INTERVIEW WILHELM BAUMGARTEN
‚Das Rennfest kann starten‘
GaloppOnline.de: Am Samstag wird die 131. Harzburger Galopprennwoche eröffnet. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die fünf Renntag?
Wilhelm Baumgarten: Ich gehe sehr hoffnungsvoll in unsere Rennwoche. Der ganze Harz fiebert dem Auftakt am Samstag entgegen. Der Vorstand des Rennvereins und das Organisationsteam haben ganze Arbeit geleistet. Das Rennfest im Harz kann starten. Unsere Anlage präsentiert sich trotz der großen Hitze der letzten Tage in bester Qualität. Wir sprengen seit Wochen jede Nacht, das Geläuf ist in einem einwandfreien Zustand.
GaloppOnline.de: Der ganze Rennsport ist im Super-Handicapfieber, die ersten beiden Rennen werden zum Auftakt entschieden. Wie kam es zu der Idee dieser Rennen?
Wilhelm Baumgarten: Das ist richtig, seit Wochen diskutiert Turf-Deutschland darüber, wer die Superhandicaps gewinnt. In Hamburg traf ich viele Aktive, alle sprachen mich auf diese Rennen an. Die Idee ist vor 18 Monaten im Arbeitskreis Renntechnik unseres Vereins entstanden. Eine Nennung, viele Startmöglichkeiten, große Dotierungen und tolle Wettrennen – dieses vereinigt unsere Idee. Schon letztes Jahr waren die Superhandicaps gut angenommen, mit 106 Nennungen haben wir nun noch besser den Zeitgeist getroffen, in dem wir vier Rennen offerieren und nun erstmals auch die Doppelstartmöglichkeit an beiden Samstagen anbieten.
GaloppOnline.de: Das heisst, Pferde die heute im Superhandicap laufen, können am nächsten Samstag noch einmal laufen?
Wilhelm Baumgarten: Ja, allerdings haben die genannten Pferde, die noch nicht an diesem Wochenende laufen, ein Vorrecht auf den Start. Das heißt, wenn noch Startplätze übrig bleiben, können Pferde, die heute laufen, doppelt starten.
GaloppOnline.de: Um die Rennen noch interessanter zu machen, bieten Sie in den Superhandicaps Jackpots an und in der Vierwette eine ungewöhnlich hohe Garantieauszahlung, warum?
Wilhelm Baumgarten: Wetten ist das Salz in der Suppe einer jeder Rennveranstaltung. Der Harzburger Rennverein hat sehr gute Erfahrungen mit der Viererwette gemacht. Unsere Wetter mögen diese Wettart besonders gerne. Im letzten Jahr haben wir in den Superhandicaps immer tolle Umsätze gemacht, das soll auch 2010 so sein. Am Eröffnungstag haben wir in der Viererwette als Wettchance des Tages einen Jackpot von 5555 Euro ausgelobt und garantieren 25.000 Euro Auszahlung. Mit 50 Cent können auf diese Weise mindestens 25.000 Euro gewonnen werden, so sind die Superhandicaps noch interessanter und die Besucher kommen richtig in Derby-Fieber.
In dem zweiten Superhandicap garantieren wir erstmals in der Dreierwette 10.000 Garantieausschüttung und geben dem Ganzen am Eröffnungstag noch einen Jackpot von 2222 Euro hinzu. Wir beweisen damit auch 2010 ein Herz für die Wetter und nehmen Geld in die Hand, um attraktive Wettrennen zu kreieren. Der Rennsport muss sich seine Wettfeste selber machen!
GaloppOnline.de: Noch heisser wird’s am zweiten Super-Samstag im Harz….
Wilhelm Baumgarten: Richtig. Das wird ein Hammer: In der „Wettchance des Jahres“ wird der Harzburger Rennverein in einem der beiden Super-Handicaps am zweiten Samstag eine garantierte Ausschüttung in der Viererwette von 50.000 Euro garantieren. Zusätzlich wird es einen attraktiven Jackpot geben, der sich nach den Einsätzen des ersten Rennwochenendes richtet. 3 Prozent aller Wettabzüge steckt sich der Rennverein nicht in die Tasche, sondern lobt diese Summe als Jackpot in der Wettchance des Jahres wieder aus. Das heisst, die Wetter können am ersten Wochenende dafür sorgen, dass der Jackpot richtig hoch wird. Jeder sollte an diesem Wochenende auf die Harzburger Rennen am Totalisator wetten, denn 3 Prozent gehen dann in den Jackpot. Totowetten sind also Pflicht!
GaloppOnline.de: Der Harzburger Rennverein von 1880 e.V hat weitere Innovationen in 2010 eingeführt. Welche?
Wilhelm Baumgarten: Mit dem Seekönig setzen wir die Tradition der sehr angesehenen Seejagdrennen an den Sonntagen fort. Unmittelbar vor der Tribüne gehen die Pferde in den See, was bei den Zuschauern eine enorme Anziehungskraft hat und was ein echtes Naturschauspiel ist. In diesem Jahr machen wir aus den beiden Seejagdrennen einen Serie und das Pferd, was in beiden Rennen nach einer Punktwertung die meisten Punkte erzeilt hat, geht als erster Seekönig in die lange Geschichte der Harzburger Rennen ein. 2000 Euro erhält der Besitzer des Seekönigs zusätzlich, der Trainer des Seekönigs erhält 1000 Euro, der beste Reiter einen großen Flachbildschirm. Eine weitere Innovation ist die Prämierung des während der Rennwoche erfolgreichsten Besitzertrainers.
Auch hier gibt es eine Punktwertung, die über die ganze Woche läuft. Buchmacher Norman Albers, selbst Besitzertrainer, hatte die Idee und sponsert die 2500 Euro, die der Harzburger Rennverein für den besten Besitzertrainer auslobt. Wir erhoffen uns dadurch natürlich viele Starter und einen interessanten Wettbewerb.
GaloppOnline.de: Neben dem reinen Rennbetrieb ist aber auch rund um das Meeting einiges los, was genau?
Wilhelm Baumgarten: Das kann man so sagen. Noch nie hat es während einer Rennwoche in Harzburg so viele Veranstaltungen rund um das Meeting gegeben. Neben einem Golfturnier, einer Gestütsführung, einem Fussballspiel, einem Casinoabend mit Pokerturnier, einer Gestütsbesichtigung, einer Talkshow über Zucht und Rennpferde gibt es 2010 erstmals einen Hutwettbewerb im Zusammenarbeit mit der Goslarschen Zeitung als unserem Medienpartner. Am unserem Donnerstag-Renntag wird dabei eine Jury die schönsten Hüte mit attraktiven Preisen küren.
GaloppOnline.de: Auch an der Sponsorenfront hat es etliche Neuerungen gegeben.
Wilhelm Baumgarten: Ja, das stimmt, wir haben dieses Jahr erstmals mit einem professionellen Arbeitskreis des Rennvereins Unternehmen besucht und eine Sponsorenpyramide eingeführt. Die Nord/LB bzw. Braunschweigische Landessparkasse ist dabei seit Jahren unserer Partner und wird das auch in 2010 als Platin-Partner sein. Neben dieser erfolgreichen Zusammenarbeit hat der Harzburger Rennverein in diesem Jahr erstmals alle 43 Rennen an Unternehmen der Region verkauft.
Insgesamt positionieren wir uns mehr als „Rennbahn der Region“, was durch die Engagements von Braunschweiger Unternehmen wire Porsche Braunschweig und Hasseröder als international erfolgreicher Biermarke aus der Region dokumentiert. Aber natürlich gil mein Dank alle 43 Partnern, die zum Teil schon viele Jahre an unserer Seite sind und auch die Einführung der Sponsorenpyramide mit einem Mindestsponsorung von 3000 Euro sehr gut angenommen haben.
GaloppOnline.de: Das hört sich alles sehr gut an, der Rennsport insgesamt befindet sich ja nicht gerade in Euphoriestimmung, wo drückt in Harzburg der Schuh?
Wilhelm Baumgarten: Wir haben in den Haushaltsberatungen der Stadt zwar wieder einen beachtlichen Zuschuss erhalten, allerdings rund 30.000 Euro weniger als 2009. Deshalb mussten wir an der Sponsorenfront und durch andere Einnahmeerhöhungen gegensteuern. Ob uns das letztendlich wirtschaftlich gelingt, werden wir erst wissen, wenn die Rennwoche um ist und die Eintrittsgelder und der Wettumsatz ungefähr auf Vorjahresniveau sind. Wir hoffen das sehr, aber es hängt natürlich auch vom Wetter ab.
GaloppOnline.de: Das Derby-Meeting schließt mit einem Umsatzverlust von 12 Prozent pro Rennen ab, was macht Sie optimistisch, dass die Krise des Galopprennsports nicht auch den Harz erreicht?
Wilhelm Baumgarten: Natürlich sind die Umsatzzahlen des Rennsports nicht sehr erfreulich. Aber, wenn wir gutes Wetter haben, sollten die Ideen, die Superhandicaps, die Jackpots, der Seekönig und die große Akzeptanz unseres treuen Bahnpublikums helfen, an das sehr gute Vorjahresergebnis heranzukommen. Ich hoffe natürlich auch auf die Wettvermittler, da ja von allen Umsätzen des ersten Rennwochenendes 3 Prozent in den Jackpot für das Wettrennen des Jahres geht. Also ist der ganze Rennsport gefragt, das Rennen mit Totowetten noch attraktiver zu machen. Jede Toto-Wette am ersten Wochenende bringt den Wettern für den zweiten Samstag einen noch besseren Jackpot.
GaloppOnline.de: Wie man hört, laufen die Hotelbuchungen in Harzburg gut an, auch im Besucherbereich hat der Harzburger Rennverein einiges getan, was ist dabei der Highlight?
Wilhelm Baumgarten: Wir machen Rennsport für die ganze Familie. Deshalb ist das Investment in den Kinderbereich genauso wichtig, wie die Verbesserung des Ess und Trinkangebotes auf der Anlage. Natürlich ist auch der Bau der Adlerflug-Lounge zu erwähnen. Mit Unterstützung des Gestütes Harzburg und der Harzburger Bauwirtschaft hat der Rennverein eine Lounge in der historischen Tribüne gebaut. Insgesamt verkaufen wir eine Mitgliedschaft im Adlerflug-Lounge-Club für 250 Euro, neben dem Platz auf der Tribüne gibt es Kleinigkeiten zu Essen und Trinken kostenlos. Außerdem zeigen wir hier Bilder von anderen Bahnen.
Nur Besitzer einer Legitimationskarte können übrigens Einzelkarten an jedem Rennntag erhalten. Besitzer eines Starters erhalten sogar einen Sonderpreis. Wir bieten von den Harzburger Hotels einen extra Fahrservice für unsere Adlerflug-Gäste an. Alle Maßnahmen zusammen haben dazu geführt, dass zahlreiche Hotels ausgebucht sind. Das gab es in Harzburg so noch nie.










