Baden-Baden ist die Premiumbahn Deutschlands. Hier werden die höchsten Umsätze erzielt, hierhin kommen die meisten Besucher, hier werden die größten Rennen (abgesehen vom Derby) in Deutschland ausgetragen. Bei bestem Wetter ging das erste Wochenende des Frühjahrs-Meetings in Iffezheim über die Bühne.
GaloppOnline.de hat im großen Rennbahn-Check für Sie erneut das Geschehen unter die Lupe genommen, die Tops und Flops (auch nach Gesprächen mit vielen Rennbahnbesuchern) beleuchtet. Im Folgenden die Ergebnisse:
Tops:
– Nach den heftigen Regenfällen zur Wochenmitte hatte man mit einem aufgeweichten Geläuf gerechnet. Doch das war nicht der Fall. Der starke Wind hatte die Bahn abgetrocknet, dank der Top-Arbeit von Rasenmeister Bodo Heitz hatte der Boden Teppich-Qualitäten.
– Ein Pferd der Queen in Iffezheim (Foto), das hatte es lange nicht mehr gegeben. Die Gäste aus dem Ausland sind das Salz in der Suppe. Wenn man sogar im Buckingham Palace Notiz von den Badener Rennen nimmt, dann kann das für die Außenwirkung nur wichtig sein.
– Über mangelnde Unterstützung der lokalen Presse konnte man sich in Baden noch nie beklagen. Zahlreiche Sonderseiten in den Tageszeitungen, Spots im Radio und Beiträge in Lokal-Sport-Sendungen gab es. Nur am Samstag wird es in dieser Hinsicht im TV schwierig, sofern der VFB Stuttgart deutscher Fußballmeister wird. Dann wird es alles andere einfach, den Turf adäquat im Fernsehen unterzubringen.
– Die Gastronomie auf dem Hippodrom könnte abwechslungsreicher kaum sein. Für fast jeden Geldbeutel ist etwas zu bekommen. Wer hier nicht satt wird, wo wird er es dann?
– Die Atmosphäre ist so familiär wie nirgendwo sonst. Nicht nur an den Wettschaltern werden Stammgäste teilweise mit Vornamen begrüßt. Man kennt sich in Iffezheim.
– Das Finale der Fußball-Bundesliga interessiert auch viele Turffans. Da war es nur positiv, dass die Halbzeit- und Endergebnisse der ersten beiden deutschen Ligen auf allen TV-Monitoren eingeblendet wurden.
Flops:
– Denn Talk zwischen Rennen abzuschaffen, ist sicherlich zu überdenken. Der Talk vor den Rennen war in der Vergangenheit ein richtiger ‚Appetizer‘, trieb viele Leute zu den Schaltern. Rennbahnen ohne Moderation und Wettanimation zwischen den Rennen sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Die Ansagen der beiden Moderatoren in den letzten Jahren hatten einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Eventualquoten. Aus Kostengründen und weil manche Kommentare angeblich ‚zu fachlich‘ waren, verzichtet man darauf. Stattdessen werden von Sven Wissel auf die Schnelle Tipps eines sogenannten ‚Wettman‘ (Wer ist das?) durchgegeben, ohne jegliche Begründung.
– Wie von GaloppOnline.de schon auf anderen Bahnen bemängelt, wurden zahlreiche Wetter sich selbst überlassen. Warum platziert man nicht in Führringnähe attraktive Damen, bei denen man direkt seine Wetten abgegeben kann? Wie wird ein Viererwett-Schein ausgefüllt? Was kostet so eine Wette? Viele Besucher wussten das nicht und brauchen Hilfestellung. Die ein oder andere Kasse für den Einsatz-Check aufzustellen und besonders zu kennzeichnen, kann eigentlich kein großes Problem sein.
– Das sportliche Niveau der Rennen hat nachgelassen. Am Samstag gab es drei Ausgleiche IV, zwei Maidenrennen und einen Ausgleich U. Natürlich ist es in den unteren Handicaps leichter, pralle Starterfelder zusammenzubekommen. Aber solche Prüfungen gibt es auch auf kleinen Südwestbahnen. Wenn man die Premiumbahn sein will, muss man sich hier dringend etwas einfallen lassen.
– Der Kameramann zwischen den Rennen sollte den Fokus auf das legen, was zählt: die Pferde. Minuten vor dem Rennen werden Zuschauer vor der Tribüne eingeblendet. Das hilt dem wettenden Publikum aber kaum.
– Wer Fussball sehen wollte, musste zum Bookie. Die Live-Spiele der Bundesliga, die noch selten so spannend war wie jetzt, konnte man nur auf kleinen Monitoren beim Buchmacher verfolgen. Auch die Guineas aus Frankreich waren nur hier zu erleben. Immerhin wurde das Rennen von Soldier Hollow aus Italien auf den Bildschirmen zeitversetzt gezeigt.
– Die Interviews im Absattelring mit den Aktiven bringen viele Hintergrundinfos zutage. In Nähe des Führrings waren sie allerdings kaum zu verstehen, was an der Lautsprecheranlage gelegen haben könnte.
– Die großen Konzerte mit Top-Stars bringen Iffezheim in ganz neuen Kreisen ins Gespräch, sind Riesen-Attraktionen für die Bahn und Region. Doch die ständigen (!) Werbespots dafür auf den Monitoren, die die Einblendung der Pferde und Eventualquoten unterbrechen, kann man irgendwann nur noch schwer ertragen. Inzwischen müsste jeder wissen, dass Elton John und Lionel Richie sich hier präsentieren.
– Das neue Motiv mit einem jubelnden Andreas Suborics im Schlenderhan-Dress steht grossflächig in den meisten Rennen links und rechts vom Zielpfosten. Suborics reitet zwar nicht mehr für Schlenderhan und das Motiv könnte damit etwas unglücklich sein. Aber darüber sehen wir einmal hinweg. Dass nun aber auf nahezu jedem Foto vom Zieleinlauf in Iffezheim (wie es am Montag in der Presse der Fall war) ein jubelnder Suborics im Hintergrund zu sehen ist, ist nicht sehr glücklich.











