Wohl keiner der 10 000 Besucher im Weidenpescher Park mochte am Sonntag nach dem Mehl-Mülhens-Rennen eine Prognose auf den Ausgang geben, das Gros war sicher der Meinung, Molly Max habe es geschafft.
Doch wie so oft in Köln war das eine Täuschung, die äußere Spur ist immer im Vorteil und Zielrichter Rüdiger Schmanns entschied nach intensivem Studium des Fotos auf „Nase“-Vorsprung für den außen attackierenden Tertullian-Sohn.
Aviso (Foto) wird so in der Karriere des erfreulich unprätentiös auftretenden Jens Hirschberger für immer ein besonderes Pferd bleiben. Es ist sein erster Sieger überhaupt für Schlenderhan gewesen, sein erster Sieger im Ausland und nun auch sein erster Sieger in einem Klassiker.
„Natürlich war die Pause nach dem Rennen in Frankreich sehr kurz“, bekannte er nach dem Wimpernschlagfinale, „aber wir hatten das Mehl-Mülhens-Rennen schon immer im Auge gehabt. Letztlich haben wir das Pferd sprechen lassen, ob es laufen kann oder nicht, es hat uns die richtige Antwort gegeben. Aviso hat sich wohl gefühlt, hatte alles gut verkraftet, deshalb haben wir ihn laufen lassen. Und wir haben es erfreulicherweise richtig gemacht.
Ohne Terry hätte er aber nicht gewonnen, seinem Ritt war es zu verdanken, dass es doch noch geklappt hat.“ Es war für das Schlenderhaner Team mehr als eine Schrecksekunde, „normalerweise geht das dann nicht mehr“, gab der Jockey zu. „Ich verstehe das auch nicht, er hat das auch noch nie gemacht.“
Ganz bewusst wurde Aviso diesmal aus der Reserve geritten, er war bei seinem Speedvorstoss außen auch etwas isoliert, „war noch richtig grün“, so Hirschberger.
Als Richtschnur für das Deutsche Derby taugte der Sieg des Tertullian-Sohnes, der im vergangenen Jahr im Übrigen noch bei Mario Hofer im Training war, allerdings nicht. „Wir werden auf Distanzen um die Meile bleiben“, sagte Jens Hirschberger, „er ist sicher kein Steher.‘












