Arcadio (Foto) und München-Riem, das Klassepferd des Gestüts Schlenderhan und die Galopprennbahn in der bayerischen Landeshauptstadt – das ist eine Geschichte mit mehreren Kapiteln. Bereits zweimal erlebten die Besucher hier den Monsun-Sohn im Einsatz.
Zunächst im Bavarian Classic 2005. „Hoch, hoch-, hochüberlegen“, wie es der Rennkommentator in einem vielzitierten Stakkato bezeichnete, degradierte er damals die Konkurrenz zu Statisten.
Und bei der Rückkehr nach München im Großen Dallmayr-Preis schlug sich der Hengst ebenfalls vorzüglich, auch wenn damals Soldier Hollow noch eine Nummer zu groß war.
Seither hat der Schützling von Peter Schiergen – sicherlich eines der aktuell besten Pferde in deutschen Rennställen – eine makellose Bilanz. Arcadio brachte in der laufenden Saison drei Rennen bei ebensovielen Starts an sich. Nach einem Pflichterfolg in Hannover imponierte er im Großen Mercedes Benz-Preis in Baden-Baden (u.a. gegen Fight Club über 2200 Meter).
Und in der pferdewetten.de-Trophy schlug er auf 1600 Metern, die nicht einmal seine Idealdistanz sind, mit gewaltigem Speed keinen Geringeren als Soldier Hollow, ist also ein echter „Allrounder“, ein Pferd, das alles kann.
Besser könnten die Meriten also nicht sein, die der von Peter Schiergen trainierte Schlenderhaner bei seinem dritten Ausflug nach München mitbringt. Schon lange hatte man den Großen Dallmayr-Preis, das Bayerische Zuchtrennen, für den Vierjährigen im Auge. Denn nach der Niederlage im Vorjahr möchte man unbedingt das bedeutendste Rennen des Jahres in Riem endlich gewinnen.
Die Chancen stehen in der mit 155.000 Euro dotierten Prüfung über 2000 Meter gewiss nicht schlecht für Arcadio, den selbstverständlich Privatjockey Andreas Suborics steuert. Doch auch wenn man sich mehr als die fünf Teilnehmer gewünscht hätte (die drei Channon-Vertreter wurden noch gestrichen), wird es sicherlich kein Spaziergang für Arcadio. Denn die Klasse der Teilnehmer überzeugt voll und ganz.
Da wäre zum einen Laverock aus Frankreich, der die Farben des Gainsborough Stud trägt. Der Derby-Sechste des vergangenen Jahres (er wurde als Dritter damals disqualifiziert) im Nachbarland hat auch als Vierjähriger nichts verlernt.
Der Prix d´Ispahan (Gruppe I) in Longchamp (vor manduro) wanderte auf das Konto des von Carlos Laffon-Paris trainierten und weitgereisten Octagonal-Sohnes. Und auch im Grand Prix de Saint-Cloud auf höchstem Parkett hielt sich der hengst als Dritter zu Pride und Hurricane Run mehr als achtbar. Bei der Starterangabe wurde nochmals der Jockey getauscht. Statt des ursprünglich vorgesehenen Davy Bonilla steigt nun Miguel Blancpain in den Sattel.
Das Trio der Älteren vervollständigt Fight Club, der in den Farben Gary Tanakas schon große Leistungen abgeliefert hat. In Iffezheim landete der Lavirco-Sohn als Dritter zwar hinter Arcadio, steht nun allerdings anderthalb Kilo günstiger in der Partie, gilt zudem wie dieser als absoluter Spezialist für die Bahn in München, denn bei drei Starts ist er hier noch ungeschlagen. Stalljockey Adrie de Vries zieht zwar einen Ritt auf dem Top-Araber Robbie in Deauville vor, doch fand Trainer Andreas Trybuhl in William Mongil sehr guten Ersatz.
Zwei Vertreter des Derby-Jahrgangs nehmen den Kampf auf, und beide besitzen hohes Format. Stall Lucky Owners Lord of England (Andrasch Starke) hätte bei besserem Rennverlauf das klassische Mehl-Mülhens-Rennen möglicherweise gewonnen. Doch entschädigte er sich mit dem lockeren Erfolg im Großen Preis der Wirtschaft gegen die älteren Pferde. Trainer Mario Hofer versucht es nun mit dem Dashing Blade-Sohn, der blendend auf dem Posten sein soll, erstmals auf der Zwei-Kilometer-Strecke.
Sogar schon klassische Siegerin ist Almerita, die im Henkel Preis der Diana ihre Super-Form krönte. Trainer Waldemar Hickst gab der Medicean-Tochter anschließend eine Pause zum Auftanken und nannte Dr. Christoph Berglars Ass nun für den Dallmayr-Preis nach, was den zehnfachen Einsatz kostete, also über 23.000 Euro. Da ihr Düsseldorfer Siegjockey Darryll Holland verletzungsbedingt nicht verfügbar ist, disponierte man um und engagierte Alan Munro.
Natürlich gibt es bei der „größten Kaffee-Party der Welt“ auch ein adäquates Rahmenprogramm. Im Etzel-Rennen sind die Steher auf Listen-Ebene an der Reihe. Nach dem Erfolg mit Elusive Dream vor einer Woche im Langen Hamburger könnte der englische Trainer Sir Mark Prescott mit Kiswahili erneut einen Coup landen.
Andrasch Starke ist für Kirsten Rausings Stute, die folglich die Farben der dreifachen Gruppe I-Siegerin Albanova trägt, eine signifikante Buchung. Frankly Dancing reist eigens aus Ungarn an für dieses mit 20.000 Euro dotierte Rennen über 2800 Meter. Von den heimischen Pferden dürften Amoroso und Kiton eine scharfe Klinge schlagen.
Leider ist hier mit fünf Pferden das Starterfeld ähnlich dünn ausgefallen wie im Dallmayr Coupe Lukull, einer analogen Prüfung für die Sprinter über 1400 Meter, mit sechs Pferden. Hier könnte Soave alles passend finden und sich für seine knappe Niederlage gegen Toylsome auf dieser Bahn schadlos halten.
Zehn Rennen erwarten die Turffreunde an der Isar und natürlich eine Menge Attraktionen im Rahmenprogramm. Man hofft auf einen ähnlichen Publikumszuspruch wie vor zwölf Monaten, als 25.000 Menschen auf die Bahn pilgerten.










