Es ist für die Veranstalter im Moment alles andere als einfach, bessere Handicaps quantitativ attraktiv zu bestücken. Diesen Satz haben wir in den vergangenen Wochen und Monaten häufiger geschrieben, er findet auch in Vorfeld des Renntags in Mülheim seine Anwendung. Denn der Große Preis der Stadt Mülheim ist ein Ausgleich I, seit Jahren schon, wurde in der Regel über Mittel- und Steherdistanzen gelaufen. Nicht so in diesem Jahr, man hat es mit einer neuen Ausschreibung probiert, es geht über die Fliegerstrecke von 1200 Meter.
Doch dem war kein großer Erfolg beschieden, sechs Pferde werden es wohl sein, die in die Boxen einrücken, doch wäre es bei einer anderen Distanz wohl ähnlich gewesen. Letzten Sonntag war ein Ausgleich I in Düsseldorf über die eigentlich neutrale Distanz von 2200 Metern mit vier Pferden bestückt.
Doch können die Vereine aus bekanntem Grund keine üppigen Dotierungen anbieten und die 15.000 Euro, die über dem „Großen Preis“ am Raffelberg stehen, gibt es etwa in Frankreich schon in der Provinz in mittleren Altersgewichtsrennen. Immerhin ist es der Sprint in Mülheim eine ziemlich offene Angelegenheit, in der mehrere Formpferde aufeinander treffen.
Favorit sollte der von Pavel Vovcenko vorbereitete Contat (Foto, Wladimir Panov) werden. Der stark verbesserte Diktat-Sohn kommt mit frischer Siegform aus Baden-Baden an den Start, er sollte auch mit neuer Marke eine gute Rolle spielen. Florado (Markus Kolb) hat ebenfalls in Baden-Baden gewonnen, Salontiger (Norman Richter) war damals etwas mehr als fünf Längen hinter ihm.
Drei Kilo Aufgewicht muss der Schützling von Heinz Hesse schultern, da sollte er durchaus noch einmal gute Chancen anmelden. Stormiano (Jiri Palik) ist seit einem Jahr wieder einmal im Ausgleich engagiert, es ist sicher leichter als zuletzt auf Gruppe-Ebene. Assam (Karoly Kerekes) hat zuletzt eine gut ausgesuchte Aufgabe in Wien gewonnen, König Speed (Pascal van De Keere) schlug sich in Frankreich nicht schlecht, ist gegenüber dem Trainingsgefährten Salontiger keineswegs die zweite Wahl.
Da das Zweijährigen-Rennen und eine Prüfung für vierjährige und sieglose dem Rotstift zum Opfer gefallen sind, werden nur noch sechs Vollblutrennen plus einer Konkurrenz für durchgeführt. Konsequenz: Mülheim ist an diesem Tag in den Wettannahmestellen und Buchmachergeschäften nicht zu sehen, da es die geringste Gesamtdotierung der vier veranstaltenden Bahnen aufweist. Seit vielen Jahren dürfte es das erste Mal sein, dass einer Bahn in Nordrhein-Westfalen so etwas widerfährt.
Doch haben sich die für die anstehende Strukturreform Verantwortlichen das Thema Termin-Entzerrung auf das Schild geschrieben – es kann nicht sein, dass ein Renntag mit einem Ausgleich I im Blickpunkt zumindest außerhalb der Bahn unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Im Umkehrschluss ist es aber gut möglich, dass deshalb der Besuch vor Ort besonders gut ist.











