Es ist wohl die am häufigsten gestellte Frage im deutschen Turf bis zum ersten Juli-Sonntag eines jeden Jahres: Wer wird Derbysieger? In diesem Jahr wird die Frage sogar noch drei Wochen länger gestellt, denn wegen der Fußball-Weltmeisterschaft wird der Kampf um das „Blaue Band“ in Hamburg-Horn erst am 23. Juli ausgetragen.
Fachleute, Turffreaks und jeder, der mit dem Galoppvirus infiziert ist, fachsimpeln, diskutieren, bewerten die Zweijährigenformen der letzten Saison, diskutieren auch über vielleicht noch nicht gelaufene, mögliche Derbykandidaten. Auch wir haben die Generation 2003 beleuchtet.
Und die Wahrscheinlichkeit, dass der Derbysieger des Jahres 2006 noch nicht auf der Bahn gewesen ist, ist größer als in den Vorjahren. Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen, eben der, dass das wichtigste Rennen im Leben eines Rennpferdes diesmal drei Wochen später stattfindet, was besonders für Pferde, die in ihrer Entwicklung etwas aufgehalten wurden, von Vorteil ist. Und zum anderen der, dass es in der Saison 2005 insgesamt nur 63 Zweijährigenrennen gab, die zum größten Teil auch noch recht kopfschwach besetzt waren.
Nimmt man hinzu, dass logischerweise, wie es im deutschen Rennsystem Tradition hat, die meisten Rennen auf den Sprintdistanzen ausgetragen wurden, ist es sogar äußerst unwahrscheinlich, dass man den Sieger des 137. BMW Deutschen Derbys bereits an der Öffentlichkeit gesehen hat. Wahrscheinlicher dürfte sein, dass er sich unter den noch nicht gelaufenen Pferden in einem der führenden Rennställe befindet.
Von den 2005 bereits gelaufenen Dreijährigen kommen am ehesten der Winterfavorit Aspectus und der Singspiel-Sohn Lateral, seineszeichens durch den Erfolg im Gran Criterium in Mailand bereits Gruppe-I-Sieger, als mögliche Derbysieger in Frage. Der Röttgener Spectrum-Sohn gewann den Preis des Winterfavoriten auf der Meile in gutem Stil, seine Mutter Anna Thea hatte ausreichend Stehvermögen, gewann auf der Derbydistanz das Ludwig Goebels-Erinnerungsrennen in Krefeld, zudem über 2200 Meter den deutschen Herold-Preis auf Gruppe-III-Ebene in Hamburg.
Vom Vater Spectrum, der selbst ein Pferd für Wege zwischen 1600- und 2000 Meter war, hat Aspectus möglicherweise nicht unbedingt Stehvermögen vererbt bekommen, dafür könnte aber seine Mutter, eine Turfkönig-Tochter, gesorgt haben. Immerhin gewann Aspectus den Preis des Winterfavoriten von der Spitze aus nach einer strammen Fahrt leicht, ohne am Ende Zeichen von Müdigkeit erkennen zu lassen. Und das gegen ein sicher überdurchschnittlich besetztes Feld, denn mit Nordic Thunder, Oriental Tiger und Lucidor ließ er bewährte Gegner hinter sich, die in ihren Quartieren zu den absoluten Favoriten zählen.
Der Fährhofer Lateral ist bei drei Starts noch ungeschlagen, gewann nach einem Maidenrennen in Hannover das Badener Kronimus-Rennen, um dann in Mailand im Gran Criterium zu triumphieren. Dort packte er, nachdem er lange festgesessen hatte, in der Schlussphase noch mächtig an. Seine Mutter Ligona war zweifache Listensiegerin auf der Meile, in der Zucht brachte sie mit Liandero und Lidio zunächst schnelle Pferde, doch stammten diese mit Night Shift und Alzao auch nicht gerade von Hengsten, die Stehvermögen vererben.
Das sieht bei Laterals Vater Singspiel natürlich anders aus, denn der In the Wings-Sohn gewann auf höchster Ebene den Japan Cup, das Canadian International, Juddmonte International, Coronation Cup und den Dubai World Cup, also alles Rennen, in denen es über weitere Wege ging. Bis 2000 Meter sollte Lateral also durchaus kommen, so sah es auch sein Betreuer Peter Schiergen nach den bisherigen Starts.
Der bereits erwähnte Nordic Thunder, der Zweite aus dem Preis des Winterfavoriten, stammt wie Lateral von Singspiel. Dass er ein gutes Pferd sein muss, verdeutlicht die Tatsache, dass sein Betreuer Andreas Schütz ihn als Debutant gleich im Berberis-Rennen aufbot, das der Hengst dann auch gleich gewann.
Seine Mutter Navona ist nur zweimal gelaufen, gewann wie ihr Nachkomme aber gleich beim Debut ein Mülheimer Listenrennen, den Vogelpark Walsrode-Pokal. Navona stammt von Leone, der natürlich ein echter Steher war. Nordic Thunder ist mittlerweile im Chantilly-Quartier von André Fabre beheimatet. Da darf man auf die weitere Entwicklung des Hengstes gespannt sein, eine Derbynennung besitzt er in jedem Fall.
Die hat auch noch Oriental Tiger, ein Auenqueller aus dem Quartier von Uwe Ostmann. Seine Mutter Oriental Flower gewann vier ihrer fünf Starts. Als von Big Shuffle stammend war sie natürlich auf kurzen Wegen zu Hause, in der Zucht brachte sie mit Oriental Rock einen Steher (stammte von Acatenango) und mit Oriental Sea (von Lando) ein Pferd, das eher auf Wegen um die Meile zu Hause war. Tiger Hill müsste da bei Oriental Tiger schon reichlich Stamina vererbt haben, damit dieser über den Weg kommt.
Die komplette Story lesen Sie in der nächsten Ausgabe der VOLLBLUT, die Mitte März erscheint











