“ (Poth), ist unumstritten.
Am Leben hält den MRV allem Anschein nach nur ein zinsloses Darlehen von Poths Vorgänger Wolfgang Wille, der dem Verein 300 000 Euro zugesichert hat. 100 000 Euro sind geflossen, bestätigt der Präsident. Bereits mehrfach hat Wille akute Finanznöte überbrückt. Von Verschwendung freilich will Poth nichts wissen.
Aus diesem Grund beauftragte er die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ALR mit einem unabhängigen Gutachten. Deren Fazit: Es seien „keine nennenswerten Feststellungen getroffen worden, die auf eine Unwirtschaftlichkeit der Geschäftsführung schließen lassen.“
Poth erklärt, sein Vorstand habe nicht über eine Million Euro verfügt. Darüber hinaus „haben wir einen Investitionsstau abgebaut, weil unsere Vorgänger nicht einmal das Dringlichste erledigt, sondern nur gespart haben“. Die Instandhaltungskosten habe er verdoppelt.
Als Beispiele nennt er die Sandfüllung der Trainingsbahn, die Glasreinigung an den Tribünen und die Wartung der Elektrik. Und natürlich seien „die Werbekosten gestiegen, weil wir zwei Renntage mehr veranstaltet haben“. Auch der Streit um das umstrittene Grundstücksgeschäft mit dem Investor Erich Schwaiger schwelt im Hintergrund weiter.
Im vergangenen Sommer hatte Poth versucht, einen etwa 40 Hektar großen Teil des Rennbahngeländes an Schwaiger zu verkaufen, dafür jedoch nicht die nötige Zustimmung der Mitglieder erhalten.
Da die Stadt plant, große Flächen im Münchner Osten zu Bauland zu entwickeln, sei der von Poth ausgehandelte Kaufpreis von rund 65 Millionen Euro zu niedrig, argumentieren seine Gegner. Dem Präsidenten zufolge hätte der Erlös dagegen das Überleben des MRV auf lange Zeit sicher gestellt. Obwohl der notariell beglaubigte Vertrag wieder aufgelöst wurde, sorgt nun eine zugunsten von Schwaiger eingetragene Grundschuld für Ärger.
Während Poth sagt, der Investor könne daraus resultierendes Geld ausschließlich dafür nutzen, um den Rennverein zu bezahlen, sehen Ex-Vizepräsident Weiß und sein Lager den MRV blockiert. „Solange die Grundschuld nicht gelöscht ist, können wir nicht über unser Grundstück verfügen.“ Gelöscht ist sie nicht, hat Poth erst am Mittwoch bei einem Pressegespräch bestätigt. Der Streit kann weitergehen.












