Offener Brief an Frankfurts OB

GaloppOnline.de und die Sport-Welt erreichte am Donnerstagabend ein Offener Brief des Galopper-Besitzers Dr. Roberto Pollak-Aichelburg aus Wien, der bei Jutta Mayer in München trainieren lässt, an den Frankfurter Oberbürgermeister. Wir geben ihn nachfolgend wieder.

Offener Brief
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Wien, 18 September 2014

Betrifft: Frankfurter Rennbahn

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister

Als begeisterter kleiner Besitzer oder Mitbesitzer bin ich dem deutschen Galopprennsport seit Jahrzehnten eng verbunden. Mit grosser Sorge verfolge ich die Pläne der Stadt Frankfurt, das Gelände der Frankfurter Rennbahn dem Deutschen Fussballbund (DFB) zu übertragen und womöglich eine 150 jährige Renntradition damit zu beenden. Als direkter Nachkomme der einst sehr angesehenen Frankfurter Familie Gans sei ein kurzer historischer Rückblick gestattet. Meine Vorfahren waren geschäftlich und familiär sehr eng mit der nicht minder angesehenen Frankfurter Familie von Weinberg verbunden. Es waren die Weinbergs die einst unter anderem auch das Gelände der Rennbahn (und heute auch Golfplatz) der Stadt Frankfurt kostenlos überlassen haben. Auch die Familie Gans überliess der Stadt Frankfurt das ein oder andere Gelände. Beide Familien haben dabei unterschiedliche Zweckwidmungen verfolgt. Der Schluss liegt nahe, dass die Weinbergs das Gelände zum Zwecke des Galopprennsports der Stadt überlassen haben, zumal Arthur von Weinberg von 1918 bis 1938 Präsident des Frankfurter Rennclubs war. Das jährliche Weinberg Memorial erinnert nicht grundlos an seine Verbundenheit und seine Verdienste um den deutschen Galopprennsport. Eindeutige Grundlagen für die damalige Zweckwidmung gibt es scheinbar nicht mehr. Das ist nicht verwunderlich, bedenkt man dass Zweckwidmungen jüdischer Familien in der Nazizeit wohl keine zu beachtende Rolle gespielt haben. Das könnte das Verschwinden eindeutiger Unterlagen erklären. Bedenkt man das grosse Unrecht, das im Dritten Reich auch den Weinbergs widerfahren ist, erscheint es ein Minimum an Feinfühligkeit geboten zu sein, der Familie Weinberg mit dem Erhalt der Rennbahn ein ehrendes und dankbares Andenken zu bewahren. Das sollte für alle Politiker egal welcher Couleur eine Selbstverständlichkeit sein.

Deutschland ist Fussballweltmeister und hat gerade im Spiel gegen Brasilien gezeigt, wie anständig und fair man als Gewinner sein kann und sein soll. Das hat viele Sympathien weltweit gebracht – auch bei mir! In diesem Sinne appelliere ich auch an den DFB, bei allem Verständnis für ihre Anliegen, die historischen Tatsachen nicht zu übersehen sondern sich ebenso fair und anständig um eine gemeinsame Lösung zu bemühen.
Wo ein Wille da ist auch ein Weg!

In diesem Sinne mit freundlichen Grüssen

Dr. Roberto Pollak-Aichelburg, Wien

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