JOCKEY TALK HELLIER

GaloppOnline.de: Wie hat Ihnen der Tag des Abschieds gefallen?

Terence Hellier: Ich bin wahnsinnig gerührt gewesen, hatte damit überhaupt nicht gerechnet. Den Entschluss aufzuhören, habe ich ja sehr kurzfristig gefasst, mich dienstags entschlossen, der Zeitung Bescheid zu geben. Nicht zuletzt, weil ich wieder Ritte aufgrund meiner Gewichtsprobleme absagen musste. Als die Musik eingespielt wurde und ich zwischen den klatschenden Zuschauern als Letzter zurückkam, war das alles sehr ergreifend. Hardcore, das muss du jetzt durchstehen, dachte ich und war völlig überwältigt. Nochmal danke dem Rennverein und allen, für die tolle Verabschiedung. Ich mag es eigentlich gar nicht so im Mittelpunkt zu stehen, aber es war superschön. Einfach toll.

GaloppOnline.de:Und die Entscheidung ist unwiderruflich?

Terence Hellier: Ja. Ich hatte in Düsseldorf richtig heftige Kreislaufprobleme, bin zusammengeklappt. Da musste ich auch meine 56 Kilo bringen, was mir zuletzt immer schwerer gefallen ist. Ich wollte es, um ehrlich zu sein, auch nicht wahrhaben. In den letzten fünf bis zehn Jahren hatte ich gottseidank kaum Probleme gehabt seit meinem Comeback. Und diesmal spürte ich, dass es irgendwo auch eine Grenze gibt. Eine Woche später ging es mir wieder besser und ich konnte dann auch 57,5 Kilo bringen. Trotzdem fühlte ich mich zwischenzeitlich immer wieder total schlecht. In Krefeld wurde es auch nicht viel besser. Die Entscheidung wurde mir durch meinen Körper abgenommen. Ich reite jetzt mehr als dreißig Jahre und quäle mich für den Sport mehr als 25 Jahre. Ich höre auf meinen Körper und jetzt gilt es, in Ruhe zu überlegen, wie es weitergehen wird.

GaloppOnline.de: Wird es vielleicht einen Trainer Terence Hellier geben, einen Racingmanager oder kommt ein Wechsel ins Ausland in Frage?

Terence Hellier: Nein, Trainer auf keinen Fall. Vorstellbar ist vieles, auch die Nachwuchsförderung würde mir gefallen, die mir auch sehr am Herzen liegt. Oder wie damals bei Godolphin als Stallmann zu arbeiten, wäre kein Problem, ich bin unkompliziert, habe keine Berührungsängste. Aber im Moment ist alles noch frisch und ich werde in Ruhe überlegen. In jedem Fall möchte ich demnächst gerne in Köln bleiben. Allerdings bin ich erst einmal bis Ende des Monats noch in München für den Stall Salzburg bei Trainer Wolfgang Figge beschäftigt, wo ich mich seit vergangenem Oktober sehr wohl gefühlt habe. Ein absolut professionelles Arbeiten. Beide waren sehr verständnisvoll. Es tut mir auch sehr leid für Herrn Wernicke, ich mag diesen Job sehr, er tut alles für seine Pferde, wie ich es selten erlebt habe.

GaloppOnline.de: Werden Sie anders leben als bisher?

Terence Hellier: Nein, eigentlich nicht, zumal ich noch nie ein großer Esser war. Auch als Kind habe ich nie viel gegessen. Das Essen war auch übrigens nie der Grund für die Gewichtsprobleme. Ich werde weiterhin Sport treiben, den ich brauche. Aber es ist doch schon ein sehr komisches unwirkliches Gefühl, man fährt auf eine Rennbahn und kann essen und trinken, was man will, ich weiß noch nicht, ob ich beispielsweise nach Baden fahren werde. Das habe in 30 Jahren Beruf nicht einmal gemacht, freizeitmäßig eine Rennbahn zu besuchen.

GaloppOnline.de: Hätten Sie gerne jemals im Ausland gearbeitet?

Terence Hellier: Die Frage habe ich mir nie gestellt. Den Winter brauchte ich beispielsweise immer zur Regeneration. Ich bin auch eine sehr bodenständige Pflanze. Köln ist Heimat, hier spielt sich alles ab, kölsch kann ich natürlich auch (mit Augenzwinkern). Das Lebensgefühl, die lockere Art, der trockene Humor, das ähnelt auch sehr der englischen Art.

GaloppOnline.de: Ihre schlimmste Erfahrung?

Terence Hellier: Gottlob bin ich von schweren Verletzungen verschont geblieben, der Sturz mit Shivas in Frankfurt, als ich mit dem Zielspiegel kollidierte, ging glimpflich ab. Knochenbrüche sind in dem Job normal. Meine schlimmste Erfahrung war meine Hirnhautentzündung, die ich sechsmal in drei Jahren erlitt zwischen 1993 bis 1996. Meine härteste Zeit, während ich Stalljockey im Schütz-Stall war. Dreimal ging es in die Uniklinik und zu Professor Lasch nach Gießen, die Ursachen wurden nie gefunden. Es war ein Rätsel, kam von heute auf morgen, Kopf- und Nackensteifheit inklusive. Seitdem hatte ich keine Probleme mehr.

GaloppOnline.de: Gibt es das Highlight für den Jockey Terence Hellier?

Terence Hellier: Am Arc-Tag in Paris mit Martessa zu gewinnen, wo ich überhaupt nicht mit gerechnet habe. Ich war noch sehr jung, mein erster Auftritt international. Es war so verrückt, nicht zuletzt, weil viele Deutsche vor Ort waren, etwas ganz Besonderes. Jeder, der live dabei war, kann das, denke ich, nachvollziehen. Und zum Schluss, das Derby dann doch einmal zu gewinnen.

GaloppOnline.de: Was sagen Sie zu Pastorius?

Terence Hellier: Er hat den Erfolg verdient. Ich habe es immer wieder versucht im Blauen Band. Eine spezielle Geschichte. Dritter, Vierter oder ganz hinten. Hamburg war für mich immer ein kurioses Rennen. Eine Diana habe ich beispielsweise dreimal gewonnen. Guineas und Leger auch, das Derby wollte einfach nicht klappen, Peter Remmert und Peter Schiergen zum Beispiel schafften es nie. Die Chance kommt nur einmal im Jahr, da muss an einem bestimmten Tag alles passen. Große Starterzahl, Rennverlauf, Boden, eckige Bahn. Und dann kam Pastorius. Der Trainer fragte mich: Mano Diao oder Pastorius? Die Entscheidung pro Pastorius war für mich keine Frage. Das Gefühl, ihn reiten zu dürfen, war überwältigend. In der Vorbereitung lief nicht alles glatt, er galt als dunkles Pferd, der zuvor auf wesentlich kürzeren Wegen gelaufen war. Der Hengst war von Anfang an mein Lieblingspferd im Stall, ganz klar. Nicht nur, weil er das Derby gewonnen hat. Ich glaube, dass der Trainer schon ein wenig überrascht war, dass ich mich für ihn entschieden hatte. Die Arbeitsleistungen waren auch immer gut. Weil er nur auf 1700 Meter gegangen war, habe ich ihn so geritten, wie wir es dann alle gesehen haben. Nicht zu früh angreifen, aus der Reserve reiten. Vom Gefühl her war ich mir sicher, dass er die 2400 Meter wenigstens einmal schafft. Er relaxt sehr schnell im Rennen, hat eben Klasse und lässt sich wie ein Auto fahren.

GaloppOnline.de: Und Lomitas?

Terence Hellier: Der war der Beste! Nach dem Derbyritt mit ihm hatte ich eine schwierige Zeit. Er war nicht auf 100 Prozent vor dem Derby, das Pferd hatte im Vorfeld vieles gegen sich, für mich war er trotzdem der Beste, den ich je geritten habe. Ein Ausnahmepferd. Ihn nicht mehr reiten zu dürfen, hat damals weh getan. Das war bitter für mich.

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