Galopponline.de: Mit welchen persönlichen Erwartungen gehen Sie an ein Meeting heran, das für den gesamten deutschen Galopprennsport als Gratmesser gilt?
Dr.Benedict Forndran: Positiv gespannt – wir haben ein tolles Angebot in allen Richtungen, sportlich, wett-technisch und viel in dem einen Jahr von Baden Racing in die Anlage investiert, vor und hinter den Kulissen. So präsentiert sich z. B. das Geläuf in sehr gutem Zustand. Darüber hinaus treten wir auch das erste Mal gegen uns selbst an, wobei die Messlatte hinsichtlich des Umsatzes hoch hängt. Ich erwarte eine großartige Grosse Woche.
Galopponline.de: Was sagen Sie zur Akzeptanz der Aktiven, laufen die Nennungen für die einzelnen Rennen zu Ihrer Zufriedenheit?
Dr.Benedict Forndran: Die Nennungen gerade für die Basisrennen waren sehr gut, in den Gruppe-Rennen ist es etwas schwieriger. Zum einen ist die Spitze in Deutschland nicht sehr breit, zum anderen sind wir für die großen Rennsportnationen nur bedingt attraktiv. Das wird sich nur langsam ändern.
Galopponline.de: Wie präsentiert sich die Sponsoring-Situation bei Baden Racing bzw. wie schwierig war es, neue Investoren für die Rennen an der Oos zu gewinnen?
Dr.Benedict Forndran: Wir sind hochzufrieden – haben neue Sponsoren wie Longines, American Express oder die Berenberg Bank und können uns auf viele treue Kunden verlassen wie Mercedes Benz, den Sparkassen-Verband, das Casino, Kronimus, Darley oder Coolmore, um nur einige zu nennen.
Galopponline.de: Im Vergleich zu Frankreich gestaltet sich das zum „Startbringen eines Rennpferdes“ in Deutschland teuer. Während man beispielsweise als Besitzer im Nachbarland Frankreich die Transportkosten zu den Rennen vollständig von France Galop erstattet bekommt und dort nur eine geringe Einschreibgebühr, selbst in den großen Prüfungen des Landes, gefordert wird, hat man die Nennungsgebühren für die Badener Rennen von 1 auf 1,5 Prozent erhöht. Ist dies nicht kontraproduktiv? Oder anders gefragt. Sind Rennpreiserhöhungen nicht weniger wichtig, als aus Besitzersicht zu wissen, was für ihn unter dem Strich übrig bleibt?
Dr.Benedict Forndran: Rennvereine brauchen die Nenngebühren. Bei den Gruppe-Rennen oder dem Superhandicap muss man über die Höhe und die Staffelung nachdenken. Rennpreiserhöhungen sind aber lukrativ, wir sehen das bei den Basisrennen.
Galopponline.de: Welche Maßnahmen schlagen Sie als ehemaliger PMU-Manager mit der „Baden-Racing-Brille“ in Deutschland vor, um überhaupt Starts bei uns wieder attraktiver zu machen?
Dr.Benedict Forndran: Attraktive Rennpreise und eine attraktive Veranstaltung sind der Kern, dazu müssen die Rennvereine aber wirtschaftlich gesunden. Zudem sollte sich mancher Besitzer und Trainer fragen, ob jeder Auslandsstart wirklich so lohnend ist. Es ist ja bekanntlich eine Spirale – wir brauchen genügend Starter um Wettumsätze zu generieren, die es uns dann wiederum erlauben, bessere Dotierungen zu zahlen. Das Prinzip der Silber- und Goldhandicaps funktioniert in Baden-Baden hierbei sehr gut.
Wichtig, als „Ex-Franzose“, scheint mir aber auch eine Konzentration der Umsätze, Starter etc. auf jeweils eine Bahn je Disziplin pro Tag, sprich, keine Parallel- um nicht zu sagen „Gegenveranstaltungen“, die alle nur Starter und Wettumsatz kosten – und somit letztendlich zu niedrigeren Dotierungen führen. Derzeit wird für mein Empfinden viel von den Rennbahnen zum Neustart gefordert. Mancher Aktive ist sich teilweise aber selbst der Nächste und fährt lieber ins Ausland. Hier wäre eine gute Mischung sicherlich begrüßenswert – so viel Ausland wie nötig, so viele Starts in Deutschland wie möglich.
Galopponline.de: Wie wichtig sind die Galopprennen für die Region Iffezheim?
Dr.Benedict Forndran: Laut Untersuchungen wurden in der Vergangenheit Nettoerlöse in Höhe von bis zu 30 Millionen Euro über das Jahr für den Wirtschaftsraum erzielt. So haben beispielsweise die Übernachtungszahlen laut Gastronomie und Hotelverband gerade in jüngster Vergangenheit wieder angezogen.
Galopponline.de: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit PMU im Hinblick auf die Große Woche und was bedeutet dies für die Abläufe der einzelnen Rennen?
Dr.Benedict Forndran: Die PMU/France Galop waren sehr zufrieden mit der ersten Erfahrung der Minimeetings anlässlich des Frühjahrsmeetings. Daher wurde kurzfristig beschlossen, über die drei schon zu Jahresanfang geplanten Minimeetings – Samstag, Donnerstag, Samstag – auch noch je vier Rennen an den beiden Sonntagen in Frankreich zu zeigen.
Bis auf Dienstag, der in Frankreich traditionell wegen der Vincennes-Abendrennen den Trabern vorbehalten ist, überträgt somit PMU von allen Renntagen der Großen Woche. Von unserer Seite heißt dies natürlich, dass wir uns etwas anpassen mussten. Deshalb beginnen wir wochentags und samstags mit unseren Veranstaltungen um 15 Uhr, sonntags beginnen wir um 13 Uhr, so dass auch von weiter her angereiste Bahnbesucher zeitig auf den Heimweg kommen.
Galopponline.de: Welche Neuerungen erwartet die Besucher zur Großen Woche?
Dr.Benedict Forndran: Wir haben anlässlich des Frühjahrsmeetings gemerkt, dass unsere Neuerungen sich erst einmal setzen müssen. Wir behalten die drei Rennen mit Garantieaus-zahlungen, die neue Wette Gerade/Ungerade und die High Roller Wettbewerbe bei – einen für großes und einen für kleineres Geld und setzen den Schwerpunkt auf die Festigung dieses Angebotes. Hierfür haben wir auch die Einführung einer Wettshow mit Ulli Potofski vor dem ersten Rennen im Führring geplant. Anlässlich dieser Show soll das Wetten neuen Besuchern spielerisch näher gebracht werden.
Galopponline.de: Welche sportlichen Highlights wird es während der Großen Woche geben?
Dr.Benedict Forndran: Mit sechs Gruppe-Rennen an sechs Tagen ist die Große Woche ja traditionell ein renntechnisch hochwertiges Ereignis. Besonderes Augenmerk würde ich dieses Jahr auf die Golden Peitsche mit War Artist und Amico Fritz legen, dem hochwertigsten deutschen Rennen über die Fliegerdistanz und auf den Longines Großer Preis von Baden, in dem die Vorjahressiegerin Night Magic versuchen wird, ihren Titel u.a. gegen den Derbysieger Waldpark zu verteidigen. Am zweiten Samstag haben wir dann auch das mit 100.000 Euro höchstdotierte Handicap Deutschlands aller Zeiten.
Obwohl die Nennungen etwas hinter unseren Erwartungen geblieben sind, haben wir beschlossen, es stattfinden zu lassen. Interessant sind für die Aktiven selbstverständlich auch unsere 8 Goldhandicaps, bei denen jeweils eine nahezu doppelte Dotierung zu vergleichbaren Handicaps ausgelobt wurde.
Galopponline.de: Ein traditionell beim Rennsportpublikum sehr beliebter Bestandteil der Iffezheimer Galopprennen waren über Jahrzehnte die oft spektakulären Hindernisrennen. Sind diese mangels Umsätzen aus dem Programm genommen worden? Gibt es vielleicht Pläne, diese wieder in das Rennprogramm zu integrieren?
Es gilt noch immer, dass es zu wenig Pferde, zu wenig gute Reiter gibt und damit die Rennen aus Umsatzsicht ein Zuschussgeschäft sind.
Dr.Benedict Forndran: Auch Sponsoren sind nicht gerade leicht zu finden. Viele sehen die Rennen gerne, wetten aber eher nicht. Dennoch haben wir gerade solche Traditionsrennen wie das Alte Badener noch nicht aufgegeben, vielleicht ergibt sich eine Möglichkeit, diese Publikumsattraktionen zu beleben. Die Sprünge auf der Rennbahn bleiben jedenfalls weiter erhalten und werden bei der Pflege der Bahn mit einbezogen.
Galopponline.de: Sie haben mit der Goldenen Peitsche eine Hilfsaktion bzw. Spendenaktion zur Darmkrebsforschung ins Leben gerufen. Können Sie uns in diesem Zusammenhang Näheres mitteilen?
Dr.Benedict Forndran: Die Felix Burda Stiftung macht auf den hohen Nutzen der Darmkrebsvorsorge aufmerksam. Wir unterstützen das zusammen mit dem Sponsor bestwetten.de aus dem Hause Burda in zweifacher Form: Den Verkauf der Goldene Peitsche Magnet Pin nicht zuletzt als beliebtes Sammelobjekt und der Losaktion mit vielen Preisen, darunter einem Luxus-Wochenende in St. Moritz für zwei Personen. Wir danken da unserem Partner für die großzügige Unterstützung.
Galopponline.de: Wird auch in Zukunft der Trainingsstandort Iffezheim erhalten bleiben, oder muss man, beispielsweise aus Kostengründen, umdenken, dass auf der Rennbahn in Zukunft nur noch Rennveranstaltungen und andere Events abgehalten werden?
Dr.Benedict Forndran: Nein, der geografisch günstig liegende Trainingsstandort ist uns sehr wichtig, wir werden nie so viele große Events machen, dass dies den Trainingsstandort gefährdet. Wir arbeiten eng mit den Trainern zusammen und haben auch in unserem Investitionsbudget stets einen Teil für winterliche Arbeiten an den Bahnen.
Galopponline.de: Wie lautet Ihr persönliches Fazit Ihrer bisherigen Tätigkeit, nachdem Sie vor dem Frühjahrsmeeting 2011 die Regie bei Baden-Racing übernommen haben?
Dr.Benedict Forndran: Spontan kann ich nur sagen, dass ich meinen Schritt nicht bereut habe! Es gibt viele Herausforderungen, aber mit Mitarbeitern, die ihre Arbeit lieben, mit einem rundweg positiven Echo in der Presse und beim Publikum und viel noch nicht ausgeschöpftem Potenzial in Sponsoring, Drittvermarktung etc. bin ich guter Dinge. Selbstverständlich bleiben auch wir nicht von der Diskussion um den Glücksspielstaatsvertrag und die möglichen Änderungen des Rennwettlotterie-Gesetzes verschont.
Aber wir können hier auf eine Infrastruktur, Mitarbeiter, Gesellschafter und eine regionale Unterstützung zurückgreifen, die es mir erlauben, sehr optimistisch in die Zukunft zu schauen – womit ich jetzt auch erst einmal mit vollem Elan in meine erste Große Woche starte.
Galopponline.de: Welche wettunterstützenden Maßnahmen planen Sie zur Grossen Woche 2011?
Dr.Benedict Forndran: Wir haben beschlossen, das Prinzip der drei täglichen Garantiesummen weiter beizubehalten und sofort am ersten Wochenende deutliche Signale zu setzen. So garantieren wir über die sechs Renntage in den zwölf Rennen mit Viererwette und sechs Rennen mit der Super-Dreierwette schon heute insgesamt über eine halbe Millionen Euro Ausschüttung, wobei möglicherweise am ersten Wochenende entstehenden Jackpots zu einer weiteren Erhöhung der Garantiesummen des zweiten Wochenendes führen würden.
Am ersten Sonntag schreiben wir auf der Wettchance des Tages schon eine Garantiesumme von 77.777 Euro aus. Bei einem Mindesteinsatz von 50 Cent bedeutet das bei einem einzigen Gewinner eine Quote von 1.555.540:10 ergibt. Dies ist in 2011 bis dato die höchste Garantiesumme im deutschen Rennsport.
Galopponline.de: Wenn Sie noch ein letzte Wort hätten…
Dr.Benedict Forndran: Dann wünsche ich allen Aktiven Hals und Bein für eine tolle Grosse Woche, den Besuchern viel Spaß und den Wettern viel Erfolg!









