Night Magic: ‚Zauber der Nacht‘ am Hoppe-Sonntag?

Wir erinnern uns noch an den Kommentar von Manfred Chapman aus Baden-Baden: „Rangelei, Rangelei“ sagte er, als die Pferde sich auf der Zielgeraden im Großen Preis der Badischen Unternehmen beharkten. Recht hatte er, denn was sich auf den letzten vierhundert Metern da abspielte, hatte es von einer Schlägerei, wie man sie beispielsweise aus dem Eishockey kennt.

Die Französin Tres Rapide hatte mit einem erheblichen Spurwechsel eine Kettenreaktion ausgelöst. Zwar überquerte sie noch als Siegerin die Ziellinie, doch war klar, dass dies nicht der Weisheit letzter Schluss war.

Die Rennleitung stufte die Lady auf Rang drei hinter Ambassador und Adelar zurück, doch das Renngericht änderte diese Entscheidung wieder ab und setzte Tres Rapide auf Platz zwei.

Am Sonntag geht das mit 70.000 Euro dotierte Gruppe II-Rennen über 2200 Meter nun in Hoppegarten über die Bühne, wo der Super-Sonntag den vermeintlich besten Hauptstadt-Turf nach dem Krieg bietet, der Titel hat sich allerdings in Großer Preis der Hauptstadtregion geändert.

Und hier geben sich einige der besten deutschen Pferde die Ehre.
Wolfgang Figge sattelt für den Stall Salzburg Night Magic, also die Sholokhov-Tochter, die 2009 zum „Galopper des Jahres“ avancierte. Natürlich genießt Karoly Kerekes wieder das Vertrauen auf der Schimmelstute und Henkel Preis der Diana-Siegerin. Wiedergutmachung ist angesagt, denn beim Saisondebüt 2010 im Premio Presidente in Rom landete die Stute nur auf einem enttäuschenden siebten Rang, doch sollte dieser Start sie konditionell deutlich gefördert haben.

Ihr Eigner Hans-Gerd Wernicke hat den Namen der Lady Night Magic sicher nicht umsonst gewählt. Der 79jährige Unternehmer hat sein Vermögen zwar nicht im, aber mit dem Schlaf verdient. Seine Salzburger Firma Wenatex sorgt in zahlreichen Ländern auf verschiedenen Kontinenten für innovativen, orthopädisch optimalen Schlafkomfort. Zu den 1400 Mitarbeitern des Familienbetriebes gehören mehrere Dutzend bestens ausgebildete „Schlafberater“.

Wernicke – kein großes Wunder bei dem Namen – kommt aus Brandenburg, hat jahrelang in Berlin gelebt. Auch nach Jahrzehnten in Österreich und Süddeutschland schlägt sein Herz immer noch auch für die eigentliche Heimat. So führte ihn der Weg 2009 einmal nach Hoppegarten.

Der Galopprennsport, seine vor einigen Jahren entdeckte Leidenschaft, hatte ihn dorthin gelockt, denn das Diana-Trial Ende Mai war eine der Stationen seiner damals dreijährigen Stute auf dem Weg zum großen Ruhm, ehe in Düsseldorf der klassische Triumph folgte und der Auftakt zu Top-Formen war. Vom mäßigen Jahresdebüt 2010 lässt man sich nicht schocken.

„Dass sie in Rom nur Siebte war, darf man Night Magic nicht zu stark ankreiden“, kommentiert ihr Betreuer Wolfgang Figge. „Konditionell war sie noch nicht voll da. Das wird jetzt in Hoppegarten schon anders aussehen.“

Genau 387.600 Euro hat die Stute bei ihren erst 11 Starts schon verdient (genau 19,57 Euro pro gelaufenen Meter). Die Ehrenpreise überreichen wird am Sonntag der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck. Zauber der Nacht schon am Nachmittag? Für Hans-Gerd Wernicke, den pferdebegeisterten Schlafexperten, würde sich damit ein ganz besonderer Traum erfüllen.

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