Japan in Deutschland – Tour durch Gest?te und Rennst?lle

Die besten deutschen Galopper der letzten Jahre – Danedream und Novellist – wurden beide nach Japan verkauft. Unsere Top-Pferde fanden nach Ende der Rennlaufbahn eine neue Heimat im fernen Asien. Da war es nur naheliegend, dass eine hochrangige Delegation aus dem Land der aufgehenden Sonne kürzlich einen Deutschland-Besuch unternahm. Und vor wenigen Tagen gab sich diese Gruppe hierzulande die Ehre.

„Man war in Japan so begeistert über die Leistungen der deutschen Zucht, die trotz geringer Anzahl an Fohlen so herausragende Pferde hervorbringt“, erklärt Daniel Krüger, der Leiter der Geschäftsstelle der Besitzervereinigung für Vollblutzucht und Rennen e.V. „Daher trat die Familie Yoshida in Kontakt zu Dr. Andreas Jacobs.“ Und Krüger organisierte gemeinsam mit dem Agenten John McCormack die Tour eines Management-Teams aus Japan durch hiesige Gestüte und Rennställe.

Und die Namen der Besucher lesen sich wie das Who is Who, haben einen mehr als guten Klang: Naohiro Hosoda von der Shadai Group war mit dabei. Er ist verantwortlich für die Deckhengst-Station, die beiden Yoshida-Brüdern bzw. Syndikaten gehört. Über 30 Beschäler sind hier zu Hause, darunter auch der Superstar Deep Impact und seit kurzem Novellist. Hosoda hat die gesamte Operation unter sich.
Ebenfalls zur Gruppe gehörte Dr. Fumihiko Nakajima, der General Manager der Northern Farm und gleichzeitig Veterinär. 600 Mutterstuten und die Nachzucht, insgesamt knapp 2.000 Pferde, stehen unter seiner Obhut. Und Tomakazu Okazaki ist der Manager der 600 Mutterstuten auf der Northern Farm.

Da war es nur selbstverständlich, dass das Programm ebenso vielschichtig wie hochkarätig war. Und zwar von Anfang an. Die Gäste trafen montags ein und erhielten bereits bei einem Empfang zu Beginn detaillierte Einblicke in die Geschichte und Struktur des deutschen Rennsports, die Abläufe, Organisation sowie die einzelnen Marken German Racing, German Tote und auch über die Besitzervereinigung.

Los ging es dann so richtig am Dienstag mit einem Besuch des Rennstalles von Peter Schiergen in Köln. „Wir konnten die Abschlussarbeiten der beiden Gruppe I-Sieger Neatico und Nymphea für Hong Kong verfolgen und haben mehrere Stunden dort verbracht. Auch gab es Infos über Boxenbau und Fütterungsmethoden. Neben Peter Schiergen hat seine Ehefrau Gisela den Gästen viele Details erklärt. Das war ungemein informativ“, sagt Daniel Krüger.

Nächste Station war am Nachmittag das Quartier von Markus Klug im Gestüt Röttgen sowie die Zuchtstätte an sich, die Frank Dorff als Gestütsleiter vorstellte. Vor allem die Stute Wilddrossel, die schon in Gruppe- und Listenrennen auf sich aufmerksam machte, hatte es der Delegation angetan, denn diese Lady hat Verwandtschaft in Japan. Sehr beeindruckt zeigte man sich zudem von der riesigen Anlage und dem Schloss Röttgen.

Abends wurde im Excelsior Hotel Ernst in Köln ein (vom Gestüt Fährhof gesponsertes) Gänse-Essen mit Vertretern des deutschen Rennsports serviert. Rolf Leisten als Leiter der Zuchtkommission, Rüdiger Schmanns (Technischer Direktor beim Direktorium), Carola Ortlieb (Geschäftsführerin der BBAG) und Rolf Harzheim (Besitzer des Gestüts Bona, u.a. früherer Besitzer der nach Japan verkauften Diana-Siegerin Salomina) nahmen wie Peter Schiergen und Frank Dorff ebenfalls daran teil.

Am folgenden Morgen steuerte die Gruppe das Gestüt Ittlingen in Witten an. „Hier gab es sehr interessante Gespräche über Aufzucht, Haltung, Weidemanagement, Unterbringung von Pferden, Betreuung von Fohlen und Jährlingen. Janet Leve-Ostermann nahm die Gäste in Empfang und sprach auch über den Japan Cup-Sieg von Lando im Jahr 1995, der einer der bedeutendsten Triumphe unserer Zucht war“, weiß Daniel Krüger zu berichten.

Der Abend gehörte dann dem Gestüt Wittekindshof in Rüthen-Kneblinghausen. Gestütsleiter Karl Jörg erläuterte das Management, die Blutlinien und zeigte Nachkommen u.a. von Stuten-Derby-Siegerin Salomina. Auch die Ausnahmestute Elle Danzig wurde vorgestellt, die auch in Japan bekannt ist.

Am nächsten Morgen ging es unter Leitung von Dr. Andreas Jacobs ins Gestüt Fährhof. Alle drei Bereiche wurden präsentiert – das Hauptgestüt mit den Deckhengsten (Ex-Derby-Sieger Pastorius kam just an diesem Tag an), die Trainingszentrale (hier wird die Monty Roberts-Methode praktiziert) und die Außenstelle in Haberloh (hier wachsen die Jährlinge auf und werden für Auktionen vorbereitet).

Aber auch abseits vom Rennsport bekamen die Gäste aus Japan viele Eindrücke von Deutschland. Am Abend wurde den Besuchern zwei Stunden lang bei einer Stadtrundfahrt Bremen gezeigt, natürlich inklusive der Geschichte der Bremer Stadtmusikanten. Bei Glühwein klang diese Tour auf dem Weihnachtsmarkt aus.

Am letzten Morgen fuhr man nach Gütersloh in den Rennstall von Andreas Wöhler. Mit dem Erfolgscoach sprachen die Gäste vor allem über Novellist, sahen aber auch dessen Halbschwester (der Halbbruder war schon in Fährhof im Visier). Wöhler gab Einblicke in Training und Management. Professionell und hochinformativ.

Schließlich endete dieser Ausflug in Frankfurt, von wo die Teilnehmer zu einer Auktion nach England abflogen. „Unsere Besucher waren begeistert von der Tour. Es war eine tolle Werbung für den deutschen Galoppsport“, bilanziert Daniel Krüger.

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