Es ist eines der ganz großen Treffen der deutschen Top-Galopper, wenn am Sonntag das 41. Oleander-Rennen in Berlin-Hoppegarten ansteht. Die Traditionsprüfung spricht die Top-Steher Deutschlands an, ist hierzulande der einzige Gruppetest für die Spezialisten auf der langen Strecke. 3200 Meter haben die neun Kandidaten zurückzulegen, galoppieren zunächst die 850 Meter lange Zielgerade herunter und kommen an den Zuschauern vorbei, ehe sie noch eine weitere Runde auf der Parkbahn zu absolvieren haben.
Erst dann ist der Sieger in der Gruppe III-Prüfung um 55.000 Euro ermittelt. Und am Start ist die Creme de la Creme der deutschen Topsteher, allen voran der amtierende Doppelsieger in dieser Prüfung, Tres Rock Danon. Der Hengst aus dem Stall von Waldemar Hickst gab sein Jahresdebüt im Prix Right Royal, einem Listenrennen über 3100 Meter in Saint-Cloud.
Allerdings überzeugte der Rock of Gibraltar-Sohn zu dieser Gelegenheit nicht ganz. Doch wird er sich am Sonntag in Berlin mit Sicherheit von ganz anderer Seite präsentieren. Alexander Pietsch heißt der Jockey des Vertrauens des Stalles D‘Angelo. Der Besitzer des Sechsjährigen nennt nur noch einige wenige Pferde hierzulande sein Eigen, allerdings hat man am „Steher-König“ Tres Rock Danon festgehalten.
Und das sollte schon ein Wort sein. Dass Tres Rock Danon hierzulande keinen Gegner zu fürchten hat, ist seit langem jedem deutschen Turffan klar. Doch auch er muss seine Vormachtstellung immer wieder aufs Neue unter Beweis stellen. Als Paradebeispiel dafür erweist sich die letztjährige Austragung des Oleander-Rennens.
Damals noch in Baden-Baden entschieden, musste der große Favorit weit mehr kämpfen als es ihm lieb gewesen wäre. Mit einem Kopf behielt er damals gegen den wie entfesselt aufdrehenden Earlsalsa und auch Flamingo Fantasy (eine dreiviertel Längen zurück) die Oberhand. „Er hat stark gekämpft, mochte den guten Boden aber nicht so sehr“, sagte sein Coach hernach. Der Zwei- und Drittplatzierte von 2011 sind auch am Sonntag wieder mit von der Partie.
Und der Weilerswister Magier Christian von der Recke hat sich für die neuerliche Auflage einen ganz besonderen Schachzug ausgedacht. Er verpflichtete für Stall Blankeneses Kingsalsa-Sohn Championjockey Filip Minarik. Allerdings ist es für Earlsalsa der erste Auftritt in diesem Jahr. Doch an mangelnder Fitness wird Earlsalsa sicher nicht scheitern, so viel ist bei Startern aus dem Recke-Stall gewiss.
Den richtigen Schliff für Sonntag holte sich Flamingo Fantasy vor ein paar Wochen in Berlin-Hoppegarten. Der Galopper aus dem Quartier von Sascha Smrczek siegte in einem harmlosen Altersgewichtsrennen als großer Favorit mit frappierender Überlegenheit und hat neuerlich Erfolgsmann Andrasch Starke im Sattel. „Er ist auf dem Weg zu alter Stärke“, versicherte der Düsseldorfer Trainer Sascha Smrczek zuletzt, „der Start in einem relativ leichten Rennen kam nur zustande, damit er wieder Vertrauen gewinnen kann“.
Das erste Grupperennen der Hoppegartener Rennsaison verspricht eine hoch interessante Angelegenheit zu werden, auch weil es mit Altano und Caudillo zwei klassische Sieger am Start sieht. Beide setzten sich im italienischen St. Leger durch, im letzten Jahr war es an dem so mächtig gesteigerten Altano, den Mailand-Klassiker zu gewinnen.
Allerdings fällt auf, dass Jozef Bojko im Sattel von Kings messenger sitzt und Altano von Rastislav Juracek gesteuert wird. Nach Reiterverteilung ist demnach der Samum-Sohn Kings messenger, rechter Bruder zu Derbysieger Kamsin und Halbruder der Gruppesiegerin Kapitale, das gemeinte Wöhler-Pferd.
Immer schon hielt Andreas Wöhler eine ganze Menge von Kings messenger, der sich nun offenbar so richtig gefunden zu haben scheint. In seiner Jugend war er häufig verletzt, doch hat er in Frankreich zuletzt starke Steigerung gezeigt.
So blieb er beim letzten Auftritt als Dritter im Prix Right Royal weit vor Tres Rock Danon. In Einstellung dieser Form wäre Kings messenger sogar ein Sieganwärter, zumal, wenn bedenkt, dass er zuletzt auch Caudillo und Lacateno in Saint-Cloud hinter sich ließ. Die bekannten Ittlinger Farben tragen werden gleich zwei Pferde im Oleander-Rennen.
Neben Lacateno, der vom Franzosen Johan Victoire geritten wird, ist auch Aviator im Feld zu finden. Dass dieser Motivator-Sohn eine gewisse Vorliebe für die weiten Wege hegt, wurde schon im letzten Jahr offensichtlich, als er sich im St. Leger probierte und nach 2800 Metern die Gruppe III-Prüfung fünftplatziert beendete.
Paul Harley kam als Nachfolger von Torsten Mundry gut aus den Startlöchern und bietet mit dem Vierjährigen ein Pferd in Hoppegarten auf, das sich durchaus noch steigern könnte. Norman Richter bekommt eine Chance, sich auf gehobenem Parkett auszuzeichnen.
Der neunjährige Caudillo gehört schon seit vielen Jahren zur Steherelite Deutschlands und kann eigentlich in jedem Jahr mit starken Leistungen aufwarten. Dr. Andres Bolte ist der Trainer des Acatenango-Sohnes, der noch im letzten November ein Listenrennen in Rom zu seinen Gunsten gestaltete.
Interessant: Caudillo wurde 2011 sparsam eingesetzt und absolvierte nur fünf Starts (allesamt in Italien), verdiente bis auf eine Ausnahme stets Geld und tritt jetzt nach mehr als 18 Monaten erstmals wieder in Deutschland an. Den Turffans wird das Herz höher schlagen, wenn sie Caudillo zu Gesicht bekommen.
Der tschechische Gast Greek Wedding aus dem Stall von Petr Juranek wird trotz erheblicher Gewichtsvorteile nicht um eine Außenseiterrolle herumkommen. Ein Kilo Mehrgewicht bringt Jockey Kenneth Pattinsdon in den Sattel, zuletzt in Köln lief Greek Wedding im Grand Prix Aufgalopp nur auf Platz acht.
Im Dreijährigenrennen über 2200 Meter tritt mit Macao ein Kandidat aus dem Stall von Formtrainer Roland Dzubasz an, der auch noch im Deutschen Derby am 1. Juli in Hamburg-Horn antreten könnte. Der Motivator-Hengst aus dem Besitz des Merseburger Verlegers Thomas Gehrig debütierte im letzten Jahr am Einheitstag auf der Heimatbahn gleich siegreich und ließ zu dieser Gelegenheit ganz bestimmt sehr gute Pferde hinter sich.
Er trifft mit Severin einen hoffnungsvollen Dreijährigen aus dem Quartier von Hans-Jürgen Gröschel, der zuletzt eine fulminante Aufholjagd zeigte und ebenfalls frischer Sieger auf der Parkbahn ist. Auch der debütierende Lateral-Sohn Hondo aus dem Quartier von Andreas Wöhler könnte sich noch in die Siegfrage mit einschalten.
In einer den dreijährigen Stuten vorbehaltenen Prüfung wird das Debüt von Faizeh mit großer Spannung erwartet.
Die vier Jahre jüngere Halbschwester des im Hauptrennen startenden Flamingo Fantasy ist mit von der Partie und könnte für einen etwaigen Auftritt im Diana-Trial an Ort und Stelle proben. Gleiches gilt für Queen Mum, Caitania, Nymphea und Hernando Directa.
Diese Ladies habe allesamt noch eine Option für das Gruppe II-Rennen der Stuten am Pfingstsonntag in Berlin-Hoppegarten. Auch der Auftritt des zuletzt zweitplatzierten Villanesco in einem weiteren Dreijährigenrennen sollte beachtet werden. Schließlich stammt der Desert Prince-Sohn aus einer höchst erfolgreichen Linie.
Leider nur sechs Pferde treten im Ausgleich II an. Hans-Jürgen Gröschel bietet im 10.000-Euro-Rennen über 2000 Meter mit El Okawango und Foreign Hill gleich zwei Starter auf. Stalljockey Wladimir Panov reitet El Okawango, dem daher eventuell größere Hoffnungen gelten könnten.
Big Titus gab zuletzt Rätsel auf, er sollte doch zu besseren Leistungen imstande sein. Brandgefährlich ist das Top-Gewicht Nunzio. Der Kleinkorres-Schützling absolviert unter Andrasch Starke seinen ersten Auftritt 2012, die Stallform stimmt zudem. Daher könnte er allen ein Schnippchen schlagen.












