Am Freitag des vergangenen Wochenendes fand im Gasthaus Hennies in Hannover-Altwarmbuchen traditionsgemäß die Mitgliederversammlung des Hannoverschen Rennvereins statt.
Im dichtbesetzten Sitzungssaal waren die zahlreich erschienen Mitglieder vor allem gespannt, ob sich die gute Außenwirkung des ältesten Sportvereins der Region auch in einem positiven finanziellen Ergebnis wiederspiegeln konnte.
Zur Erinnerung: Mit der Abwendung der Insolvenz durch ein von den Gläubigern gebilligtes Sanierungskonzept war man vor drei Jahren unter der Regie von Gregor Baum neue Wege gegangen. Durch großen persönlichen Einsatz des Präsidenten und seiner Mannschaft
hatte die Wirtschaft in der Region den Galoppsport regelrecht wiederentdeckt.
Die Veranstaltungen wurden seither als familienfreundliche Events aufgezogen, die nicht nur große Resonanz bei den Zuschauern sondern auch im Sponsorenbereich fanden. „Hannover macht es allen vor, wie man Galopprennen erfolgreich veranstaltet“, äußerte sich kürzlich ein angesehener Insider des deutschen Galopprennsports.
Dieses untermauerten auch die Zahlen, die Gregor Baum den Mitgliedern an die Hand gab.
An 10 Renntagen konnte der Umsatz auf 2.135.000 Euro gesteigert werden, was einem Anstieg von 18,68 Prozent entsprach, doch wurde im Vorjahr ein Renntag weniger veranstaltet. Der durchschnittliche Umsatz pro Rennen erhöhte sich deshalb nur leicht um 0,7 Prozent.
Erfreulich war auch der gute Zuschauerzuspruch von durchschnittlich 8.500 Besuchern. 942 Starter entsprachen einer durchschnittlichen Beteiligung von 9,25 Pferden je Rennen, womit man sich seitens des Veranstalters ebenso zufrieden zeigte, wie mit einer Steigerung der ausgeschütteten Rennpreise in Höhe von 158.000 Euro gegenüber dem Vergleichzeitraum des Vorjahres. Nicht ohne Stolz verwies Gregor Baum in diesem Zusammenhang auf ein Sponsorenaufkommen in Höhe von 850.000 Euro.
„Das ist schon eine immense Summe“, so Baum (Foto). Auch der sportliche Aspekt kam 2007 nicht zu kurz: Acht Listenrennen, ein Auktionsrennen und ein Gruppe III-, sowie erstmals in der 140jährigen Geschichte des Rennvereins ein Gruppe II-Rennen standen in diesem Jahr zur Entscheidung. Dieses hatte zur Folge, dass nun auch viele ausländische Quartiere die Neue Bult entdeckt haben.
Allein drei Hauptrennen gingen auf diese Weise nach Frankreich, England und Irland. Garant für einen gelungenen Rahmen der Renntage war wieder einmal das Wetter, das an allen Renntagen einen positiven Beitrag zum Gelingen beigetragen hatte. „Auch der Trainingsbetrieb hat sich gut entwickelt“, so Baum. Durch König Turf, Waleria und Electric Beat konnte viermal auf Gruppeebene gepunktet werden, was es in Hannover zuvor nie gegeben hatte. „Die zum Jahresbeginn getätigten Investitionen in den Trainingsbetrieb haben Früchte getragen“ stellte der Vereins-Boss fest.
Doch trotz vieler guter Nachrichten gab es bei den Verantwortlichen keinen Grund zum Jubel. “Trotz des hohen Sponsorenaufkommens haben wir kein positives Ergebnis erzielen können“ resümierte der Präsident. Insbesondere Investitionen im kleineren Bereich, darunter ein Traktor, hatten zu einer finanziellen Lücke beigetragen, die durch ein privates Darlehen geschlossen werden konnte. „Der Trainingsbetrieb erwirtschaftet keinen Ertrag.
„Das Budget ist eng und wir sind nicht auf Rosen gebettet“ stellt Baum hinsichtlich weiterer Investitionen klar.
Tätig wurde man in zwei anderen finanziellen Angelegenheiten, die für die Zukunft des Vereines nicht von unerheblicher Bedeutung sein dürften.
Der Verein sicherte sich in sprichwörtlich letzter Minute ein früher dem Rennverein gehörendes Grundstück im angrenzenden Wietzepark, das einst im Zuge der Sanierung dem Hauptgläubiger zugefallen war und der dieses ohne Kenntnis des Vereins weiterveräußern wollte.
Nun befindet sich das 6,5 Hektar große Grundstück wieder im Vereinseigentum, wobei 70.000 Euro investiert wurden. „Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrats haben verbindlich erklärt, dass sie jederzeit dem Verein das Grundstück für diesen Betrag abkaufen werden, sofern sich dafür die finanzielle Notwendigkeit ergeben sollte“, zerstreute Baum eventuelle Bedenken hinsichtlich der Investition, die sich später einmal als kluger Schachzug entpuppen könnte, sollte die Fläche als Gewerbegebiet umgewandelt werden und dadurch an Wert gewinnen. Damit ist das Areal für den Trainingsbetrieb auf Dauer gesichert.
Auch eine andere Angelegenheit hat für den Rennverein ein positives Ende gefunden. Der einstige Präsident und Bürge Frank Ritter wurde zwischenzeitlich abgefunden. Bekanntlich hatte der fast zwei Jahrzehnte amtierende Vorgänger von Gregor Baum für die Verbindlichkeiten des Vereins in einem erheblichen finanziellen Rahmen gebürgt und war von der Hauptgläubigerin seinerzeit in die Pflicht genommen worden.
Hieraus resultierte eine Forderung, die Ritter wiederum gegen den Hannoverschen Rennverein hatte. Nun war es in Gesprächen mit Ritter gelungen die sich auf 170.000 Euro belaufenden Forderungen mit 100.000 Euro abzugelten, was sich als Sanierungsgewinn in den Büchern niedergeschlagen hatte. Damit hat der Rennverein in seiner dritten Saison nach dem Neuanfang alle alten Zöpfe der finanziellen Verpflichtungen aus der Vorzeit abschneiden können.
Vorstand und Aufsichtsrat wurden schließlich einstimmig entlastet.
Nach dem Ende der ersten Legislaturperiode standen die Wahlen des Aufsichtsrates für die nächsten drei Jahre an. Der Präsident schlug den Mitgliedern vor, das bisher aus zehn Mitgliedern bestehende Gremium um Dr. Rainer Eckart zu erweitern. Der hannoversche Jurist und einer der größten Insolvenzverwalter in Deutschland, hatte seinerzeit unter großem persönlichen Einsatz das Baum`sche Sanierungskonzept umgesetzt und damit den Hannoverschen Rennverein vor dem Aus gerettet.
Einstimmig wurde die Personalie entschieden und dem Vorschlag des Präsidenten gefolgt. Dem Aufsichtsrat, dem auch unverändert Hannover 96-Boss Martin Kind angehört, wurde für weitere drei Jahre das Vertrauen ausgesprochen.
Danach präsentierte Gregor Baum eine Vorschau auf das Rennjahr 2008, in dem wieder zehn Renntage stattfinden sollen.
„Wir arbeiten daran, die Sponsoren für das neue Jahr zu erhalten und sie dazu zu bewegen ihr Sponsoring sogar noch zu erhöhen“ erklärte Baum. Zu den Partnern, die ihre Zusammenarbeit bekräftigt haben, zählt neben der VGH Versicherungsgruppe Hannover, die ihr Engagement noch weiter ausbauen wird, auch wieder die Volksbank Hannover, die den Pfingstmontag gebucht hat, um nur einige wichtige Partner zu nennen, die das nächste Rennjahr begleiten werden. Ein Fragezeichen steht dagegen hinter der Saisoneröffnung am Ostermontag, einem Traditionstermin auf der Neuen Bult.
„Ostern ist im nächsten Jahr drei Wochen früher als üblich, so dass wir bei einem starken Winter zu einer Absage gezwungen werden könnten. So etwas ist einem Sponsor, der Planungssicherheit haben möchte und seine Gäste acht Wochen vorher einladen muss, nicht zuzumuten.
Auch könnte die weiter reduzierte Zahl von Pferden im Training und die durch den Winter eingeschränkten Trainings-möglichkeiten eine nicht ausreichende Zahl von Startern zur Folge haben, was auch zu einer Absage führen könnte“, gibt Baum zu bedenken. Gleichwohl ist dem Vereinsboss klar, dass es sich bei dem Ostermontag in Hannover um einen vom Publikum stets gut angenommener Renntag handelt.
„Auf jeden Fall geht der Renntag keinesfalls verloren, sondern soll an anderer Stelle im Jahr nachgeholt werden“ bekräftigte der Präsident. In diesem Zusammenhang ist auch ein Doppelrenntag denkbar. Das Highlight des Jahres wird am 10. August wieder das Gruppe II-Rennen sein. Beibehalten wird auch das Konzept, an jedem Renntag ein Listenrennen auszutragen. Gerne möchte man die Rennpreise im Basis-Segment anheben, doch sind solchen Vorhaben enge Grenzen gesteckt.
„Solange das Wettaufkommen so bleibt, sind Rennpreise nur in Höhe des Sponsorings möglich, berichtet Baum“, was unverändert das Dilemma im deutschen Galopprennsport verdeutlicht. Bekanntlich soll hier die Strukturreform wichtige Impulse für eine gesundere finanzielle Basis des Galopprennsports bieten, an dessen Zustandekommen der Hannoversche Rennvereinspräsident maßgeblich beteiligt ist.
In diesem Zusammenhang nahm Gregor Baum die Mitglieder mit auf diese Reise und bat um uneingeschränkte Unterstützung dieses Vorhabens, das aus drei Schritten besteht: 1. Die Rechte in einer zentralen Gesellschaft dauerhaft bündeln, 2. Für diese Gesellschaft Investoren gewinnen, 3. Mit dem dann vorhandenen Kapital die zentrale Vermarktung der Rennveranstaltungen vornehmen.
Auch wenn Gregor Baum zugab, den zeitlichen Rahmen des ersten Schrittes aufgrund verschiedener Einflüsse unterschätzt zu haben, so verbreitete Baum unter den Mitgliedern viel Hoffnung, was den Fortbestand des Sports auf einem besseren finanziellen Fundament angeht. „Wir führen Gespräche mit vielen potentiellen Investoren aus dem In- und Ausland, die sehr vielversprechend sind. Dass zeigt uns, dass Pferderennsport und seine Produkte für potentielle Investoren interessant und sexy sind“ so Gregor Baum.












