Die Sparte „Pechvogel des Jahres“ ist gewiss nicht gerade die Kategorie, für die man unbedingt nominiert werden will. Schon gar nicht träumt man davon, diese am Ende auch zu gewinnen. Dennoch gehört auch im Sport das Pech zum Alltag und den meisten „Pechvögeln“ gelingt es auch, dieses sportlich zu nehmen. Auch, wenn es manchmal schmerzt und schwerfällt.
Das tat auch Stefan Hahne, als er im vergangenen Jahr von unseren Lesern im Rahmen der Online Awards zum „Pechvogel des Jahres“ gewählt wurde. Damals wurde er nominiert, da seine Sunny Queen 2020 just nach dem Verkauf an das Cayton Park Stud den zur Gruppe I zählenden Großen Preis von Bayern gegen den im vergangenen Jahr dann im „Arc“ erfolgreichen Torquator Tasso gewinnen konnte. In diesem Jahr sorgte Hahne mit einer anderen Stute für Schlagzeilen, die eigentlich nur noch als kurios angesehen werden konnten. Mit der von Henk Grewe trainierten Flamingo Girl peilte man stets Black Type an. Natürlich – steigert dies doch den Zuchtwert einer Stute nicht unerheblich. Nach zwei Listenplatzierungen im Jahr 2020 lief die Soldier Hollow-Tochter 2021 auch auf Gruppe III-Parkett platziert. Am 19. September schickte man die Stute dann nach Rom in den Premio Elena e Sergio Cumani der Gruppe III, wo der Traum eines jeden Besitzers wahr werden sollte: Flamingo Girl gewann. Knapp, aber der Gruppesieg war unter Dach und Fach.
Doch dem Jubel um den Sieg folgte jäh die Ernüchterung, als man nach dem Rennen im Zuge der Dopingprobe einen erhöhten Testosteronwert feststellte. Doping konnte ausgeschlossen werden, nachdem in der Tiermedizinischen Hochschule Hannover unter der Leitung von Herrn Professor Sieme weitere Untersuchungen vorgenommen werden. Das Ergebnis: Flamingo Girl besaß sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsmerkmale. Der erhöhte Testosteronwert wurde von der Stute körpereigen produziert.
Den Sieg in Rom hat man ihr offiziell noch nicht aberkannt, was für Stefan Hahne aber noch schwerer wiegen dürfte, ist die Tatsache, dass er mit Flamingo Girl nicht züchten oder sie für die Zucht verkaufen kann, denn physisch – auch das ergaben die Untersuchungen – ist sie überhaupt nicht in der Lage, tragend zu werden und damit Fohlen zur Welt zu bringen. Flamingo Girl, der man den Sieg in Rom offiziell noch nicht aberkannt hat, wurde inzwischen kastriert und befindet sich weiter auf der Trainingsliste. Durch die Kastration hofft man sich zumindest Normalisierung der Testosteron-Werte. Flamingo Girls Geschichte, die bis dato so kurios verlief, wird also erst einmal weitergehen. 32 Prozent stimmten am Ende für Flamingo Girl, die Best of Lips (18 Prozent) und das Gestüt Schlenderhan (17 Prozent) auf die Plätze verwies.













